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Die „kleinen Flöhe“ wollen den Titel

Von Den Bundesliga-Damen aus Wiesbaden ist in dieser Saison schon so manche Überraschung gelungen. Folgt nun der erste Titelgewinn der Vereins-Geschichte?
Mit Wiesbaden im Finale (v.l.): Karolina Bednarova, Tanja Grosser, Lisa Stock, Simona Kosova, Kimberly Drewniok und Irina Kemmsies (Nr. 10). Foto: Huebner/Klein (imago sportfotodienst) Mit Wiesbaden im Finale (v.l.): Karolina Bednarova, Tanja Grosser, Lisa Stock, Simona Kosova, Kimberly Drewniok und Irina Kemmsies (Nr. 10).
Frankfurt. 

So eine Saison hat Dirk Groß in seiner gesamten Laufbahn noch nicht erlebt. Von Anfang an sorgten Verletzungen und Krankheiten für Sorgenfalten beim Volleyballtrainer des VC Wiesbaden; dazu kam, dass noch vor dem ersten Aufschlag Scout und Co-Trainer Detlev Schönberg dem teilweise neu formierten Bundesligisten den Rücken kehrte. Umso höher sei zu bewerten, was sein junges Team daraus mache, betont der 53-Jährige.

Nicht nur, dass der Vorjahresdritte als aktueller Fünfter der Bundesliga auch in diesem Jahr in die Play-offs und damit in den Medaillenkampf einziehen wird. Die Spielerinnen aus der hessischen Landeshauptstadt stehen am kommenden Sonntag auch überraschend im Finale um den DVV-Pokal. Ein 3:1-Erfolg in der Vorschlussrunde beim Spitzenreiter aus Stuttgart hatte dies möglich gemacht.

Dabei hatte der Tag des Halbfinals gar nicht gut angefangen: Selma Hetmann meldete sich krank, und die Mannschaft stand plötzlich nur noch mit einer Mittelblockerin da. Die Amerikanerin Jennifer Keddy quälte sich zum damaligen Zeitpunkt mit starken Schulterproblemen. Kurz darauf sollte die 26-Jährige ihren Vertrag beim VCW auflösen und in ihre Heimat zurückkehren. Eine Krebserkrankung hatte dies notwendig gemacht.

Die Überlegungen, wie man die Lücke in der Abwehr stopfen könnten, endeten bei Julia Osterloh. Die 31-Jährige hatte mit Unterbrechung mehr als zehn Jahre für die Hessinnen gespielt, ihre Bundesligakarriere jedoch ein Jahr zuvor beendet. Nach einer Saison beim Zweitligisten TG Bad Soden hatte die Diplomsportwissenschaftlerin während der Vorbereitung im Sommer zwar noch mal bei ihrem ehemaligen Verein ausgeholfen, aber ansonsten ihre Arbeit in einem Neu-Isenburger Rehazentrum in den Vordergrund gestellt.

Doch Osterloh verfügt über reichlich Routine auf der betreffenden Position. Und auch wenn sie zu dem Zeitpunkt nicht mit VCW-Zuspielerin Irina Kemmsies eingespielt war, schien sie die beste Lösung für das Problem. Also klingelte an ihrer Arbeitsstelle mittags das Telefon, und in einer Hauruck-Aktion wurde von der Spielberechtigung bis zur Beflockung des Trikots all das organisiert, was für ihren Einsatz im Schwabenländle nötig war. „So muss es bei einem Bezirksligisten zugehen“, kommentierte Groß die nur scheinbar amateurhaften Vorbereitungen. Der Coup funktionierte. Und so wird Osterloh auch die Reise nach Mannheim mitmachen. Die im Januar nachverpflichtete Serbin Tanja Sredic ist im Pokalendspiel nicht spielberechtigt, da sie in dem Wettbewerb noch keinen Auftritt hatte.

Seit ihrer Reaktivierung trainiert Osterloh zweimal in der Woche wieder mit der Mannschaft und hat sich in den Tagen vor dem Finale bei ihrem Arbeitgeber auch freigenommen. Zudem bringt sie eine Erfahrung mit, die nicht jeder in der Formation teilt: Sie stand schon einmal, 2013, mit dem VCW in dessen bislang einzigem Pokal-Endspiel. Auch ein paar andere seiner Spielerinnen hätten Final-Erfahrung, betont Groß, allerdings nicht als Leistungsträgerinnen.

Mutig zu sein, das ist das, was der Trainer ihnen versucht beizubringen. In der Mannschaft, die jungen Talenten helfen soll, sich weiterzuentwickeln, werde stets hohes Risiko gespielt. Oft schon und gerade gegen Spitzenteams zahlte sich das aus, wurde gerade erst am vergangenen Wochenende wieder mal der Meister aus Schwerin in seiner eigenen Halle im Tiebreak bezwungen und dabei willkommenes Selbstbewusstsein getankt. Aber diese couragierte Spielart der „jungen Wilden“, bei der der Gegner mit viel Druck in den Aufschlägen und im Angriff konfrontiert werde, führe auch oft noch zu „Blödsinn“. Und so zu Niederlagen gegen vermeintlich schwächere Teams. „Wir wollen Gewinnertypen heranziehen, die keine Angst davor haben, Fehler zu machen“, betont Groß. Und die jetzt vor dem Duell mit dem viermaligen Pokalsieger Dresdner SC, dem sie in dieser Saison schon zweimal unterlegen waren, die richtige Balance zwischen Ehrgeiz und Respekt erwischen sollen. „Selbst ein kleiner Floh kann einen großen Hund ärgern“, betont der Coach. Und „da wir schon mal im Finale sind, wollen wir auch siegen“.

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