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Gerrit Nieberg gewinnt Großen Preis: Frankfurt ist ein gutes Pflaster für die Niebergs

Von 6000 begeisterte Zuschauer jubelten am letzten Tag des Frankfurter Festhallen Reitturniers Springreiter Gerrit Nieberg zu. Grund zum Jubeln hatte auch der Veranstalter: Mit insgesamt 46 800 Zuschauern war das Turnier besser besucht als im vergangenen Jahr.
Gingen im Stechen fehlerfrei über den Parcours in der Festhalle: Gerrit Nieberg und Contagio. Foto: Hans-Uwe Kellner (pressehaus) Gingen im Stechen fehlerfrei über den Parcours in der Festhalle: Gerrit Nieberg und Contagio.
Frankfurt. 

17 Jahre, nachdem sein Vater Lars beim Frankfurter Reitturnier den Großen Preis von Hessen gewann, gelang Gerrit Nieberg das gleiche Kunststück. Der 23-jährige aus Sendenhorst gewann auf Schimmelhengst Contagio mit einem fehlerfreien Ritt in 44,94 Sekunden die mit 70 000 Euro dotierte wichtigste Prüfung. Zweiter im Stechen wurde Felix Haßmann auf Cayenne (4/35,22), der auf der Stute Balance das Weltranglistenspringen am Samstag sowie das Eröffnungsspringen gewonnen hatte. Platz drei unter den fünf Teilnehmern im Stechen ging an den Niederländer Gert-Jan Brugging auf Vampire.

Den Champions Cup gewann Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung auf Chelsea. „Es war nicht mein erster Triumph in einem Weltranglistenspringen“, betonte Jung, der vor den Toren Frankfurts – in Bad Soden – geboren wurde. Die Vielseitigkeit habe Priorität, aber er gehe gern fremd. Während der Hallensaison ruhen sich seine Vielseitigkeits-Pferde aus, im Frühjahr und im Herbst gibt es Verschnaufpausen für die Springpferde. Otto Becker, Bundestrainer der Springreiter, hätte keine Probleme, den „Buschreiter“ in seinen Kader zu berufen. „Er reitet stark, hat mit Chelsea und vor allem Solution zwei gute Pferde. Vielleicht werde ich ihn nächstes Jahr einmal einladen.“ Jung müsse es nur zeitlich hinkriegen. Dies sei laut Becker angesichts der steigenden Zahl der Turniere schwierig. „In Deutschland ist es immer noch eine Ehre, den Nationenpreis zu reiten. Bei uns werden die Championats-Pferde sinnvoll geschont, bekommen auch Pausen. In vielen Ländern werden die Pferde aber nur nach Preisgeldern bei den Turnieren eingesetzt.“ Die in Deutschland gezüchteten Pferde, die aktuell die großen Preisgelder gewinnen, stehen meist in ausländischen Ställen. Dort werden Summen gezahlt, denen die Züchter nicht widerstehen können. Becker habe Paul Schockemöhle schon gefragt, ob er die talentierten Pferde nicht länger behalten könnte. „Aber auf dem Ohr hört er nicht so gut. Der lukrative Verkauf hat Priorität. Was ihm niemand verübeln kann.“

Dieser Trend erschwert dem Bundestrainer die Aufgabe. Ohnehin ist Deutschland nicht mehr tonangebend im Springreiten. „2016 hatten wir fünf Weltklassepaare. Christian Ahlmanns Erfolgspferde kamen in die Jahre, Ludger Beerbaum hat sich aus der Equipe verabschiedet, das Pferd von Meredith Michaels-Beerbaum hat sich verletzt, das von Daniel Deusser ist gar gestorben, und Cornado von Markus Ehning verlor die Form, kommt erst langsam wieder in Schwung. Und so standen uns die etablierten Paare auf einmal nicht zur Verfügung“, sagt Becker. „Ein Glück, dass es uns an Talenten im Sattel noch nie gemangelt hat. Ihnen fehlt aber noch die Konstanz. Und Erfahrung.“ Wie gut, dass die Weltreiterspiele und die erste Olympia-Qualifikation erst im nächsten Jahr sind. „Mit Simone Blum, Laura Klaphake, Maurice Tebbel und Philipp Weishaupt sind starke junge Reiter mit guten Pferden in den A-Kader gekommen.“ Ehning ist derzeit der einzige Routinier. „Für ihn ist es schwer, nicht mehr seine Generation um sich zu haben, sondern lauter junge Leute. Aber er macht es großartig. Hut ab. Er stellt sich ganz in den Dienst der Mannschaft, ist ein Vorbild, hilft den anderen mit Rat und Tat.“ Becker hofft, „dass vielleicht ein Mäzen oder Sponsor ein gutes Pferd für uns kauft. Aber wir jammern auf hohem Niveau, haben auch so ein gutes Team, das 2018 eine Medaille gewinnen kann.“

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