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Ein letzter Versuch im großen Ring: Kathrin Klaas schwitzt in Südafrika für die Heim-EM

Kathrin Klaas genießt die Wärme. In der Sonne Südafrikas fühlt sich auch ein von vielen Jahren im Leistungssport geschundener Körper besser an. Ein Körper, der der 34 Jahre alten Hammerwerferin zuletzt viel Kummer bereitete.

Schon 2016 hatte ein erst spät entdeckter Leistenbruch der Leichtathletin der LG Eintracht Frankfurt einen Strich durch die Rechnung gemacht, sich mit einer guten Leistung bei den Olympischen Spielen von Rio womöglich schon aus dem Ring zu verabschieden. Am Einzug ins Finale gescheitert, wollte die vier Jahre zuvor noch Fünftplatzierte so nicht zum letzten Mal der internationalen Konkurrenz entgegengetreten sein. Doch nach der notwendig gewordenen Operation konnte sie auch bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in London nicht an die Leistungen anknüpfen, die ihr zwischen 2009 und 2014 drei vierte Plätze bei Welt- und Europameisterschaften beschert hatten. Der Körper hatte sich an eine Schutzhaltung gewöhnt, die komplizierte Technik, mit der das Wurfgerät vor dem Flug beschleunigt wird, konnte Klaas nur mit höchster Konzentration umsetzen. Auch heute noch hätten sich die falschen Verschachtelungen der Nerven nicht ganz gelöst, sagt die Sportlerin, arbeitet sie mit einem Neurotrainer zusammen, um das Problem zu beheben.

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so lange dauern würde“, sagt die erfahrene Athletin. Aber aufzugeben käme für sie nicht infrage. Direkt nach dem verpatzten Auftritt im Olympiastadion von 2012 stand für sie fest, dass sie es 2018 bei den Heim-Europameisterschaften in Berlin noch einmal wissen will. Dass danach aber Schluss sein soll mit der Karriere.

„Tokio hat für mich keinen Reiz.“ Vielmehr freut sich die Kommissarin darauf, bald ihren Kollegen im Social-Media-Team der Frankfurter Polizei, das sie aktuell nur an ihren freien Trainingsnachmittagen verstärkt, öfter helfen zu können. Zudem möchte sie mit ihrem Freund und Disziplinkollegen Maximilian Becker eine Familie gründen.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Im August in der Hauptstadt hofft die Werferin mit einer Bestweite von 76,05 Metern aus 2012 noch einmal auf „das erhebende Gefühl“, das jeden Start bei einem Großereignis begleite. Und für das es sich gegen alle Widrigkeiten zu kämpfen lohne. Dazu gehört, dass man der langjährigen Kaderathletin zuletzt die Sporthilfe gestrichen hat. Dabei ärgert die Polizistin weniger der Verlust der monatlichen Unterstützung, auf die sie nicht angewiesen ist, als der der Wertschätzung des Verbandes ihr gegenüber. „Doch es ist müßig, darüber zu reden.“ Als Vertreterin des Hammerwurfs, dieser Randdisziplin inmmitten der Leichtathletik, ist es die deutsche Meisterin von 2014 gewöhnt, trotz ihrer Erfolge keine große Rolle zu spielen. So konzentriert sich Klaas lieber auf sich und ihr Können. Ausgerüstet mit den Aufgaben, die ihr Bundestrainer Helge Zöllkau bei einem gemeinsamen Trainingslager in Portugal mitgab, arbeitet sie nun schon seit zwei Wochen bei mehr als 20 Grad in Pretoria an ihrer Form. Und daran, dass ihr vielleicht zum Abschluss ihrer Karriere vor eigenem Publikum noch einmal ein ganz großer Wurf gelingt.

( kaja)
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