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Judo: Frankfurter Alexander Wieczerzak: Zurück auf der Matte

Von Zahlreiche gesundheitliche Probleme hatten Alexander Wieczerzak die Olympiateilnahme in Rio de Janeiro gekostet. Jetzt ist er wieder da, wo er hingehört.
Kann endlich wieder kräftig zupacken: der Frankfurter Judoka Alexander Wieczerzak (links). Foto: Robert Ghement (EPA) Kann endlich wieder kräftig zupacken: der Frankfurter Judoka Alexander Wieczerzak (links).
Frankfurt. 

Endlich wieder angreifen können. Die Chance haben, den Gegner auf die Matte zu legen und vielleicht sogar nach einer Medaille zu greifen. Alexander Wieczerzak genießt das „definitiv“. So lange hatte der Frankfurter darauf warten müssen, wieder einzugreifen in ein internationales Großereignis. Jetzt, bei den Weltmeisterschaften in Budapest, ist es so weit. In der Klasse bis 81 Kilogramm geht der 26 Jahre alte Judoka an den Start. Das Gewicht stimmt, die Vorbereitung war gut und intensiv. Die Auslosung, die ihm zuerst den Olympiadritten Antoine Valois-Fortier aus Kanada beschert, hatte sich der Europameisterschaftsdritte von 2015 in den Tagen zuvor allerdings noch nicht angeschaut. „Ich will mir keinen Kopf machen“, erklärte er. „Der Stress fängt sowieso schon immer im Flieger an.“

In dem nach Rio hatte er im vergangenen Jahr sitzen wollen. Doch alles lief gegen ihn. Erst war Wieczerzak nach dem Grand Prix im Januar in Havanna lebensgefährlich am Denguefieber erkrankt. Dann, nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt wieder gesundet, brach er sich eine Rippe, und schließlich, als die Reise nach Brasilien bereits abgeschrieben war, musste er seinen lädierten Ellbogen operieren lassen. Auch der Jahreswechsel brachte keine Besserung. Auf der Jagd nach dem WM-Ticket riss im Knie ein Band. „Es war erst nicht klar, ob wir operieren lassen müssen oder nicht.“ Wieczerzak kam noch einmal um einen Eingriff herum, ließ das Gelenk konservativ behandeln. Nach sechs bis sieben Wochen Ruhe konnte er ins Training zurückkehren.

Nicht mehr nach Kuba

Das Zittern blieb erst einmal erhalten. „Ich wusste ja nicht, ob es noch reicht für die WM“, ob er sich würde durchsetzen können im nationalen Konkurrenzkampf. Doch das Comeback Mitte Juni in Slowenien gelang: Der Hesse entschied den Europacup in Podcetrtek für sich.

Nun steht er also wieder da, wo er hingehört. Allerdings unter anderen Voraussetzungen. Denn mittlerweile hat Richard Trautmann den Bundestrainerjob übernommen und damit der Coach, unter dem Wieczerzak 2010 schon Junioren-Weltmeister geworden war. „Ich wollte sogar schon zu ihm nach München ziehen“, verrät der Sportler. Viel lieber jedoch hörte er, dass Trautmann, der als Aktiver zwei olympische Bronzemedaillen gewann, nach Köln wechselte – und damit in die Stadt, in der Wieczerzak selbst seit Jahren heimisch ist. Hier hatte der unternehmungslustige junge Mann einst auch mit seiner Freundin eine Kinderboutique eröffnet, die er jedoch wieder schloss, um sich ganz auf die Olympiaqualifikation zu konzentrieren.

Trautmann verlangt seinen Sportlern vieles ab, absolvierte mit ihnen Trainingslager auf Teneriffa, in Japan, Korea und Frankreich, ließ sie mehr kämpfen als Gewichte stemmen. „Er lebt das Judo“, sagt Wieczerzak. „Und er gibt dir auf jede Frage eine individuelle Antwort.“ Das hilft den Athleten, ihr Potenzial auszuschöpfen. „Ich hätte nichts besser machen können“, sagt der langjährige Bundesligakämpfer des JC Wiesbaden. „Ich habe bei allem 100 Prozent gegeben.“ Jetzt wolle er das Ergebnis zeigen.

Doch selbst wenn es mit Edelmetall dieses Mal nichts werden sollte, ihm vielleicht auch die zuletzt mangelnde Wettkampferfahrung zu schaffen macht: Der Sportsoldat, der nebenbei ein BWL-Studium an einer Fern-Uni absolviert, sieht diese WM nur als Auftakt zur nächsten Angriffsserie. Deren Höhepunkt wartet in drei Jahren bei den Spielen in Tokio. Dass er nach dem Seuchenjahr 2016 bis dahin von weiteren Verletzungen verschont bleibt, davon könne er nicht ausgehen. „So ist Sport“, sagt er, „und unserer sowieso.“ Nur eins steht für Wieczerzak nach der schweren Infektion im vorigen Jahr fest: „Nach Kuba werde ich nicht mehr reisen.

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