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Lambertz will nicht jedermanns Liebling sein: Der Mann polarisiert

Chefbundestrainer Henning Lambertz ist ein streitbarer Charakter und geht im Deutschen Schwimm-Verband unbeirrt seinen Weg. Damit macht er sich nicht nur Freunde. Andere sehen in ihm genau wegen seiner Zielstrebigkeit den richtigen Mann.
Ein streitbarer Geist: Henning Lambertz, Cheftrainer der deutschen Schwimmer. Foto: Jens Büttner (dpa-Zentralbild) Ein streitbarer Geist: Henning Lambertz, Cheftrainer der deutschen Schwimmer.
Budapest. 

Paul Biedermann hat schon scharfe Kritik geübt, Franziska van Almsick ist hin- und hergerissen, für Christian Keller dagegen ist Henning Lambertz der dringend benötigte Reformer. Am Chefbundestrainer der deutschen Schwimmer scheiden sich die Geister. Fakt ist: Lambertz ist um seinen Job nicht zu beneiden. Doch er macht sich und vielen anderen das Leben mit seiner streitbaren Art auch nicht leicht. Everybody’s Darling will er nicht sein, ihm geht es um das dringend nötige Umdenken auf dem Weg zu Olympia 2020.

Nach dem Debakel von London 2012, als die deutschen Beckenschwimmer ohne Medaille geblieben waren, ging Lambertz seine Aufgabe 2013 voller Elan an. Doch auch in Rio 2016 gab es kein Edelmetall. Lambertz und der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) haben einen rigorosen Kurswechsel eingeschlagen, der schon bei der WM in Budapest erste Früchte tragen soll. Er folgt vor allem drei Leitpunkten: Einer Zentralisierung der Trainingsorte, mehr Krafttraining und härtere Qualifikations-Normen.

Damit polarisiert Lambertz, und das weiß er. Unter den Trainern gebe es „zwei Parteien“, sagt er: „Die eine ist ein klarer Befürworter des Konzepts. Die andere sieht das sehr kritisch.“ Zum Beispiel der Sportdirektor der SG Frankfurt. „Der Weg, den Bundestrainer Henning Lambertz in Absprache mit dem DSV und dem Deutschen Olympischen Sportbund einschlägt, ist der verkehrte. Dadurch werden die Leute eher demotiviert“, sagte Michael Ulmer kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung. Für Ex-Schwimmer und ZDF-Experte Keller ist der 46-jährige Lambertz trotzdem der richtige Mann: „Wenn es Lambertz mit seiner Hingabe und seinem Engagement nicht schafft, den starren und riesigen DSV-Tanker flott zu kriegen, dann schafft es keiner.“

Öffentliche Kritik gab es zuletzt nach der deutschen Meisterschaft, als Lambertz extrem strenge Normen anlegte und dann etwa für Weltmeister Marco Koch eine Ausnahme machte, während andere wie Olympiafinalistin Sarah Köhler (SG Frankfurt) in die Röhre schauten. Der inzwischen zurückgetretene Marco di Carli schrieb bei Facebook: „Wer harte Normen ansetzt, sollte sich vielleicht auch daran halten, sofern er ernst genommen werden will.“ Und Brustschwimmerin Vanessa Grimberg, die wegen ihres verweigerten Umzugs an den Heidelberger Stützpunkt ihren Status als Sportsoldatin verloren hat, meinte: „Er kommuniziert nur mit den Leuten, mit denen er möchte.“

Lambertz reagierte öffentlich – und stellte klar, dass dies eine Ausnahme gewesen sei. „Es kann nicht Standard sein, dass jeder eine Entscheidung der Bundestrainer hinterfragt und diese sofort seitenlange Stellungnahmen abgeben. Irgendwann sollte Vertrauen herrschen.“ Geht es nach Biedermann, wird das schwer. „Der Bundestrainer versucht, allen eine Doktrin aufzudrücken, von der nur er selbst überzeugt ist“, sagte der Weltrekordler der „Süddeutschen Zeitung“. Das aktuelle Trainingskonzept sei „ein reines Gießkannenprinzip. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das klappt.“ Der Vertrag seines Trainers Frank Embacher war nach Biedermanns Karriereende nicht verlängert worden, ein Rechtsstreit mit dem DSV wurde beigelegt.

Die mehrmalige Weltmeisterin van Almsick hatte vor Rio erklärt, sie sei „schon immer ein großer Fan“ von Lambertz’ Arbeit gewesen. Nach Olympia meinte sie, er habe „nicht hart genug durchgegriffen“. Der „Welt“ sagte sie zuletzt, sie finde die Zentralisierung „gar nicht so verkehrt. Aber es gibt viel Gesprächsbedarf.“

Lambertz stellte derweil klar, dass er auch im Falle einer erneuten Nullnummer bei der WM unbeirrt weiter seinen Weg gehen würde: „Es ist nicht so, dass ich sage: Ich brauche eine Medaille, um meine Kritiker zu überzeugen.“ Helfen würde sie aber schon.

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