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Adventskalender: Dieser Bus bringt die Eintracht-Stars zu den Bundesliga-Spielen

Von Türchen öffne dich: In den Eintracht-Bus dürfen normalerweise nur Trainer Kovac und Co. steigen. Wir haben für Sie hineingeschaut.
Kein Bus wie jeder andere: Fahrer Rolf Gewehr kann sich hier einmal in den gemütlichen Sitzen des Eintracht-Frankfurt-Busses entspannen. Normalerweise sitzt er vorn am Steuer und muss auf den Verkehr achten. Foto: Heike Lyding Kein Bus wie jeder andere: Fahrer Rolf Gewehr kann sich hier einmal in den gemütlichen Sitzen des Eintracht-Frankfurt-Busses entspannen. Normalerweise sitzt er vorn am Steuer und muss auf den Verkehr achten.
Frankfurt. 

Wer nur auf den Boden schaut, merkt erst einmal gar nicht, dass dieser Bus kein gewöhnlicher ist. Ein rauer, dunkelgrauer Teppich im Mittelgang, handelsübliches Linoleum in ähnlichen Tönen unter den Sitzen. Bei den Vorgänger-Modellen sah das noch anders aus, erinnert sich Rolf Gewehr. Da war alles in Schwarz und Weiß gehalten, überall Teppich ausgelegt und auch auf dem Boden überall das Logo eingearbeitet, das verrät, wer hier normalerweise mitfährt.

„So ist das aber leichter zu reinigen, gerade jetzt im Winter“, begrüßt Gewehr die mit der Ausstattung des neuen Gefährts im Sommer 2016 verbundene Neuerung, und er kennt sich damit aus wie kein anderer: Der Bus ist der Arbeitsplatz des 53-Jährigen, und seine Fracht eine besondere – er fährt die Stars der Frankfurter Eintracht zu ihren Spielen.

Morgen werden sie wieder die drei Stufen hochsteigen in den XXL-Luxus-Schlitten der Daimler-Tochterfirma Setra, 14 Meter lang, 435 PS stark, von einem Sechs-Zylinder-Diesel angetrieben und außen unverkennbar mit der Frankfurter Skyline und Eintracht-Motiven verziert. Traumtorjäger Sébastien Haller, Anführer Kevin-Prince Boateng, Trainer Niko Kovac und seine anderen Spieler: Fahrer Gewehr wird sie am Mannschaftshotel einsammeln, wie immer. Um 14.15 Uhr soll dann die Haltestelle erreicht sein: die Commerzbank-Arena, wo mit dem großen FC Bayern hoher Besuch erwartet wird.

Bei dieser Fahrt über nur ein paar Kilometer kommen die prominenten Insassen kaum dazu, die auf ihre Bedürfnisse ausgelegte Einrichtung wirklich zu nutzen. Aber dafür gibt es andere Gelegenheiten. „Das ist mehr als Fünf-Sterne-Niveau“, erklärt Gewehr. Weil im Mannschaftsbus nur 30 Sitze eingebaut sind statt 50, 60. Und weil die Tische vor jedem Stuhl der Zweierreihen links und rechts zu Fußablagen verwandelt und alle Sitze in Liegeposition gekippt werden können, ohne dass es bei so viel Raum Vorder- und Hintermänner stört.

Es gibt Stammplätze

„Das Beste, was es auf dem Markt gibt“, sagt Gewehr über die Sitze. Sie sind – typisch Eintracht – in schwarzrot gehalten, in der Mitte aus Stoff, nur außen aus Leder und nicht komplett, weil das im Winter so kalt wird. Darauf können müde Fußballer herrlich entspannt ruhen. Natürlich gibt es Stammplätze, wer wo sitzt, wird aber nicht verraten. Dafür kann Rolf Gewehr berichten, dass die beiden USB- und der 220-Volt-Stecker an jedem Stuhl längst wichtiger sind als die Tische, an denen frühere Profi-Generationen Skat-Schlachten schlugen.

Mehrkanalanlagen mit einem Kopfhörer für CD-, Radio- oder TV-Ton sind ebenso aus der Mode. „Heute hat jeder seine eigene Musik dabei“, weiß der Eintracht-Busfahrer. Stattdessen lässt sich neben der Satellitenschüssel auf dem Dach neuerdings auch übers Internet Fußball gucken, auf vier Bildschirmen über dem Gang. An einer Bar in der Mitte kann man sich dazu mit Kaffee, Tee und Kakao versorgen. Oder mit heißer Bouillon, die geht im Winter besonders gut.

Nur selten Bier und Party

Die längste Bundesliga-Bustour ist in der Regel die nach Dortmund und zurück, rund zweieinhalb Stunden. Wie ist die Zug- oder Flugverbindung, wo ist mit Stau zu rechnen? Entscheidende Fragen bei der Reiseplanung. Manchmal übernimmt Rolf Gewehr nur die Transfers zwischen Flughafen oder Bahnhof, Hotel und Stadion, wie gerade in Berlin. Manchmal fährt er auch mit dem leeren Bus hin und mit voller Besatzung zurück. Trikots, Schuhe und anderes Material transportiert er in den Staufächern.

Vier Kühlschranke hat der Bus auch, gefüllt mit Wasser und Apfelschorle. Und Bier? „Nein“, sagt Gewehr und schmunzelt: „Die Gelegenheit, dass es Bier im Bus gibt, kann ich in fast zehn Jahren an zwei Händen abzählen.“ Nach dem Aufstieg in Aachen 2012 oder dem Pokalhalbfinale Ende April in Gladbach zum Beispiel. „Das war schon was anderes. Die große Party geht hier aber selten ab“, berichtet er, der die Eintracht seit 2009 chauffiert. „Für mich ist das vielleicht nicht mehr ganz so spannend, wie es am Anfang war, das wird auch zur Routine“, sagt Rolf Gewehr. Eines weiß er ohnehin, egal, wer im Bus sitzt: „Wer Menschen fährt, muss immer aufpassen. Da darf nichts passieren.“

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