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Frankfurt-Marathon: Die Tricks der Läufer

Von Der Sportliche Leiter des Frankfurt-Marathons erzählt von seinen teils skurrilen Verhandlungen mit Managern afrikanischer Läufer.
Christoph Kopp, Sportchef des Frankfurt-Marathons. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Christoph Kopp, Sportchef des Frankfurt-Marathons.
Frankfurt. 

Christoph Kopp lässt sich nicht leicht aufs Glatteis führen. Er kennt die Tricks der Athleten. Ihrer Manager. Seit Jahren hört sich alles rosarot an, wenn er mit ihnen über einen möglichen Start beim Frankfurt-Marathon verhandelt. Speziell bei den afrikanischen Läufern. „Manchmal erzählen sie ihrem Manager, sie seien in Top-Form, obwohl sie kurz zuvor Malaria hatten. Sie wollen nur ein gutes Antrittsgeld bei uns kassieren“, sagt Kopp. Seit 2003 arbeitet er als Sportlicher Leiter beim Frankfurt-Marathon. Bei der Auflage am übernächsten Sonntag (29. Oktober) feiert er somit sein 15-Jähriges. Kopp ist für die Verpflichtung der Spitzenathleten zuständig. Und der 69-jährige Berliner, der einst in den 80er/90er-Jahren auch den Berlin-Marathon betreute, hat dabei schon einige Überraschungen erlebt.

Freilich nicht nur negativer Art. So kommt es regelmäßig vor, dass junge, unbekannte Läufer ohne Antrittsprämie starten möchten und dann beim Rennen in Frankfurt über sich hinauswachsen. „Es kommen oft Manager auf mich zu und sagen: Ich habe fünf hoffnungsvolle afrikanische Läufer. Gib ihnen bitte eine Startnummer und vielleicht ein Hotelzimmer. Den Flug zahle ich selbst“, berichtet Kopp. So lief es auch im Jahr 2008 mit einem gewissen Robert Kiprono Cheruiyot. Der damals 20-jährige Kenianer war selbst Marathon-Experten nicht bekannt – und siegte in 2:07:21 Stunden.

Klare Spielregeln

Inzwischen hat Kopp sich ein System aufgebaut, das ihn weitgehend vor großen Reinfällen schützt. „Wir haben ein System, das sich durchgesetzt hat.“ Kopps Vorteil ist seine große Erfahrung. Er kennt fast alle Manager seit vielen Jahren persönlich. „Ich weiß, mit wem ich etwas vertrauensvoller zusammenarbeiten kann und wer mit seinen Forderungen überzieht.“ Denn freilich wollen auch die Manager entsprechend Provisionen kassieren. Wichtig ist Kopp, dass die Manager Läufer betreuen, die aus seriösen Camps mit qualifizierten Trainern stammen. Wird er von einem Manager enttäuscht, „dann kommt dieser auf die schwarze Liste“.

Kopp stellt klare Bedingungen, bevor er einem Athleten eine Startzusage gibt. „Wichtig ist, sich darauf verlassen zu können, dass sich der Läufer drei, vier Monaten seriös vorbereitet. Dass er sich an meine Spielregeln hält.“ Dazu gehört: Zwei Monate vor dem Rennen in Frankfurt kein Marathon-Start. Nur dann ist eine Top-Leistung in Frankfurt möglich. Nicht immer halten sich die Läufer daran. „Ich habe auch dieses Jahr wieder zwei Athleten rausgeworfen, weil sie vor zwei Monaten noch einen Marathon gelaufen sind. Eine Frau und einen Mann“, so Kopp. „Meistens sind es Äthiopier, die die Vielstarterei lieben. Sie verheizen sich dabei aber auch relativ schnell.“

Prämien mit Bedingungen

Zudem verlangt Kopp von den Athleten, nach dem Frankfurter Rennen vier Wochen lang keinen weiteren Marathon zu absolvieren. „Damit schließen wir aus, dass der Läufer bei uns nur 50 Prozent gibt, das Startgeld kassiert und kurz später noch einen Marathon absolviert.“ Das Startgeld ist ein wichtiger Punkt, speziell für Afrikaner, die oft aus einfachen Verhältnissen stammen. In der Regel können die Sportler wegen der körperlichen Belastung nur zwei Marathons pro Jahr absolvieren. Hinzu kommen Starts bei Halbmarathons oder noch kürzeren Läufen.

Kopp koppelt seine Antrittsprämie an viele Dinge. Wer das Ziel nicht erreicht, erhält lediglich 50 Prozent der ausgemachten Gage. Und natürlich setzt der Sportliche Leiter große Anreize, schnell zu laufen: Je besser die Endzeit, umso höher die Prämie. Diese Prämien werden individuell nach der persönlichen Bestzeit gestaffelt. Ein großer Start-Anreiz für die Läufer ist auch die flache und schnelle Strecke in Frankfurt. Und die Renn-Taktik. „Bei uns ist es nicht wie in Berlin, wo die erste Hälfte des Rennens in 61 Minuten angegangen wird, jeder hinterherrennt und dann den Heldentod stirbt“, so Kopp. „Bei uns ist das Anfangstempo im vernünftigeren Bereich. Eine schnellere Anfangszeit als 63 Minuten lasse ich nicht zu. Dadurch haben auch jüngere Athleten die Chance, mit einer vernünftigen Zeit ins Ziel zu kommen.“ Wie schnell, das wird sich am übernächsten Sonntag zeigen.

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