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Einfach genießen

Von Schon die Teilnahme an den Winterspielen ist für die Junioren-Weltmeisterin ein Erfolg. Zum Skeleton-Sport kam Anna Fernstädt nur durch einen Zufall.
Zimmerkolleginnen im olympischen Dorf: Anna Fernstädt (links) und Tina Hermann Foto: Michael Kappeler (dpa) Zimmerkolleginnen im olympischen Dorf: Anna Fernstädt (links) und Tina Hermann

Was anderen Angst macht, stellt für Anna Fernstädt kein Problem dar. Überschlug sich die ehemalige Turnerin der TSV Heusenstamm einst an Schwebebalken und Boden, stürzt sie sich jetzt mit dem Kopf voran mutig den Eiskanal hinunter. Dass sie dies auch bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang tun würde, damit hatte die 21-Jährige zu Saisonbeginn kaum rechnen dürfen. Denn da lief für das Nesthäkchen im deutschen Skeleton-Team noch wenig zusammen.

Den Sprung in den Weltcup verpasste die Weltmeisterschafts-Vierte des vergangenen Jahres erst einmal, weil sie die geforderte Startzeiten-Norm nicht erfüllen konnte. Doch im Interkontinental-Cup bot sie sich weiter an und führte nach drei Siegen aus vier Rennen in der Gesamtwertung, als Bundestrainer Jens Müller der im tschechischen Prag geborenen Athletin doch noch eine Chance in der erstklassigen Serie gab. Diese wusste Fernstädt zu nutzen, belegte im November im kanadischen Whistler den sechsten Platz und durfte damit dauerhaft im Topteam verbleiben und um ein Ticket nach Südkorea kämpfen. Das löste sie Mitte Januar in St. Moritz, wo sie sich als Fünfte ihre zweite vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) geforderte Top-Acht-Platzierung sicherte. Zwei Wochen später legte sie nach und schnappte sich an gleicher Stelle den Titel der Junioren-Weltmeisterin.

Die Ziele für Pyeongchang, wo sie morgen (ab 12.20 Uhr MEZ) zu den ersten beiden Läufen in die Rinne steigt, bleiben jedoch bescheiden. „Ich freue mich, dass ich überhaupt dabei sein darf“, hatte Fernstädt noch kurz vor ihrem Abflug erklärt. Deshalb konzentriere sie sich erst einmal darauf, alle vier Läufe so gut wie möglich runterzubringen und ansonsten die Spiele zu genießen. Die Favoritenrolle haben andere inne; Tina Hermann zum Beispiel, mit der sich Fernstädt im olympischen Dorf das Zimmer teilt. Doch mit dem Abschlusstraining konnte die Debütantin durchaus zufrieden sein, belegte sie dabei doch die Plätze fünf und sechs.

Kein passender Turnverein

Fernstädt ist im hessischen Groß-Umstadt aufgewachsen und begeisterte sich erst einmal fürs Geräteturnen. Als die Familie vor acht Jahren nach Berchtesgaden umzog, fand sich dort kein passender Verein für die ambitionierte Athletin. So sah sie sich im Wintersport um. „Fürs Rodeln war ich schon zu alt, fürs Bobfahren noch zu jung“ – also versuchte sie es mit Skeleton. Ein bisschen verrückt kommt es ihr zwar manchmal immer noch vor, mit dem Kinn nur wenige Zentimeter über dem Eis die Bahn hinunter zu rasen. Doch der Erfolg stellte sich schnell ein. Gleich in ihrem ersten Jahr fuhr sie bei den deutschen Meisterschaften in die Top Ten, feierte 2013/14 bei ihrem Debüt im Europacup den Sieg in der Gesamtwertung. Als Angehörige der Sportfördergruppe der bayerischen Polizei genießt sie beste Bedingungen, um sich auf ihre Leidenschaft zu konzentrieren.

Der Teddy beruhigt

Den Kontakt zu ihren früheren Turnkolleginnen und Trainerin Anne Böhme hat die ehemalige Hessenmeisterin bis heute nicht verloren, ist weiterhin Mitglied bei der TSV Heusenstamm und schaut in der Halle vorbei, wenn sie mal in der Nähe ist. Das, was sie einst am Martinsee lernte, davon ist Fernstädt überzeugt, hilft ihr auch beim Skeleton. Doch natürlich sind die Kräfte, die dabei auf den Körper wirken, ganz andere, wird man kräftig durchgeschüttelt auf dem flachen Schlitten. Angst verspürt Fernstädt dabei nicht, doch vor ihrem ersten Olympiaauftritt sei sie schon sehr nervös. Immerhin fühle man so die Kälte nicht so sehr, betont sie. Und gegen beides, das Kribbeln und das Frieren, hat sie auch ein gutes Mittel parat: „Meinen Teddy – der ist immer dabei.“

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