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Fußball: Ein Schmutzfleck weniger auf dem Hochglanz-Projekt WM 2018

Nun also doch: Die Schlüsselfigur im Staatsdopingskandal war für Russlands Präsident Wladimir Putin nicht mehr tragbar. Der Weltverband Fifa bedankt sich für die Arbeit von Witali Mutko in der WM-Vorbereitung.
Witali Mutko (links) und Fifa-Chef Gianni Infantino bei der WM-Auslosung am 1. Dezember in Moskau. Foto: Sergei Fadeichev (imago sportfotodienst) Witali Mutko (links) und Fifa-Chef Gianni Infantino bei der WM-Auslosung am 1. Dezember in Moskau.
Moskau. 

Russlands Machthaber Wladimir Putin hat im Kampf um das Image der Fußball-WM 2018 nun doch den Daumen über seinem Vize-Premier gesenkt. Witali Mutko trat unter dem Druck der Ermittlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Staatsdopingskandal gestern auch von seinem Posten als Chef des WM-Organisationskomitees zurück – nachdem er sein Schicksal ausdrücklich in Putins Hände gelegt hatte. Der Staatschef opferte ihn.

„Ich werde mich auf meine Arbeit in der Regierung konzentrieren“, teilte Mutko 169 Tage vor dem Eröffnungsspiel am 14. Juni zwischen Russland und Saudi-Arabien über die staatliche Agentur R-Sport mit: „Es gibt noch viel Arbeit zu erledigen, aber ich bin zuversichtlich. Alles wird pünktlich fertig sein.“ Der bisherige Generaldirektor Alexej Sorokin werde ab sofort das OK führen. Der 45-Jährige war erst im September 2017 von der Uefa in den Rat des Weltverbands Fifa gewählt worden. Er war der einzige Kandidat für den Posten. Seine Amtszeit läuft bis 2021.

In einer ersten Reaktion bedankte sich der Weltverband Fifa bei Mutko für „seinen unschätzbaren Beitrag“ an den WM-Vorbereitungen: „Die Fifa wird weiter eng mit dem nationalen Organisationskomitee unter seiner neuen Führung zusammenarbeiten – genau wie mit der russischen Regierung, dem russischen Verband und den Gastgeberstädten“, sagte ein Sprecher.

Am Montag hatte Mutko (59) im Zuge eines strategischen Teilrückzugs vom Präsidentenamt beim russischen Fußballverband RFU noch angekündigt, das Organisationskomitee weiterhin zu leiten, sofern ihm Putin das Vertrauen schenke. Der zog seine schützende Hand beiseite: Putin duldet keine Schmutzflecken auf seinem Hochglanz-Projekt WM, von dem er sich Ruhm und internationale Anerkennung verspricht.

Mutko wurde vom Internationalen Olympischen Komitee eindeutig als Schlüsselfigur im Skandal um die Heim-Winterspiele in Sotschi 2014 identifiziert. Am 5. Dezember sperrte ihn das IOC lebenslang für Olympia. Damit stieg der Druck auf den Fußball-Weltverband Fifa, die Russen zum Handeln zu bewegen – und auf Putin höchstpersönlich.

Mutkos durchschaubarer Schachzug, die RFU-Präsidentschaft für sechs Monate ruhen zu lassen, um vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen, reichte nicht aus. Mutko („Die WM-Vorbereitung soll nicht durch juristische Ermittlungen gestört werden“) hatte damit seinen weit bedeutenderen OK-Posten zu retten versucht. Doch gestern fiel eine der prägenden Figuren im russischen Sport der vergangenen Jahrzehnte.

Als Bauernopfer Putins? So wirkt es zumindest. Mutko hatte eine Art Vertrauensfrage angekündigt. Über seine Position würden dann „Staatsoberhaupt, Regierungsspitze und Aufsichtsrat entscheiden“. Er trete nicht zurück. Folglich wurde er nun offensichtlich zum Rückzug gedrängt.

Russland ist getroffen

Einen Organisator der gigantischen Fußball-Weltmeisterschaft, der zugleich Staatsdoping bei Olympischen Spielen verantwortet haben soll, war für Putin und Russland nicht mehr tragbar. Schließlich hatte das IOC die „administrative“ Verantwortung für das Dopingsystem von Sotschi ausdrücklich dem damals zuständigen Sportminister Mutko zugeschrieben. Dessen Aufgaben als RFU-Präsident hat bereits der vorherige Verbandsgeneralsekretär Alexander Alajew übernommen.

Die Fifa reagierte zurückhaltend. Mutkos Schritt vom Montag würdigte sie am ersten Weihnachtstag als „verantwortungsvollen Schritt“ und „Entscheidung im besten Interesse der WM“. Präsident Gianni Infantino hatte wenige Stunden vor der WM-Auslosung im Kreml am 1. Dezember hilf- und tatenlos danebengesessen, als Mutko zu einer Wutrede ausholte. Tenor: Es habe kein Staatsdoping gegeben. Mutko fühlt sich vom West-Journalismus verfolgt und verbreitete Verschwörungstheorien.

Doch Russland ist ganz offensichtlich getroffen. Das IOC hat selbst ohne Rückenwind durch die Fifa eine Reaktion erzwungen, die auch Putin nicht schmecken wird. Mutko ist ihm seit vielen Jahren ein treuer Gefährte – jetzt aber nicht mehr im Sport.

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