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Der bescheidene Überflieger

Von Phil Scrubb ist in dieser Saison bisher der beste Werfer der Basketball-Bundesliga – was dem bodenständigen Kanadier fast unangenehm zu sein scheint. Trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten stellt er lieber seine Frankfurter Teamkollegen in den Fokus.
Die Lebensversicherung der Skyliners: Der kanadische Nationalspieler Phil Scrubb. Foto: Huebner/Bremes (imago sportfotodienst) Die Lebensversicherung der Skyliners: Der kanadische Nationalspieler Phil Scrubb.
Frankfurt. 

Er sieht nicht unbedingt aus wie der Überflieger der Basketball-Bundesliga: „Nur“ 1,92 Meter groß, nicht sonderlich muskelbepackt, und ein schlurfender Gang, der mit hängenden Schultern wenig Dynamik ausstrahlt. Doch nach dem Äußeren sollte kein Mensch beurteilt werden, auch nicht ein Profisportler. Und so steckt weit mehr hinter Phil Scrubb, als der erste Eindruck vermuten lässt. Wenn am Saisonende die Wahl des wertvollsten Spielers („MVP“) der Liga ansteht, dürfte der kanadische Nationalspieler zu den heißen Kandidaten gehören. Als der 25 Jahre alte Guard der Fraport Skyliners um die Jahreswende wegen Knieschmerzen verletzt ausfiel, verloren seine Frankfurter in dieser Phase sieben von acht Spielen. Seit dem 8. Februar ist Scrubb zurück. Er war seitdem in allen sechs Partien der Topscorer seiner Mannschaft bei einer Bilanz von 4:2-Siegen. Mit durchschnittlich 19,7 Punkten ist er auch der beste Schütze der gesamten Liga. Keine Frage, von Scrubb werden auch am Donnerstag (19 Uhr) im Heimspiel gegen Hessen-Rivale Gießen 46ers mit Top-Center John Bryant wieder außergewöhnliche Dinge erwartet.

Dabei unternimmt Scrubb alles, um nicht als außergewöhnlich wahrgenommen zu werden. Außerhalb des Platzes ist er das Musterbeispiel eines Sportlers. Absolut loyal, ein Teamplayer par excellence, bodenständig, bescheiden und stets aufmunternd zur Stelle. Fans und Medienvertretern begegnet er höflich und entschuldigt sich fast, wenn er mal keine Zeit hat.

Auf die Frage, warum es für ihn bei den Skyliners so gut läuft, antwortet er ausweichend: „Wir haben viele Spieler im Team, die scoren können. Manchmal bin ich es, manchmal bin ich Spielmacher. Viele können den Ball auch gut passen, dadurch kriege ich viele offene Würfe.“ Spielmacher Konstantin Klein, der einst sein Teamkollege in Frankfurt war und am vergangenen Sonntag die Niederlage seines aktuellen Teams in Bonn gegen die Skyliners verletzt als Zuschauer verfolgte, lobt Scrubb in höchsten Tönen. „Wenn er nur ein bisschen Platz hat, trifft er fast jeden Wurf. Er ist einer der besten Spieler der Liga, hat eine super Statistik und ist einer der Gründe, warum Frankfurt um die Play-offs mitspielt.“ Besonders die Ruhe und Übersicht, mit der Scrubb agiert, ist auffällig. Dazu seine hohe Trefferquote von knapp 50 Prozent aus dem Feld.

Nach einer erfolgreichen Zeit auf dem College in Vancouver, wo er dreimal zum „wertvollsten Spieler der Saison“ (2012 bis 2014) gewählt worden war, kam er nach zwei Jahren bei AEK Athen 2015 zu den Skyliners. Gleich in seiner ersten Saison gewannen die Frankfurter mit Scrubb den Europe-Cup, den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte. Doch dann wurde der Ausnahmespieler von einer schweren Knieverletzung gestoppt. Monatelang war nicht klar, ob er operiert werden musste. Er ging von Arzt zu Arzt, wurde schließlich doch operiert und fiel die gesamte Saison 2016/17 aus. Als er im vergangenen Herbst zurückkehrte, war er auf Anhieb fast wieder der Alte. „Es ist bewundernswert, wie er von einer großen Verletzung zurückkommt. Anscheinend macht ihm das nichts aus“, meint Klein.

Keine Sorgen wegen Knie

Als Mitte Dezember erneute Kniebeschwerden auftraten, wurden größte Befürchtungen wach. Doch er trat rechtzeitig kürzer und fiel „nur“ zwei Monate aus. Seit seinem Comeback vor sieben Wochen bereitet das Knie keine Probleme – obwohl Scrubb pro Spiel fast 35 Minuten auf dem Feld steht und somit nur fünf Minuten Verschnaufpause bekommt. Ob die viele Spielzeit im Saisonendspurt zu einem Problem werden könnte? „Ich glaube nicht“, meint Scrubb. „Ich fühle mich sehr gut und versuche, mich außerhalb der Spiele um die Regeneration meines Körpers zu kümmern.“ Und dann beruhigt er noch: „Wenn das Team mich braucht und ich viele Minuten spielen soll, bin ich bereit dazu.“

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