Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Fußball: Der Abend des Kevin Trapp

Von Kevin Trapp ist in einer merkwürdigen Situation. In der deutschen Nationalmannschaft wird der Torhüter geschätzt. Weil er aber in Paris nicht spielt, ist sein WM-Ticket in Gefahr.
Diese Freude muss raus: Kevin Trapp nach dem Tor zum 2:2. Foto: Marius Becker (dpa) Diese Freude muss raus: Kevin Trapp nach dem Tor zum 2:2.
Köln. 

Die überschwänglichen Jubelszenen spielen sich vor dem französischen Tor ab. Die stürmischen Umarmungen der deutschen Mannschaft, der frenetische Beifall der Zuschauer, die einheitliche Richtung sämtlicher Kameras gelten alle Lars Stindl. Der kurz zuvor eingewechselte Mönchengladbacher Offensivspieler hat in buchstäblich letzter Sekunde (90.+3) den Ausgleich zum 2:2 gegen Frankreich geschossen. Einsamer, kaum bemerkter Jubler auf der anderen Seite ist Kevin Trapp.

Der frühere Torwart der Frankfurter Eintracht zelebriert – höchst ungewöhnlich für seine Spezies – den Last-Minute-Treffer mit der höchsten Jubelform im Fußball: Trapp macht den Diver. Solo. Nach einem Luftsprung rutscht der Ersatzkeeper von Paris Saint-Germain in seinem roten Outfit bäuchlings über den Rasen.

„Pour moi, c’est quand meme d’avoir fait match nul, c’est plus tranquille pour rentrer à Paris“, wird der 27-Jährige später in der „Mixed Zone“ in fließendem Französischen dem Pulk der Paris Presse mitteilen. „Für mich persönlich ist das Unentschieden optimal. Ich kann beruhigter nach Paris zurückkehren.“ L’ Équipe druckte am Mittwoch ein Interview. Kevin Trapp wäre zur tragischen Figur geworden, wenn die Serie der deutschen Nationalmannschaft von 20 Spielen ohne Niederlage ausgerechnet mit ihm im Tor beim letzten Länderspiel des Jahres gerissen wäre. Denn seine Situation im Kampf um den dritten Torhüter im WM-Kader ist merkwürdig kompliziert. Keine Spielpraxis. Sein zweites Länderspiel in Köln war sein erstes Saisonspiel überhaupt, seit er am 23. Juli bei einem Turnier in Florida gegen Tottenham nach einer Roten Karte das Tor für Alphonse Areola räumen musste.

Der deutschen Mannschaft droht eine schwierige Gruppe

Den deutschen Fußball-Weltmeistern droht bei ihrer Mission Titelverteidigung 2018 in Russland eine schwierige Gruppe mit Spanien oder England.

clearing

Auch nach vier Monaten nur auf der Bank zeigte Trapp nicht nur vier sensationelle Paraden, sondern beeindruckte mit Ausstrahlung und Körpersprache. „Die beiden Tore ärgern mich“, gestand er, obwohl der PSG-Reservist beim 1:0 und 2:1 Alexendre Lacazettes von seinen Vorderleuten völlig allein gelassen worden war. Trapp hatte keine Chance.

Wie stehen nun die Chancen für die WM? Die Lobeshymnen von Bundestrainer Joachim Löw, Torwarttrainer Andreas Köpke und Chefregisseur Toni Kroos im Ohr, dürfte Trapp im Duell mit Bernd Leno um Platz drei jetzt vorn liegen. Der ehemalige Eintracht-Torhüter Köpke (1994 bis 1996) sagte über den ehemaligen Eintracht-Torhüter Trapp (2012 bis 2015): „Kevin hat ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht. Das freut mich für ihn. Gute Ausstrahlung gehabt, einige Bälle sehr gut gehalten. Es wäre sicherlich bitter für ihn gewesen, wenn wir heute verloren hätten. Aber das hätte sicherlich nicht an ihm gelegen.“

Löw lobte: „Klasse! Freue mich unheimlich für ihn. Er hat in drei, vier Aktionen super reagiert und pariert. Da waren schon zwei, drei große Chancen dabei, die er zunichte gemacht hat. Gerade gegen Frankreich stand Kevin besonders im Fokus. Paris schaut zu, der Trainer (Anmerkung: Unai Emery) schaut zu, alle gucken auf das Spiel – und dann diese Ruhe und Ausstrahlung zu haben: Kompliment.“ Kroos wäre wohl ein Fürsprecher: „Kevin war für mich sehr gut. Er hat ein, zwei Schüsse gehalten, die habe ich fast schon drin gesehen. Bei den Toren kann er jeweils nichts machen. Er hat auch versucht, mit Fußball zu spielen, was ja unsere Philosophie ist.“

Kevin Trapp selbst sagt, er wolle unbedingt zur WM und werde dafür alles tun. Auch im Winter den Verein wechseln? „Ich fühle mich in Paris wohl und werde um meinen Platz kämpfen.“ Er wisse auch, dass er spielen müsse. Es blieben noch zwei Testspiele bis zur Nominierung für die WM. Aber Trapp sagt auch: „Ich muss mich dem Problem stellen und nachdenken. Man muss abwarten. Ich bin immer noch bei PSG und ich bin zufrieden. On verra bien, lassen wir uns überraschen.“

Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse