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Reiten: Ein Richter mit Weitblick

Von Dietrich Plewa bewertet seit mehr als 30 Jahren Dressurlektionen. Beim Festhallen-Reitturnier erlebt er dennoch Neues.
Grußaufstellung: Dietrich Plewa (li.) in der Festhalle Foto: Reumann Foto: Jan Reumann (www.premium-images.de) Grußaufstellung: Dietrich Plewa (li.) in der Festhalle Foto: Reumann
Frankfurt. 

Sein Einfluss ist größer als der eines Fußball-Referees. Kritisiert wird er ebenso häufig. Dietrich Plewa, einer der renommiertesten Richter am Dressurviereck, findet den Dialog mit Reitern und Pferden sogar positiv. „Es kommt öfters vor, dass Reiter nach einer Prüfung zu mir kommen und fragen, warum ihre Wertung so niedrig ausfiel. Beschimpft worden bin ich aber noch nie. Vielleicht auch deshalb, weil ich selbst geritten bin und heute noch Pferde und Reiter ausbilde. Sie sehen mich quasi auf Augenhöhe“, sagt der mittlerweile 70-jährige Anwalt, der seit mehr als 30 Jahren Lektionen bewertet.

„Ich habe ein gutes Auge für Pferde entwickelt, so dass ich das Gefühl hatte: Ich kann der Richterei etwas mitgeben. Und ich wollte der Reitsportszene verbunden bleiben.“ Beim Nürnberger Burg-Pokal 2013 schrieb er unter die Bewertung der achtjährigen Weihegold: „Das ist ein Championatspferd.“ Sechs Monate später war die Stute im deutschen A-Kader, 2016 holte sie in Rio unter Isabell Werth Gold.

Am Hessentag des Frankfurter Festhallen-Reitturniers urteilte er gestern über eine Neuheit: Beim „Dressage Team Masters“ bekam er neun unterschiedliche Prüfungen zu sehen, jedes Mitglied der drei Teams musste eine andere Aufgabe zeigen. „Das war auch für mich abwechslungsreich. Diese Prüfung finde ich toll. Sie fördert den Teamgeist, die Gemeinschaftsstruktur und baut den Neid ab. Als Richter kennt man alle diese Aufgaben aus dem Effeff, kann auch theoretisch in die Versuchung kommen, die Reiter miteinander zu vergleichen.“ Dies sei aber absolut der falsche Ansatz. „Man darf nicht schauen, ob Reiter X die Lektion besser als Reiter Y vorgeführt hat, sondern wie die einzelne Lektion nach festgelegten Kriterien durchgeführt wurde.“ Dies sei schon immer seine Maxime gewesen. Natürlich sei kein Mensch absolut dagegen gefeit. „Es gab auch schon Wertungen, bei denen leider nach Namen gerichtet wurde. Es muss unser Bestreben sein, dies auszumerzen. Nicht das System muss verbessert werden, sondern die Richterei.“

Dies sei nicht einfach. Wenn Differenzen auftauchen, müsse es obligatorisch sein, bei mehr als fünf Prozent Unterschied zwischen den Wertungen sofort die Ursache festzustellen. „International müsste man bei wiederkehrenden Abweichungen den Richter abmahnen, danach müsste er sich zwangsweise einer Schulung unterziehen.“

Früher im Bundeskader

Er selbst komme aus dem Reitsport. Mehr als 25 Jahre gehörte Plewa zum Bundeskader, siegte in mehr als 150 S-Dressuren, gewann internationale Grand-Prix-Prüfungen. „Am Anfang stellte ich als Wertungsrichter zu hohe Ansprüche, so geht es vielen, die selbst geritten sind.“

Er liebe die Pferde, sagt Plewa.. In Rheinzabern besitzt er einen eigenen Stall. Es sei schwer, neben dem Beruf und dem eigenen Reiten Zeit fürs Richten zu finden: „Deshalb werde ich künftig lieber den Schwerpunkt auf Turniere mit Nachwuchspferden legen. Bei jungen Pferden muss man nicht nur die gezeigte Leistung bewerten, sondern auch die eigene Erfahrung mit ins Spiel bringen, um die Perspektiven der Pferde zu beurteilen.“

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