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TV Hüttenberg: Der SV Darmstadt 98 des Handballs

Von Mit nur zwei Profis im Kader gelang dem TV Hüttenberg im Sommer der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Bald startet der selbst ernannte „krasseste Außenseiter aller Zeiten“ ins Abenteuer.
Grenzenlose Freude der Handballer des TV Hüttenberg um Trainer Adalsteinn Eyjolfsson (links), als am 10. Juni 2017 der Bundesliga-Aufstieg feststand. Foto: RINGLEB/Eibner-Pressefoto (imago sportfotodienst) Grenzenlose Freude der Handballer des TV Hüttenberg um Trainer Adalsteinn Eyjolfsson (links), als am 10. Juni 2017 der Bundesliga-Aufstieg feststand.
Hüttenberg. 

Im Januar 2015 hatte Adalsteinn Eyjolfsson das Traineramt beim TV Hüttenberg mit dem Ziel angetreten, die Handballer des mittelhessischen Traditionsvereins vor dem Abstieg in die 3. Liga zu retten. „Hätte mir damals jemand gesagt, dass wir 2017 in der 1. Bundesliga spielen, hätte ich nur den Kopf geschüttelt“, sagt der Isländer. Im Juni gelang Eyjolfsson mit dem Heimatverein von Horst Spengler, Kapitän des deutschen Weltmeister-Teams von 1978, innerhalb von nur zwei Jahren der Durchmarsch von der dritten Liga ins Oberhaus.

„So etwas gab es noch nie, und so etwas wird es auch nie mehr geben“, meint TVH-Manager Lothar Weber. Eyjolfsson, von allen „Adli“ genannt, habe „einen sensationellen Job gemacht“. Dem 40-Jährigen war schon 2013 mit Eisenach der Erstligaaufstieg gelungen. Doch dort waren die Rahmenbedingungen besser als in der 11 000 Einwohner-Gemeinde zwischen Wetzlar und Gießen. Mit einem Mini-Etat von 750 000 Euro gehörte der dreifache Erstligadritte der 1970er-Jahren selbst im Unterhaus „zu den letzten fünf Teams der Etat-Tabelle“, meint Weber und wäre deshalb schon mit dem Ligaerhalt zufrieden gewesen. Doch Eyjolfsson gelang die „absolute Sensation“. Und das mit einem Team, in dem noch elf Spieler im Kader standen, die 2015 beim Abstieg in die 3. Liga dabei waren – darunter Leistungsträger Matthias Ritschel (Torwart und Kapitän), Spielmacher Dominik Mappes, Mario Fernandes (Kreis) und Daniel Wernig (Rechtsaußen).

Umzug nach Gießen wegen Hallenproblemen

Noch kurz nach dem Erstligaaufstieg am 10. Juni gingen Hüttenbergs Verantwortliche davon aus, dass der TVH seine Heimspiele in einer mobilen Zelt-Spielhalle austragen würde.

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„Die Mannschaft hat etwas, was man nicht mit Geld kaufen kann. Sie hat eine unheimlich schöne Seele entwickelt“, lobt Eyjolfsson sein Team, in dem mit seinem Landsmann Ragnar Johannson (halbrechter Rückraum) und dem tschechischen Regisseur Tomas Sklenak nur zwei Profis stehen. Der 19-jährige polnische Nationalspieler Szymon Sicko (halblinks, Kielce) und ein noch zu findender Linkshänder werden zwei weitere sein. Eyjolfsson wollte noch einen Torwart holen, „doch dafür haben wir kein Geld“, sagt der selbst ehrenamtlich tätige Weber. Der 64-jährige Rentner weiß, „dass wir mit 1,2 Millionen Euro mit Abstand den kleinsten Etat haben und als krassester Außenseiter aller Zeiten auch zu Recht als erster Absteiger gehandelt werden. Aber wenn Ritschel so hält und wir so spielen wie beim 25:19 über Meister Lübbecke beim Saisonfinale brauchen wir keine Angst zu haben.“

„Wir sind kein Proficlub“

Wegen ihrer körperlichen Unterlegenheit setzen die Hüttenberger wieder auf ihre 3:2:1-Abwehr – große und stämmige Spieler sind zu teuer für den Underdog. Ohnehin baut der Club, dessen Erfolgsgeschichte an die Fußballer von Darmstadt 98 erinnert, wieder auf Handballer aus der Region. „Wir sind kein Profiklub. Die meisten Spieler arbeiten oder studieren. Jeder identifiziert sich mit dem Verein“, sagt Eyjolfsson, während sich Linksaußen Christian Rompf, dessen Kumpel Tobias Hahn (Wetzlar, Rechtsaußen) vom Erzrivalen kommt, immer noch wundert, „dass wir mit unserer Kirmestruppe den Aufstieg geschafft haben.“

Start am 27. August

Ohne Druck kann der Pokalfinalist von 1977 und 1978 in der neuen Bundesliga-Saison aufspielen. Der Start erfolgt am 27. August in Magdeburg. Nach der Partie in Leipzig (31. August) empfängt der Zweitliga-Zweite der Vorsaison in der Gießener Osthalle Melsungen (3. September), bevor das Derby in Wetzlar ansteht (7. September). „Wir wissen, dass eine andere Dimension auf uns zukommt, wenn wir gegen Mannschaften wie Kiel antreten müssen, die das 13-fache unseres Budgets haben. Dadurch, dass es in dieser Saison erstmals nur zwei statt drei Absteiger gibt, sind unsere Chancen um 33.3 Prozent gestiegen“, sagt Eyjolfsson, für den der Klassenerhalt „Wahnsinn“ wäre.

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