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Tour de France: Ein bisschen Angst fährt mit

Den Sprintern wird ganz anders: Die Tour biegt ins Hochgebirge ab. Das Zeitlimit bedroht besonders die Flachland-Spezialisten. „Wir werden sehr leiden“, sagt Rick Zabel.
Die Einsamkeit des Radprofis am Berg: Von heute an wird es bei der Tour richtig ernst. Foto: JEFF PACHOUD (AFP) Die Einsamkeit des Radprofis am Berg: Von heute an wird es bei der Tour richtig ernst.
Le Grand-Bornand. 

Der grandiose Roubaix-Sieger John Degenkolb will diese Tage „nur überleben“. Während bei der 105. Tour de France die Klassement-Fahrer und Kletterer in den Fokus rücken, zittern andere vor den Bergen, allen voran die reinen Sprinter wie Marcel Kittel, André Greipel, Dylan Groenewegen, Mark Cavendish oder Fernando Gaviria. Rick Zabel nimmt die Alpen mit „Respekt und einer kleinen Portion Angst“ in Angriff. „Ich freue mich gar nicht darauf, wir werden sehr leiden“, sagte der Sohn des einstigen Topsprinters Erik Zabel vor den Hochgebirgsetappen. „Ich fühle mich gut und hoffe, dass die Berge nicht alles zunichtemachen“, wünschte sich Degenkolb.

Das Zeitlimit verfolgt die Sprinter in den Bergen wie ein böses Gespenst. Die schnellen Fahrer im Flachland, die oft mehr Gewicht als die Berg-Spezialisten oder Klassement-Fahrer mit sich herumschleppen, dürfen einen gewissen Zeitabstand zum Tagessieger nicht überschreiten. Sonst sind sie aus dem Rennen.

Je nach Schwierigkeit und Tempo der Etappe variiert der Prozentsatz, den sich die Zurückgefallenen leisten können. Maximal beträgt der tolerierte Abstand 25 Prozent auf die Siegerzeit.

Auch Kittel ist nicht ganz wohl in seiner Haut. „Für uns Sprinter wird es ganz, ganz schwierig auf den kurzen Etappen. Dort müssen wir Vollgas fahren, und sobald man aus einer größeren Gruppe raus ist und alleine fahren muss, wird es ganz schwer“, sagte der erfolgreichste deutsche Tour-Etappenjäger, der in diesem Jahr seinen Ansprüchen und denen seines Teams noch hinterherhechelt. „Es besteht halt immer das Risiko, dass man vielleicht nach Hause fährt“, meinte Zabel junior, einer von Kittels Sprint-Helfern. 2005 musste der von Fieber geschüttelte Jens Voigt die Tour wegen Zeitüberschreitung verlassen, nachdem er zwei Tage zuvor ins Gelbe Trikot gefahren war.

Nach dem Alpen-Auftakt in Le Grand-Bornand geht es hammerhart weiter. An diesem Mittwoch steht die Bergankunft in La Rosière auf dem Programm, am Donnerstag geht es hoch nach Alpe d’Huez, wo schon Tage vorher in der berüchtigten „Holländer-Kehre“ am Bergfriedhof die Fans campieren und für die feucht-fröhliche Party rüsten. Danach geht es auf dem Weg in die Pyrenäen durchs Zentral-Massiv über den Anstieg nach Mende, auf dem Chris Froome 2015 in einer Ekel-Attacke mit Urin überschüttet worden war.

Den besonderen Kick – nach Auffassung der Veranstalter – soll die nur 65 Kilometer lange Pyrenäen-Etappe auf den 2015 Meter hohen Col du Portet bringen. Die Fahrer sollen in Motorrad-Manier aufgereiht starten, auf sie warten auf der Mini-Distanz drei Anstiege. „Dort wurde das Zeitlimit vergrößert. Das ist für die ASO eine Etappe, auf der sie Dinge ausprobieren will – davon kann man halten, was man will“, bemerkte Kittel. Sein Rezept, um im Limit zu bleiben: „Ich versuche immer eine Gruppe zu finden. Wenn das zusammenpasst, ist das die halbe Miete.“

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