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Eintracht Frankfurt: Eintracht: Wieder im falschen Film

Von Schon wieder kein Heimsieg, im Gegenteil: Die Eintracht verliert auch gegen Augsburg – und sollte den Schalter schnell wieder umlegen.
Da gibt es noch Abstimmungsbedarf: Gegen Augsburg läuft für Kevin-Prince Boateng und seine Eintracht-Kollegen wenig zusammen. Foto: pressehaus/heinen (www.bild-pressehaus.de) Da gibt es noch Abstimmungsbedarf: Gegen Augsburg läuft für Kevin-Prince Boateng und seine Eintracht-Kollegen wenig zusammen.
Frankfurt. 

Lukas Hradecky wähnte sich im falschen Film, schon wieder. „Das war ein Déjà-vu vom Wolfsburg-Spiel. Wir spielen, wir kommen zu den Chancen, aber die Bälle gehen nicht rein“, klagte der Schlussmann der Frankfurter Eintracht hinterher, als es auch im zweiten Anlauf nichts geworden war mit dem ersten Heimsieg, ganz im Gegenteil. Wobei das Treffen mit dem FC Augsburg am Samstag dann doch keine ganz originalgetreue Wiederholung des Besuches aus der Autostadt war. Zum einen verlor die Eintracht mit 1:2 (0:1) und nicht mit 0:1, und das völlig verdient. Und zum anderen ließ ihr Auftritt noch mehr Wünsche offen als drei Wochen zuvor. „Unterm Strich hat es nicht gereicht, weil wir in der ersten Halbzeit nicht so da waren wie die Augsburger. Sie haben uns in allen Belangen gezeigt, wie man es machen muss“, fasste der Frankfurter Fußballlehrer Niko Kovac treffend zusammen und erkannte angesichts des Dargebotenen an: „Wir sind traurig, aber das zu Recht.“

Seinem Kollegen Manuel Baum wiederum glückte nach dem Abpfiff eine noch größere Überraschung als während der gut 90 Minuten zuvor. „Ein großes Kompliment an unseren Gegner. Sie haben eine richtig gute Truppe und sind extrem variabel“, meinte der Trainer des FC Augsburg verblüffenderweise, vermutlich eher allgemein – denn an diesem Tag brachte die Eintracht von diesen Qualitäten viel zu wenig auf den Rasen, anders als Baums Außenseiter. „Die erste Halbzeit war die bislang schwächste in dieser Saison“, fand Kovac dafür auch deutliche Worte: „Da haben wir vieles, eigentlich alles, falsch gemacht.“ Immerhin erkannte er auch eine „gute Reaktion“ in der zweiten Hälfte. Nach dem Anschlusstor des eingewechselten Luka Jovic in der 79. Minute wachte die lange planlose und phlegmatische Eintracht endlich richtig auf und drängte den Ausgleich – freilich eher mit der Brechstange als mit der feinen Klinge und letztlich auch erfolglos.

Kovac richtete dann lieber rasch den Blick auf den Spielplan und die nächsten Aufgaben: „Es ist gut, dass wir in vier Tagen wieder spielen. Wir müssen das Spiel heute schnell abhaken und vergessen“, riet er. „Natürlich sind wir enttäuscht. Aber wir werden in Köln wieder beweisen müssen, dass wir dort punkten können.“ Die enge Taktung freilich hat Vor- und Nachteile. Sollte die Eintracht auch am Mittwoch beim 1. FC Köln und am Samstag bei RB Leipzig leer ausgehen, läuft sie der Musik erst einmal ziemlich hinterher und gerät zunehmend in Zugzwang. Und ganz vergessen werden sollte die Lektion der Augsburger Außenseiter, die nun immerhin schon sieben Punkte in vier Spielen gesammelt haben, gewiss nicht – sie zeigte nämlich einige typische Frankfurter Problem-Muster auf.

Nur zwei von elf Heimspielen hat die Eintracht saisonübergreifend in diesem Kalenderjahr für sich entscheiden können, das ist noch bedenklicher als die Niederlagen seit dem Neustart – obwohl die Gegner nun keine Überflieger waren. „Zu Hause gegen Wolfsburg und Augsburg kein Punkt, das ist zu wenig“, räumte Kovac ein. Was auch damit zu tun hat, dass der Eintracht gegen tief stehende Gegner wenig einfällt, da hilft aller Ballbesitz wenig.

Leicht auszurechnen

Kollege Baum hatte vorher genau hingeschaut. Seine drei Stürmer setzten das Frankfurter Abwehr-Trio unter Druck, das Mittelfeld wurde zugestellt, seine Fünferkette ließ in der Abwehr wenig anbrennen. „Dort, wo am wenigsten Raum war, haben wir die Bälle immer wieder reingespielt. Wir haben es verpasst, über die Außen zu spielen“, tadelte Kovac misslungene Aufbauversuche. Er selbst hatte auch nicht immer ein glückliches Händchen. Das seit Saisonbeginn beibehaltene Grundmuster mit Dreier-Abwehr und Doppelspitze funktionierte zwar gerade beim jüngsten 1:0 in Mönchengladbach, und nach dem großen Umbruch des Sommers ist Systemtreue gewiss eine nachvollziehbare Eingewöhnungshilfe. Für den FCA aber war Kovac, der eigentlich so viel Wert auf Flexibilität legt, so leicht auszurechnen.

Hinzu kam, dass die Wechsel abgesehen von Joker Jovic nicht fruchteten – angefangen damit, dass der nach Knieproblemen zurückgekehrte Makoto Hasebe weiter hinten vielleicht mehr geholfen hätte als im Mittelfeld. Verteidiger Simon Falette, der vor dem 0:1 einen unnötigen Freistoß gegen den ehemaligen Frankfurter Marcel Heller verschuldete, durfte ebenso durchspielen wie der blasse Jonathan de Guzman und der abgetauchte Sturm-Turm Sébastien Haller. Während der nach der Pause aufdrehende Mijat Gacinovic für Jovic wich. Die Umstellung auf Viererkette und zwei Flügelstürmer brachte Augsburg nach der Pause etwas aus dem Konzept, der eingewechselte Ante Rebic aber war voller Übereifer dabei auch keine Hilfe.

Wieder ein Déjà-vu?

Bei allen Personal- und Systemfragen: Entscheidend war, dass zu wenig Bewegung im behäbigen Spiel war, zu wenig Bereitschaft, dem anderen zu helfen – anders als bei den giftigen, flinken Gästen. Ob nach dem fleißig erarbeiteten Gladbach-Sieg manch einer dachte, gegen Augsburg ginge es mit weniger Einsatz? Das wäre in dieser umkämpften Bundesliga fatal, da müsste Kovac den Schalter schnell wieder umlegen. Die etwas kuriosen Gegentore passten auch zum gebrauchten Tag: Erst traf Philipp Max mit einem Freistoß fast von der Seitenauslinie, mitten durchs Strafraumgetümmel ins lange Eck (20.), dann wurde der zwei, drei Meter vor seinem Tor stehende Hradecky von Caiubys Kunstschuss aus der Ferne überrascht (77.).

„Es war nicht gerade ein Fehler, aber so ein Schuss darf nicht reingehen“, meinte er zum 0:2, beim ersten Tor sei nichts zu machen gewesen: „Der kam scharf geschossen.“ Auch Hradeckys Hoffnung gründete sich aus dem Blick voraus. „Wir lieben die Auswärtsspiele in dieser Saison viel mehr“, sinnierte der Schlussmann. Vielleicht erlebt er am Mittwoch in Köln ja wieder ein Déjà-vu – dann aber lieber eines von der Gladbach-Reise.

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