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Erst Völler trifft: Bayer hat einen Karnevals-Kater

Bayer Leverkusen spielte bisher eine starke Saison und kletterte bis auf Platz zwei. Die 0:2-Heimniederlage gegen Hertha BSC war aber ein herber Rückschlag.
Die Leverkusener um Julian Baumgartlinger, Karim Bellarabi und Kai Havertz (l-r) kassierten eine Heimniederlage. Foto: Bernd Thissen Die Leverkusener um Julian Baumgartlinger, Karim Bellarabi und Kai Havertz (l-r) kassierten eine Heimniederlage.
Leverkusen. 

Es dauerte bis sieben Stunden nach Schlusspfiff, ehe endlich ein Vertreter von Bayer Leverkusen traf. Nach Mitternacht versenkte Sportchef Rudi Völler an der Torwand im „aktuellen Sportstudio” zumindest den vorletzten Schuss.

Nach den vorherigen vier Fehlversuchen hatte der einst fünf Mal an der Torwand erfolgreiche Weltmeister von 1990 schon befürchtet, die Torflaute seiner Profis würde auf ihn übergreifen. „Wie die Spieler heute Mittag”, unkte Völler.

So hatte auch Trainer Heiko Herrlich die bittere 0:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Hertha BSC eingestuft. „Heute hätten wir noch eine Stunde spielen können und kein Tor gemacht”, sagte der Coach. Und so hatte viele Bayer-Fans der Karnevals-Kater schon am Samstag ergriffen. Begonnen hatte es bei den Rheinländern mit Konfetti, Ballons und kölschen Liedern. Vier Tage nach dem Einzug ins Pokal-Halbfinale schien alles bereitet für die nächste Party.

Nach dem Sturz von Tabellenplatz zwei auf Rang fünf herrschte unter den größtenteils verkleideten Zuschauern aber Frust und Ratlosigkeit. Und auch bei Herrlich machte sich der Eindruck breit: Sein Team, das über mehrere Monate hinweg für Furore in der Liga gesorgt hatte, ist noch nicht so weit, wie man es erhofft hatte.

„Nach dem Kraftakt gegen Bremen hat die Frische im Kopf gefehlt”, analysierte Herrlich: „Wenn man international spielen will, muss man solche Spiele schneller wegstecken. Aber das fehlt uns noch zu einer Spitzenmannschaft.”

Völler blieb derweil seiner oft bewährten Taktik treu, gegen den Strom zu schwimmen und ließ kaum ein kritisches Wort an seinem Team. Mangelnde Konzentration machte der Sportchef als Hauptgrund für die Niederlage aus. Auf die Frage, welchen Platz sein Team am Saisonende erreiche, antwortete er: „Zwei bis Sechs.” Und weil die Leverkusener auch erstmals seit neun Jahren im Halbfinale des DFB-Pokals stehen, könnte es für sie eine richtig gute Saison werden.

Das konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bayers Tormaschine in der Liga ins Stocken geraten ist. Dem Vereinsrekord von 25 Spielen in Folge mit eigenem Tor folgten nun gleich zwei Partien ohne Treffer. Auch die Unordnung vor dem Tor von Valentino Lazaro (43.) und Jonathan Tahs Fehler vor dem 0:2 durch Salomon Kalou (58.) sprechen für noch mangelnde Stabilität der Werkself, die in den vergangenen Wochen teilweise berauschend aufgespielt hatte.

Die Hertha feierte dagegen im fünften Spiel den erlösenden ersten Rückrunden-Sieg und ist nun einer erneuten Europacup-Teilnahme wieder näher als der Abstiegszone. „Jetzt haben wir den Kritikern, sagen wir es mal nett, entgegengewirkt”, sagte Fabian Lustenberger. Vor allem erspielen sich die Berliner nach dem Sieg bei Vizemeister RB Leipzig langsam aber sicher einen Ruf als Favoritenschreck. Und Torschütze Lazaro, der sein erstes Bundesliga-Tor am Geburtstag seiner Mutter erzielte, plante schon den nächsten Coup: „Das nächste Auswärtsspiel ist bei den Bayern. Schauen wir mal, was da geht.”

(Von Holger Schmidt, dpa)
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