E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

Drygalla wird Sportsoldatin

Ihr Fall beschäftigte bei Olympia den Verfassungsschutz, später sogar den Bundestag: Alle Zweifel an ihrer demokratischen Einstellung hat Drygalla nun wohl ausgeräumt.
Nadja Drygalla	Foto: dpa Nadja Drygalla Foto: dpa
Köln. 

Ruderin Nadja Drygalla, die vorzeitig aus London abreiste, nachdem bekannt geworden war, dass ihr Freund Michael Fischer einst Landtags-Direktkandidat der rechtsextremen NPD in Rostock gewesen war, hat im beruflichen Leben wieder Boden unter den Füßen: Mit zwei Monaten Verspätung tritt die 23-Jährige heute als Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr ihren Dienst an der Feldjägerschule in Hannover an.

Drygalla, die sich durch Teile der Medien einer regelrechten "Hexenjagd" ausgesetzt sah, war auch in der heiklen Phase der Affäre von Politik und Sport nie fallengelassen worden. Vor allem auch deswegen, weil sich die Ruderin des Deutschland-Achters eindeutig vom rechten Gedankengut distanzierte. Inzwischen hat sich auch Fischer nach eigener Aussage von der rechtsradikalen Szene gelöst.

Drygalla, die im Zuge interner Diskussionen über die Beziehung zu Fischer zum 30. September 2011 ihre Ausbildung bei der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern abgebrochen hatte, erhielt nach ausgiebiger Prüfung die angestrebte Chance bei der Bundeswehr.

Ihren Förderantrag hatte der Deutsche Ruder-Verband (DRV) nach den Vorkommnissen von London noch vorübergehend zurückgestellt. Zuletzt hatte aber auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) keine Bedenken mehr, die hochtalentierte Ruderin in den Kreis der 756 Sportsoldaten einzureihen.

"Für uns ist entscheidend, wie sie selber denkt und handelt, und nicht, welche Gesinnung ihr Umfeld oder ihr Freund vertreten. Sie hat immer wieder deutlich gemacht, dass sie mit der Einstellung ihres Freundes nicht einverstanden war", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Drygalla wird nach einer sechswöchigen Grundausbildung an der Feldjägerschule in Hannover der Sportfördergruppe Frankfurt/Oder angehören.

Mitte Oktober war die Entscheidung bei der Bundeswehr gefallen, die Athletin in die Sportfördergruppe aufzunehmen. "Wir haben uns dies nicht leicht gemacht", sagte Drygallas künftiger oberster Vorgesetzter Manfred Nielson, Inspekteur der Streitkräftebasis, der Tageszeitung "Die Welt". Seine Mitarbeiter hätten mehrere Gespräche mit ihr geführt und derzeit gebe es keinen Grund, an Drygallas demokratischer Einstellung zu zweifeln.

Olympia 2016 in Rio de Janeiro ist nun das neue Ziel der Athletin, die laut Bundestrainer Ralf Müller zu den besten Frauen der vergangenen Jahre im Riemenbereich gehört: "Sie ist erst 23 Jahre alt, hat Perspektiven – und bei der Bundeswehr nun die besten Möglichkeiten." sid

(sid)
Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen