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Tour de France 1977: Frankfurter Dietrich Thurau: "Mit Doping hätte ich gewonnen"

Von 1977 lag Frankreich „Didi Türoo“ zu Füßen. Heute lebt der einstige Rad-Held am Bodensee – und führt ein zufriedenes Leben.
Der „blonde Engel“: Dietrich Thurau trug das Gelbe Trikot bei der Tour de France 1977 insgesamt 15 Tage lang – und wurde am Ende Fünfter. Bilder > Foto: imago sportfotodienst Der „blonde Engel“: Dietrich Thurau trug das Gelbe Trikot bei der Tour de France 1977 insgesamt 15 Tage lang – und wurde am Ende Fünfter.
Kreuzlingen. 

Didi Thurau, sonnengebräunt, strotzt vor Gesundheit und Athletik. Täglich abwechselnd Tennis, Radfahren oder Krafttraining halten den 62-Jährigen topfit. Der Frankfurter Tour-Held von 1977 gibt sich mit blondierter, trendiger Scheitel-Frisur jugendlich. Der Vater von Björn (28), Radprofi, und Urs (22), Tennisspieler, wohnt in einer luxuriösen Eigentumswohnung oberhalb von Kreuzlingen mit herrlichem Blick von der Schweizer Seite auf den Bodensee. Der Immobilienmakler ist zufrieden. Die Geschäfte gehen gut.

Der auffälligste Wandschmuck ist ein großes Bild, signiert mit „Jaap“. Der holländische Künstler hat einst Didi Thurau im Gelben Trikot gemalt, die Ikone Eddy Merckx, den treuen Helfer Bert Pronk und den 77er-Tour-Sieger Bernard Thevent im Schlepptau. Ein „Maillot Jaune“, das er vor 40 Jahren an 15 Tagen trug, besitzt er nicht mehr. Sein letztes Hemd in Gelb hat Didi Thurau hergegeben, dem belgischen Radsport-Museum in Roeselave.

So verlor Didi das Gelbe Trikot

So rollte die Thurau-Tour anno 1977 mit zehn Mannschaften und hundert gestarteten Fahrern: Im Trikot des deutschen Meisters eroberte der Frankfurter Didi Thurau im Prolog das „Maillot Jaune“.

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Dietrich Thurau beteuert bis heute hoch und heilig, er sei seine erste Tour „noch sauber zu Ende gefahren“. Wir schwelgen in Erinnerungen. Didi behauptet unvermittelt: „Mit Doping hätte ich die Tour sonst gewonnen.“ Wow! Sein Indiz: Als auf der 17. Etappe die Konkurrenz mit dem großen Kettenblatt an ihm vorbei hinauf nach Alpe-d’Huez kletterte und er über zwölf Minuten auf Thevenet einbüßte, habe er seinen Freund Ruud Bakker gefragt: „Wie geht denn das?“ Antwort des holländischen Masseurs: „Du wolltest ja nichts nehmen.“ Thurau hatte sich in sengender Hitze furchtbar die 21 „Virages“ (Spitzkehren) hinauf gequält und war 200 Meter vor dem Ziel vor Erschöpfung vom Rad gefallen. Seitdem hatte Didi Thurau begriffen: „Mit Zuckerwasser fährt keiner diese Berge hoch.“

Die Erinnerung 40 Jahre zurück passt zum Tour-Start 2017 am kommenden Samstag in Düsseldorf: Es war Donnerstag, der 30. Juni anno 1977. Der junge Dietrich Thurau, gerade mal 22 Jahre alt, gewann als Grünschnabel im Provinznest Fleurance in der Gascogne den fünf Kilometer langen Prolog und schlüpfte ins Gelbe Trikot der 64. Tour de France. 25 Tage lang, auf 22 Etappen über 4100 Kilometer, feierten Deutsche und Franzosen gleichermaßen den jugendlichen Helden.

Lob von Jacques Chirac

Schon 20 Jahre vor Jan Ullrich, dem ersten und bislang einzigen deutschen Sieger, erfasste Deutschland ein Tour-Taumel. Länger als der „colosse allemand“ Rudi Altig (neun Etappen) radelte der „Pedaleur de Charme“ mit den blonden Locken, den blauen Augen und dem bübischen Lächeln durch Frankreich. Er eroberte die Herzen der Franzosen. Die Grande Nation lag „Didi Türoo“ zu Füßen. Jacques Goddet, Chefredakteur von L’Equipe und Direktor der Tour de France, bewunderte den „blonden Engel“, weil er so elegant Rad fuhr wie Franz Beckenbauer Fußball spielte.

Mit seiner jugendlichen Frische und seinem außergewöhnlichen Talent hatte der neue Stern am Radsporthimmel das Spektakel der Franzosen mehr geprägt als der bis zuletzt offen des Dopings verdächtigte französische Sieger Bernard Thevenet. Es bedurfte eines offiziellen Kommuniqués der Tour-Organisation, um den Franzosen, der im März beim Etappen-Rennen Paris-Nizza positiv getestet worden war, nach zwei Stunden Wartezeit zum Sieger zu erklären. Jahrzehnte später gab der Verdächtigte zu, Cortison gespritzt zu haben, das damals bei Kontrollen noch nicht nachweisbar war.

Thurau wurde nach fünf Etappensiegen Fünfter, einen Rang vor dem fünfmaligen Sieger, dem zehn Jahre älteren Eddy Merckx, und stieg im unschuldigen Weißen Trikot des besten Jungprofis auf den Champs Élysées aufs Podium. Der Pariser Bürgermeister Jacques Chirac beglückwünschte ihn überschwänglich: „Seit Konrad Adenauer hat keiner mehr für die deutsch-französische Freundschaft getan als Didi Thurau“, behauptete damals der spätere Staatspräsident. Die „Bunte“ titelte: „Thurau und die Franzosen: Nur Adenauer war besser.“

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