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Fachverband gegründet: Der DOSB rätselt: Ist e-Sport tatsächlich Sport?

Am Sonntag hat sich in Frankfurt der e-Sport-Bund Deutschland gegründet. Der ESBD hofft auf eine baldige Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Doch der deutsche Dachverband ist noch uneins, wie er verfahren soll.
Speziell in Asien füllen e-Sport-Turniere große Hallen Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Speziell in Asien füllen e-Sport-Turniere große Hallen
Frankfurt. 

Hans Jagnow hat klare Vorstellungen. „Wir erwarten, als Fachverband ernstgenommen zu werden“, sagte der Präsident bei der Gründungsversammlung des e-Sport-Bundes Deutschland am vergangenen Sonntag in Frankfurt. Und das schließt mit ein, einen festen Platz in der deutschen Sportlandschaft zu finden. „Wir erwarten eine Gesprächsbereitschaft des DOSB. Aber da sind wir sehr zuversichtlich“, sagte Jagnow.

Tatsächlich stehen die Zeichen nicht schlecht, dass der boomende e-Sport zumindest mittelfristig in den Deutschen Olympischen Sportbund aufgenommen wird. Am Sonntag in Frankfurt wurde der Anfang gemacht. 20 e-Sport-Teams und -Vereine gehören dem neu gegründeten ESBD zunächst an, darunter das Gründungsmitglied Frankfurt Skyliners (siehe auch Text oben). Das ist freilich viel zu wenig, um die formalen Aufnahmehürden des DOSB zu überspringen. Dafür müsste der e-Sport in mindestens acht Bundesländern Landesverbände besitzen, die auf Basis der Vereine gegründet wurden. Zudem müsste der Verband mindestens 10 000 Mitglieder haben. „Dann wären die formalen Hürden übersprungen“, sagt DOSB-Sprecher Michael Schirp. Doch es gibt Ausnahmen. Etwa den deutschen Bob- und Schlitten-Verband (BSD). Er gehört dem DOSB an, obwohl er weniger als 10 000 Mitglieder enthält. Der Grund: Bobfahren ist olympisch. Und weil der DOSB gleichzeitig das Nationale Olympische Komitee verkörpert, ist er verpflichtet, olympische Sportarten aufzunehmen.

Während Destiny J. Bazemore (von links) und Daniel Ragusa auf der Geschäftsstelle online Basketball spielten, kommentierte Skyliners-Sprecher Thomas Nawrath die Live-Übertragung im Internet.
Frankfurt Skyliners Neues Onlineteam hat erste offizielle Spiele bestritten

Der e-Sport boomt. Vor allem junge Leute verbringen zu Hause oder bei Freunden viel Zeit mit Computerspielen. Zudem schauen sie anderen Menschen gerne beim Videospielen zu – wenn diese das besonders gut können. Beim Basketballclub Frankfurt Skyliners hat nun das erste offizielle e-Sport-Spiel stattgefunden.

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Ähnlichkeiten mit Schach

e-Sport steht freilich nicht unmittelbar bevor, olympisch zu werden. Doch das Internationale Olympische Komitee (IOC) verfolgt die Entwicklung der Videospiel-Szene aufmerksam. „Das IOC sagt, wir gucken uns das an, weil es etwas mit Zukunftsfähigkeit zu tun hat“, weiß DOSB-Sprecher Schirp.

Die große Frage: Ist e-Sport überhaupt eine Sportart? Gehört ein solcher Verband in den DOSB? Denn der DOSB hat auch inhaltliche Kriterien. Etwa: Einer Sportart muss eine sportliche Aktivität zugrundeliegen. „Man muss sich irgendwie bewegen“, so Schirp. e-Sportler sitzen hingegen auf Stuhl oder Couch und bewegen lediglich ihre Finger am Game-Controller.

In diesem Punkt ähnelt die Sportart Schach. Und der deutsche Schachbund gehört dem DOSB an. Allerdings nur deshalb, weil er schon Mitglied war, bevor der Deutsche Sportbund (DSB) und das Nationale Olympische Komitee (NOK) im Jahr 2006 zum DOSB fusionierten. „Sie hatten damals ganz einfach Bestandsschutz“, so Schirp. „Würde sich der Schachbund jetzt bewerben, wäre eine Aufnahme schwierig.“

Zudem legt der DOSB bei einer Aufnahme eines neuen Mitglieds auch Wert auf ethische und moralische Grundsätze. Deshalb finden extreme Kampfsportarten wie Mixed Martial Arts keine Aufnahme. Und im e-Sports gibt es nicht nur „harmlose“ Team-Strategiespiele oder Sportsimulationen. Sogenannte Egoshooter-Spiele wie Counter Strike, bei denen ein Spieler Bonuspunkte erhält, wenn er Gegner tötet, sind sehr beliebt.

„Es gibt Sportwissenschaftler, die sagen, e-Sport ist ungesund. Andere sagen, es prägt die Hand-Auge-Koordination“, sagt Schirp. Andererseits: „Man braucht auch eine Grundkondition, um die Konzentration länger aufrecht erhalten zu können.“ Seit mehreren Jahren befasst sich der DOSB mit e-Sport. „Und umso mehr treten Fragen auf wie: Was hat das für Folgen für die Vereinsentwicklung? Dass es den Sportvereinen weiter gut geht.“

Gesellschaftlicher Prozess

Trotz allem darf der e-Sport auf eine Aufnahme im DOSB hoffen. „Diese Kriterien sind keine K.-o.-Kriterien“, betont der DOSB-Sprecher. Einerseits, weil der Dachverband selbst kein Urteil fällt, ob ein Sport nun ein Sport ist. „Wir haben keinen Stempel, wir sind kein Sport-TÜV. Das ist ein gesellschaftlicher Prozess“, so Schirp: „Wenn jemand sagt, dass ist für mich Sport, dann ist das für ihn Sport.“ Und wenn schließlich relevante Teile der Gesellschaft sagen, e-Sport ist Sport, hat das für den DOSB eine große Bedeutung. Der ESBD hat sich auch dafür ausgesprochen, sich für Suchtbekämpfung und Anti-Doping-Maßnahmen einsetzen zu wollen. Zwei Punkte, die dem DOSB auch wichtig sind.

Der 58 Jahre alte Schirp wagt eine Prognose: „In den letzten sieben Jahren meiner beruflichen Zeit werde ich noch mit denen zusammenarbeiten.“

(joi)

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