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Das Beste kommt zum Schluss

Von Für Marco Russ läuft es momentan optimal. Der Abwehrveteran fühlt sich bei der Frankfurter Eintracht so wohl wie noch nie.
Der Zusammenhalt ist spürbar: Mijat Gacinovic, David Abraham und Marco Russ (von links). Foto: Peter Hartenfelser (Peter Hartenfelser) Der Zusammenhalt ist spürbar: Mijat Gacinovic, David Abraham und Marco Russ (von links).
Frankfurt. 

Das Nachmittagstraining ist eigentlich schon vorbei, es beginnt ganz langsam zu dämmern. Und Marco Russ dreht immer noch ein paar Laufrunden. Er ist jetzt 32, das Programm in der Fußball-Bundesliga ist strapaziös, vor allem bei einem Trainer wie Niko Kovac. Aber die Arbeit bei der Frankfurter Eintracht macht ihm momentan richtig Spaß. „Wir haben eine Top-Mentalität. In der Kabine herrscht ein Super-Miteinander und ein großer Zusammenhalt, auch nach Niederlagen. Ich kann mich eigentlich an keine bessere Mannschaft hier erinnern“, sagt Russ. Und er ist in Frankfurt nun schon ein paar Jahre dabei.

Im Spätherbst seiner Karriere dreht Marco Russ, in Abwesenheit von Alexander Meier dienstältester Eintrachtler, noch einmal auf. Er kann es eigentlich nur als großes Geschenk empfinden – nach der Hodenkrebs-Diagnose, die ihn im Frühjahr 2015 mitten im Abstiegskampf, vor dem ersten Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg, aus seinem bisherigen Leben riss. Er hat sich nach Operation und zwei Chemotherapien mit allen mobilisierbaren Kräften zurückgekämpft. An diese dunkle Zeit erinnern nur noch die Kontrolluntersuchungen, zu denen er alle vier Monate muss.

Er ist vielleicht nicht mehr der Schnellste. Aber Russ liefert harte, seriöse Arbeit ab. Und er trifft wieder. Sein zwischenzeitliches 2:1 gegen Köln vor ein paar Wochen, erzielt per Kopf, rief in Erinnerung, dass der 1,90-Meter-Mann zu den torgefährlichsten Verteidigern in der Frankfurter Historie gehört. „Meine maximale Anzahl an Toren in einer Saison liegt bei vier. Ich habe jetzt mein Konto eröffnet, ich hoffe, es geht so weiter“, sagte er.

Allerdings trifft Russ auch immer wieder einmal ins eigene Tor. So wie beim 2:3 in Dortmund. Und wie im ersten Relegationsspiel gegen Nürnberg. Fünf Eigentore stehen in seiner Statistik. Nur die HSV-Ikone Manfred Kaltz und der Ex-Mainzer Noveski rangieren in dieser unerfreulichen Liste vor ihm.

Aber insgesamt könnte es für Russ im Augenblick nicht besser laufen. Nach mageren Einsatzzeiten in der Hinrunde (nur 199 Minuten in den ersten zehn Partien) und zwischenzeitlichen Achillessehnen- sowie Fersenproblemen ist er mittlerweile ein wichtiger Faktor im Rotationssystem von Niko Kovac. Wenn der Trainer ihn ruft, ist der gebürtige Hanauer zur Stelle. Anfangs war er eine Ergänzung zu den etablierteren Kräften wie Kapitän David Abraham, Simon Falette und Carlos Salcedo. Inzwischen gehört er wieder ziemlich fest dazu. Pausen, wie zuletzt beim 3:0 gegen Mainz, muss er trotzdem einkalkulieren und hinnehmen: „Das ist gut. Man sollte sich nicht sicher fühlen“, sagt Russ: „Wir haben einfach vier super Innenverteidiger. Und David ist immer dabei.“ Wenn Makoto Hasebe auch hinten spielt, bleibt nur noch ein Platz übrig. Russ übt sich in Pragmatismus, er hat unter anderen Trainern schon andere Zeiten mit weniger Leistungsdruck erlebt: „Wenn man weiß, man macht alle Spiele, ist das auch nicht gut.“

Fast sein ganzes Fußballerleben hat der zweifache Vater bei der Eintracht gelebt. Das zweijährige Intermezzo in Wolfsburg, nach dem letzten Abstieg 2011, ist längst vergessen. Die Fans lieben Russ. Weil er den Adler im Herzen trägt. Weil er den Krebs besiegt hat. Und weil er ein bodenständiger Typ ist. Jeder würde es ihm von Herzen gönnen, wenn die Reise noch einmal nach Europa ginge. Momentan ist sogar noch das Erreichen der Champions League möglich. Marco Russ ist auf alles vorbereitet: „Für den Fall, dass es hinhauen sollte, würde ganz Frankfurt wohl komplett ausrasten“, hat er neulich in einem „F.A.Z.“-Interview gesagt. Nach dem schon länger sichergestellten Klassenerhalt ist das neue Saisonziel vom Trainer noch nicht ausgegeben worden. Marco Russ ist sich aber ziemlich sicher, wie es lauten wird: „Wenn man so lange da oben mitspielt, will man am Ende nicht Achter werden.“

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