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Ein neuer „Code“ muss her

Von Der FC Augsburg hat am Sonntag gezeigt, wie man Eintracht Frankfurt bezwingen kann. Viel Zeit bleibt nicht, um die Bundesliga-Pleite aufzuarbeiten. Im Viertelfinale des DFB-Pokals wartet am Mittwoch schon der Bundesliga-Konkurrent Mainz 05.
Die Gesichter sprechen Bände: Während Trainer Niko Kovac verärgert gestikuliert, ist auf der Bank den Co-Trainern Robert Kovac, Armin Reutershahn, Torwart-Trainer Moppes Petz und Sportdirektor Bruno Hübner (von rechts) die Unzufriedenheit mit dem Eintracht-Auftritt in Augsburg anzusehen. Foto: Jan Huebner (imago sportfotodienst) Die Gesichter sprechen Bände: Während Trainer Niko Kovac verärgert gestikuliert, ist auf der Bank den Co-Trainern Robert Kovac, Armin Reutershahn, Torwart-Trainer Moppes Petz und Sportdirektor Bruno Hübner (von rechts) die Unzufriedenheit mit dem Eintracht-Auftritt in Augsburg anzusehen.
Frankfurt. 

Für Manager Bruno Hübner war die 0:-3-Niederlage in Augsburg ein „Warnschuss zur rechten Zeit“. Für Trainer Niko Kovac schlicht der Beweis, „dass wir noch nicht so weit sind wie die anderen“. Ein Schuss vor den Bug also für die Frankfurter Eintracht. Oder doch mehr? Denn ein Leistungseinbruch käme zur Unzeit. Gerade jetzt, wo sich die Eintracht und mit ihr die Stadt und die Region im sportlichen Aufbruch befindet. Die Zwischenbilanz nach knapp zwei Dritteln der Saison ist erfreulich, auch wenn die Spieler in Augsburg mit fehlender Einstellung ein Stück weit von dem eingerissen haben, was sie in den Wochen zuvor aufgebaut hatten. Doch die Eintracht steht auf Platz sechs der Tabelle und im Viertelfinale des DFB-Pokals. Und sie hat beste Voraussetzungen den einmal schlechten Eindruck schnell zu korrigieren. Drei Heimspiele in Folge stehen auf dem Spielplan, beginnend mit dem Pokal-Derby gegen Mainz am Mittwoch (18.30 Uhr), danach mit den Bundesliga-Begegnungen gegen Köln und Leipzig.

Danach wird klar sein, ob es sich in Augsburg um einen einmaligen Ausrutscher oder doch um die Vorboten eines länger andauernden Tiefs handelt. Der Trainer ist davon überzeugt, dass seine Mannschaft schnell wieder die Kurve kriegen wird. „Ich gehe davon aus, dass so etwas nicht noch mal passiert“, sagte Kovac nach der Pleite von Augsburg. Dort waren zwei Dinge zusammengekommen: Die schlechte Form vieler Spieler, vor allem wichtiger Spieler. Und die mangelnde taktische Flexibilität, nachdem die Augsburger auf die Stärken der Eintracht aus den Vorwochen klare Antworten gefunden hatten.

Der Frankfurter „Code“ war entschlüsselt. Was im Zeitalter der gläsernen Fußballmannschaften nicht schwer und auch nicht wirklich überraschend war. Marius Wolf und Timothy Chandler, beide zuletzt sehr stark, wurden einfach „zugestellt“, um nur ein Beispiel zu nennen. Es gab keinen Raum nach vorne, dafür boten die Augsburger immer wieder der Rückpass als letzte Möglichkeit an. „Marius hatte Geleitschutz“, erkannte auch der Frankfurter Trainer eine Art „Manndeckung“ für seinen Offensivverteidiger. Auf der anderen Seite ging es Chandler nicht viel anders. Wenn dann individuelle Unpässlichkeiten im Sinne des Wortes dazukommen, also Fehlpässe vom Spielmacher Kevin-Prince Boateng, ist das Frankfurter Spiel fast schon lahm gelegt. Stürmer Sébastien Haller war vom Spiel abgeschnitten, hatte nicht eine einzige Schussmöglichkeit, verlor zudem auch noch im Grunde jeden Ball. Seine Stärke, Bälle zu halten und weiterzuleiten, war verschüttet. Natürlich hat auch der Trainer dies alles gesehen und registriert. Auf eine Diskussion um seine Führungsspieler wollte Kovac sich klugerweise nicht einlassen. Nach ihnen wurde gefragt, nachdem es am 21. Spieltag zum ersten Mal in der gesamten Saison so richtig schief gegangen war. „Meine Führungsspieler machen das richtig gut“, lautete Kovacs Antwort. Was sich auf die Saison bezog und zutrifft. In Augsburg war es nicht so. Aber gerade Profis wie Boateng, der viel Verantwortung trägt, oder Haller, der in vielen Spielen den Unterschied ausgemacht hat, müssen auch mal schwächere Spiele zugestanden werden. Es dürfen halt nicht so viele sein.

Dass auch Kovac in Augsburg früh die Hoffnungslosigkeit des Unterfangens spürte, die Erfolgsserie fortzusetzen, machten seine Auswechslungen deutlich. Boateng und Haller mussten oder durften früher raus. „Mainz hatte einen Tag mehr zur Erholung“, dachte der Eintracht-Coach schon ans Pokalspiel, „deshalb haben auch wir frühzeitig gewechselt“. Spielmacher und Torjäger durften ein paar Minuten länger ausruhen.

Öffentlich wollte Kovac sich mit dem Spiel in Augsburg nicht lange aufhalten. „Kurz schütteln und nach vorne schauen“ hatte er sich vorgenommen. Der Blick ging Richtung Mittwoch. Intern aber hat es eine detaillierte Aufarbeitung gegeben. Was zur Frage zurückführt: Nur ein Einzelfall oder eine Tendenz? Personelle Möglichkeiten, einiges zu ändern ohne das Große und Ganze in Frage zu stellen, bieten sich auf vielen Positionen. Vielleicht muss sich die Eintracht ja sogar taktisch neu „erfinden“, anders verteidigen und angreifen, mit einem anderen System und einer anderen Raumaufteilung. Freilich, nach einem schief gelaufenen Spiel vieles über Bord zu werfen, was in den Wochen und Monaten zuvor gut funktioniert hatte, könnte zu früh und zu risikoreich sein. Viel Tüftelarbeit also für Trainer Kovac vor den nächsten Aufgaben.

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