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Testspiel: Die deutsche Nationalmannschaft ist heiß auf Brasilien

Das 1:1 gegen Spanien lieferte vor allem eine Erkenntnis: Neun WM-Positionen sind im deutschen Team vergeben. Gegen Brasilien will Bundestrainer Joachim Löw nun mehr experimentieren. Ein Weltmeister-Duo darf am Dienstag freimachen.
Leroy Sané wird am Dienstag im Testspiel gegen Brasilien auflaufen. Foto: Christian Charisius (dpa) Leroy Sané wird am Dienstag im Testspiel gegen Brasilien auflaufen.
Berlin. 

Joachim Löw schaltete beim Fußball-Weltmeister ganz schnell wieder vom kurzzeitigen Müßiggang in den Arbeitsmodus. Der Bundestrainer startete am Sonntag die Express-Vorbereitung auf das erste Wiedersehen mit den wiedererstarkten Brasilianern seit dem deutschen Jahrhunderttriumph beim 7:1 im WM-Halbfinale vor vier Jahren. Nach den „vielen wichtigen Erkenntnissen“, die der 58-jährige Löw vom intensiven 1:1 gegen Spanien aus Düsseldorf mit nach Berlin brachte, hatte er den Spielern am Samstag ab mittags frei gegeben. Löw weiß ja schon: Er muss in seiner WM-Elf nur noch zwei Baustellen schließen. „Jeder von uns ist heiß, gegen Brasilien zu spielen“, sagte Leroy Sané, der von Löw einen Einsatzgarantie bekam.

Die finale Sichtung vor der Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders soll dem Bundestrainer am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) im Berliner Olympiastadion weitere Fingerzeige für die Titelmission in Russland liefern. Toni Kroos glaubt an einen weiteren großen Fußballabend: „Ich finde Brasilien heute zwei Klassen besser als 2014.“ An ein neuerliches Schützenfest gegen die nach Wiedergutmachung dürstenden Brasilianer glaubt intern keiner. „Wir saßen damals ungläubig vorm Fernseher“, berichtete am Sonntag Ilkay Gündogan, der bei der WM gefehlt hatte. „Sie sind ähnlich stark wie die Spanier. Brasilien hat eine Entwicklung genommen, die ihresgleichen sucht“, sagte er.

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Ein Erfolg gegen eine große Fußball-Nation wäre noch einmal ein wichtiges Signal, auch wenn Löws Rekordjäger schon mit einem weiteren Remis die 38 Jahre alte DFB-Bestmarke von 23 Länderspielen ohne Niederlage unter Jupp Derwall egalisieren könnten. 0:0 gegen England, 2:2 gegen Frankreich, 1:1 gegen Spanien – da käme im vierten großen WM-Probelauf nacheinander ein Sieg gelegen. „Wir haben jetzt gegen die Topfavoriten gespielt. Es war schön zu sehen, dass wir mithalten können. Wir haben zwar kein Spiel mehr gewonnen, aber auch keins verloren“, sagte Timo Werner, der hinzufügte: „Wir haben genug Qualität, um beim Turnier solche Mannschaften auch zu schlagen.“

Löw war nach dem WM-Lustmacher gegen Spanien „sehr zufrieden“. Er hatte zum Jahresauftakt das bekommen, was er sich gewünscht hatte. „Es war ein hochklassiges Spiel, aber beide Mannschaften können bei der WM noch mehr zeigen“, sagte Löw. Eine Erkenntnis war für ihn jedoch nicht neu: „Wer glaubt, dass es eine einfache Geschichte wird bei der WM, der täuscht sich gewaltig.“ Spaniens Edeltechniker wie Real-Star Isco oder Barcelona-Legende Andres Iniesta legten einige Defizite im deutschen System offen, an denen Löw in der WM-Vorbereitung arbeiten muss. Löws Versuch, die Spanier ganz hoch zu pressen, verfehlte das Ziel. Im Gegensatz zum entspannten Bundestrainer trat Jérôme Boateng als Chef-Kritiker auf. Auf die Frage, was noch besser werden müsse, antwortete der Münchner Verteidiger schon überkritisch: „Alles! In jeder Hinsicht.“

Dann zählte Boateng die diversen Mängel auf: „Chancenverwertung. Passspiel. Wir müssen zielstrebiger zum Tor spielen und auch besser zusammenarbeiten. Das Umschalten muss auch besser werden. Wir kriegen drei oder vier Konter, das geht nicht.“ Erst recht nicht gegen die Brasilianer, auch wenn die Seleção ohne ihren verletzten Topstar Neymar antreten muss. „Das ist das gleiche Kaliber wie Spanien, wenn nicht noch mit etwas mehr Offensivkraft“, sagte Weltmeister Boateng über die Südamerikaner, am Freitag 3:0-Sieger in Russland.

Löw konnte auch dank der von Torschütze Thomas Müller verhinderten ersten Niederlage seit dem EM-Halbfinale 2016 gelassen auftreten, weil er eine zentrale Erkenntnis gewonnen hat. Seine WM-Elf steht schon auf neun Positionen. Marc-André ter Stegen bewies im Tor erneut, dass er mehr als ein Ersatz für den noch spielunfähigen Manuel Neuer ist. Davor steht die Viererkette mit dem Bayern-Trio Kimmich, Boateng, Hummels sowie Jonas Hector. An dem lange verletzten Kölner will Löw nicht rütteln: „Jonas vertraue ich absolut.“

Zwei Posten sind umkämpft

Das gilt noch mehr für Kroos, Müller und Özil. Das Weltmeister-Duo Müller/Özil darf gegen Brasilien sogar frei machen. Auf der Mittelstürmerposition hat sich der 22 Jahre alte Confed-Cup-Sieger Werner mit seiner Geschwindigkeit, seinem Pressing-Vermögen und einer guten Trefferquote unverzichtbar gemacht. Der Konkurrenzkampf mag in der Dichte auf extrem hohen Niveau verlaufen, aber die Hierarchien sind auf den meisten Position geklärt. Richtig umkämpft sind vor dem Auftaktspiel am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko derzeit zwei Posten: Der neben Taktgeber Kroos im Mittelfeld und der vorne links.

Die individuellen Bewerbungen will Löw in dem Härtetest gegen Brasilien forcieren. Das Manchester-City-Duo Gündogan und Sané wird ebenso neu in die Startelf rücken wie Lokalmatador Marvin Plattenhardt von der Berliner Hertha. Emre Can reiste dagegen wegen anhaltender Rückenprobleme ab. Sami Khedira ist weiter angeschlagen. Sebastian Rudy stieß nach der Geburt seines Sohnes David zum Team. „Wir werden personell ein bisschen anders auftreten und viele dabei Erkenntnisse gewinnen können“, sagte Hummels gestern.

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