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Nachruf auf Gert Trinklein: Ein großer Fußballer und guter Freund

Von Er war Libero, Liberaler und ein wichtiger sportlicher und politischer Ratgeber. Frankfurt und die Eintracht trauern um Gert Trinklein.
In Eintracht-Kreisen war er immer willkommen: Gert Trinklein (Mitte) mit Bernd Hölzenbein (links) und Ex-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Foto: Christian Klein In Eintracht-Kreisen war er immer willkommen: Gert Trinklein (Mitte) mit Bernd Hölzenbein (links) und Ex-Vorstandschef Heribert Bruchhagen.
Frankfurt. 

Vielleicht hatte er damals schon geahnt oder gar gewusst, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Wer sich Ende Mai mit Gert Trinklein zu einem Gespräch über das anstehende DFB-Pokalfinale zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund traf, erlebte einen sehr in sich gekehrten Mann. Trinklein, Eintracht-Idol der 70er Jahre, war wie alle anderen Spieler, die an den vier Frankfurter Pokal-Triumphen beteiligt waren, nach Berlin eingeladen worden – zum Spiel und zum Feiern. Aber ihm war weder nach dem einen noch dem anderen zumute. „Ich bleibe in Frankfurt“, sagte Trinklein: „Ich möchte jede freie Minute mit meiner Frau verbringen.“

Und dann lieferte er eine Kostprobe seines feinen Humors: „Außerdem gehe ich davon aus, dass wir gewinnen. Und eine Party bis zum Morgen ist nichts mehr für mich.“ Das war seine Art, mit der angegriffenen Gesundheit umzugehen. Trinklein litt seit sechs Jahren an Leukämie. In der Nacht zum Mittwoch hat er den langen Kampf gegen die Krankheit verloren. Gert Trinklein wurde 68 Jahre alt.

Als Frankfurter, der sich für Fußball interessiert, kam man an dem gebürtigen Frankfurter Trinklein nicht vorbei. Nach der Mittleren Reife am Liebig-Gymnasium kam er 1966 von Rot-Weiss Frankfurt zur Eintracht, für die er bis 1978 insgesamt 230 Bundesligaspiele absolvierte. Es war die Zeit der langen Haare und des fußballerischen Rebellentums. 1974 und 1975 gewann Gert Trinklein mit der Eintracht den DFB-Pokal. Unvergessen sein Tor zum 1:0 gegen den Hamburger SV im Finale 1974, als er, der Libero, eigentlich die strikte Anweisung hatte, in der eigenen Hälfte zu bleiben: „Der Trainer hatte mir verboten, die Mittellinie zu überqueren. Aber was sollte ich denn machen, wenn mich vom HSV keiner angreifen wollte?“, erinnerte sich Trinklein immer wieder gerne an die damaligen Anweisungen von Dietrich Weise.

1978 wechselte der Ur-Frankfurter Trinklein für ein Jahr zu den Offenbacher Kickers, 1979 ging er in die USA zu Dallas Tornado. Nach Franz Beckenbauer und Gerd Müller war Trinklein erst der dritte deutsche Fußballer, der als Profi in den USA kickte.

Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Gert Trinklein der Eintracht verbunden, er war im Stadtwald regelmäßig Gast bei den Spielen. Bei Rot-Weiss Frankfurt erlebte er aber ebenfalls ein Comeback. Trinklein war ein Schulfreund von Wolfgang Steubing, dem langjährigen Vorsitzenden und Mäzen von Rot-Weiss und heutigen Eintracht-Aufsichtsratschef.

In der Ära Steubing war Trinklein Manager der Roten, die 1990 unter ihm und dem damaligen Trainer Dragoslav Stepanovic Meister der Oberliga Hessen wurden, in der Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga aber scheiterten. Außerdem hatte Trinklein gemeinsam mit Ottmar Schork, dem jetzigen Manager des Zweitligisten SV Sandhausen, die Interessengemeinschaft Oberliga Hessen ins Leben gerufen, deren Sprecher er war.

Aus dem Libero wurde in der zweiten Lebenshälfte ein Liberaler. Gert Trinklein engagierte sich für die FDP in der Frankfurter Kommunalpolitik. Der gelernte Kaufmann organisierte lange Jahre das Frankfurter Hallenfußballturnier. „Mit Gert Trinklein verliert Eintracht Frankfurt nicht nur einen großen Fußballer, sondern auch einen guten Freund und einen wichtigen Ratgeber“, zeigte sich Vereinspräsident Peter Fischer betroffen. Trinkleins verschmitztes Lachen wird fehlen. Im Frankfurter Stadion und im Römer.

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