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Fanny Rinne und die Ringe

Vom B-Männchen zur Kapitänsbinde – die vierte Olympia-Teilnahme ist Fanny Rinnes letzte.
Hamburg. 

Die Frau ist mit sich im Reinen, gar keine Frage. Spätestens am 10. August wird sie ihr letztes Hockey-Länderspiel bestreiten. In London. Am liebsten im Endspiel. "Es ist ein Privileg, wenn man bei den Olympischen Spielen aufhören kann", sagt Fanny Rinne, "die Entscheidung fühlt sich richtig gut an."

Über 320 Länderspiele hat die 31 Jahre alte Mannheimerin seit ihrem Debüt im Nationalteam am 16. September 1998 bestritten. Die ersten Olympischen Spiele folgten 2000 in Sydney, Olympia-Gold 2004 in Athen war bislang der Höhepunkt ihrer Karriere. "In Sydney war ich das Küken und bin mit staunenden Augen durch die Welt gelaufen", erinnert sie sich, "es ist schon so weit weg, aber gleichzeitig immer noch sehr nah."

Optimaler Werdegang

London werden nun ihre vierten Spiele, bei denen sie erstmals die deutsche Mannschaft als Kapitänin aufs Feld führt. Eine logische Folge der persönlichen Entwicklung. "In Athen und Peking konnte ich mich aus der Verantwortung noch rausziehen. Es war ganz gut, dass ich nur das B-Männchen war", sagt die Mannheimerin, "die Führungsrolle habe ich nach und nach bekommen. Der Werdegang war für mich optimal." Gäbe es im Hockey so etwas wie "Stars", dann wäre Rinne wohl einer. Die hochgewachsene Blondine fällt nicht nur durch ihr elegantes Spiel auf. Schlagzeilen machte sie zudem vor acht Jahren durch Fotos für den Playboy, die sie zeigten, wie Gott sie schuf, und die Beziehung mit dem damaligen Frauen-Bundestrainer Markus Weise. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ihr deshalb regelmäßig die Schlagzeilen gehörten.

Nach dem Olympiasieg in Athen kochte die öffentliche Aufmerksamkeit mal kurz hoch, aber ohne Nachhaltigkeit, sagt sie: "Stalker oder Ähnliches hatte ich nie. Ich hätte nie berühmt sein wollen. Da hat man ja keinen Freiraum mehr. Ich bin glücklich so, wie es ist."

Fast ein halbes Leben Nationalmannschaft. Lehrgänge, Länderspiele, Trainingspläne. 26 große internationale Turniere stehen zu Buche, von den Bundesliga-Verpflichtungen ganz zu Schweigen. 150 Tage mit dem Auswahlteam sind das alleine im Jahresdurchschnitt – als Amateurin wohlgemerkt. Ein Studium der Sportwissenschaft hat Fanny Rinne 2007 in Heidelberg abgeschlossen. Seit 2010 arbeitet sie bei der Stadtmarketing Mannheim, "ein idealer Arbeitgeber".

20 Stunden arbeitet sie dort, 20 Stunden ist sie für den Sport freigestellt. Den Lohnausgleich trägt die Deutsche Sporthilfe, "damit ich meine Miete zahlen kann."

Video und Selbst-Pass

Viel hat sich verändert, seit sie erstmals für die Nationalmannschaft aufgelaufen ist. Video-Schiedsrichter helfen bei kniffligen Entscheidungen, das Spiel ist noch schneller geworden. Viele Regeländerungen haben dazu beigetragen, insbesondere der vor drei Jahren eingeführte "Selbst-Pass" bei Freischlägen sorgte für weitere Dynamik: "Die Anforderungen an den einzelnen Sportler sind viel höher als früher, aber das ist nicht nur bei uns so."

Mitte August hat Fanny Rinne es hinter sich, wird glücklich und zufrieden sein – egal, was bei Olympia herauskommt: "Es war eine schwere Entscheidung nach einem langen Prozess, jetzt freue ich mich auf die Zeit ohne Hockey."

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