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Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic über die Rückrunde und die Frankfurter Entwicklung

Von Fredi Bobic rechnet damit, dass es weiter so eng und verrückt in der Bundesliga zugeht – und dass Fleiß am Ende belohnt wird. Dies und vieles andere sagte der Eintracht-Sportvorstand am ersten Tag des Trainingslagers in Spanien.
Zeigt sich gut gelaunt: Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic gestern im Trainingslager in Spanien. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Zeigt sich gut gelaunt: Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic gestern im Trainingslager in Spanien.
Campoamor. 

Auch Fredi Bobic freute sich über den Klimawechsel. „Die Sonne sieht schon gut aus“, urteilte der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht, nachdem der ganze Tross im Trainingslager an der Costa Blanca gelandet war. Am Rande der ersten Trainingseinheit während des Wintercamps des Fußball-Bundesligisten im Hotel Golf Campoamor unweit von Murcia stand er am Dienstagnachmittag zu vielen Themen Rede und Antwort. Fredi Bobic über:

  Den Sinn eines Trainingslagers in der kurzen Winterpause: „Wir haben uns überlegt, zu Hause zu bleiben. Nachdem ich aber gemerkt habe, wie grau und feucht es geworden ist, bin ich aber froh, dass wir rausgegangen sind. In Frankfurt haben wir natürlich auch den Standortvorteil, dass wir in zwei, drei Stunden überall hinfliegen können. Wir trainieren hier vier, fünf Tage unter optimalen Bedingungen, haben noch ein schönes Spielchen gegen Aue, bei dem jeder zum Einsatz kommen kann. Und dann geht es wieder heim, in eine normale Trainingswoche, und man kann sich an das Nasskalte gewöhnen. Es wird hier viel um taktische Dinge gehen, gar nicht so viel um Kondition. Es ist ja auch kaum Zeit, am Samstag in einer Woche geht es gegen Freiburg schon wieder los.“

  Seine Erwartungen an die Rückrunde: „Es wird spannend bleiben und verrückt, auch wenn es vielleicht auch weiter nicht immer unbedingt hochklassig ist. Das werden wieder Abnutzungskämpfe. Die Liga ist unheimlich eng und echt anstrengend. Wenn wir ein Tor mehr schießen, bin ich happy, weil wir dann die Punkte geholt haben. Die Fleißigen werden eine gute Saison spielen. Wir müssen Mentalität und Wille zeigen, müssen nicht spielerisch brillieren, aber gewinnen wollen. Die Ärmel hochkrempeln und sagen: Hey, wir gehen nicht als Verlierer vom Platz. Das gefällt uns und dem Publikum sehr gut.“

  Mögliche Winter-Neuzugänge: „Wir beobachten natürlich den Markt und überlegen schon, ob man die eine oder andere Sache für den Sommer schon vorziehen kann. Wir stehen nicht kurz vor einem Transfer. Es kann aber sein, dass es Ende Januar noch etwas Positives zu vermelden gibt.“

  Das angebliche Interesse am Berliner Verteidiger Jordan Torunarigha: „Er steht noch bei Hertha BSC unter Vertrag, damit hat es sich erst einmal erledigt, ob wir interessiert sind oder nicht. Es macht auch keinen Sinn, darüber aktuell zu sprechen, wir sind in der Innenverteidigung gut aufgestellt. Wir überlegen, was wir in Zukunft machen können, und da werden in den nächsten Monaten noch viele Namen im Raum herumschweben. Wenn irgendwo ein Scout zu sehen ist, Bobic mit jemandem Kaffee trinken geht – das passiert, aber da gibt es nichts zu kommentieren.“

  Mögliche Abgänge aus dem großen Kader: „Wir haben dem einen oder anderen Spieler klar gesagt, wie es bei ihm aussieht. Der Transfermarkt kommt langsam ins Rollen, das wird sich aber noch etwas ziehen. Wir haben wegen der WM eine so kurze Winterpause wie noch nie in Deutschland. Viele Vereine werden die ersten ein, zwei Rückrundenspiele abwarten, wie es läuft oder was mit Verletzungen ist. Auch bei uns ist es so, dass erst einmal nur elf spielen können. Manche werden eingewechselt, andere müssen sich im Training aufdrängen. Ich finde es ja auch gut, wenn wir auf einer Position zwei, drei Spieler haben, die sich einen Konkurrenzkampf liefern.“

  Slobodan Medojevic und Yanni Regäsel, die nicht mit ins Trainingslager genommen wurden: „Medo hatte viele Verletzungen, hat aber im Pokalfinale seinen Mann gestanden. Bei ihm wollten wir einfach gucken, wie es weiterläuft, mit einem leistungsbezogenen Vertrag. Er macht es auch ordentlich, aber die Konkurrenz ist auf seiner Position einfach groß, und da fällt er hinten etwas runter. Wir sind da nur ehrlich und haben ihm gesagt: Wenn die Möglichkeit besteht, dass du einen Verein im Winter findest, dann werden wir dich auch freigeben. Wenn er nichts findet, wird er die nächsten fünf Monate kein Einzeltraining machen müssen. Wir stoßen niemanden aus. Bei Yanni Regäsel ist das auch so. Der Junge muss spielen, und da müssen die Berater einen Verein für ihn finden. Sie haben beide realistisch keine Chance, hier zu spielen.“

  Jungprofi Renat Dadashov, der ebenfalls zu Hause bleiben musste: „Er ist noch ein U-19-Spieler, aber er kriegt schon noch was zu hören, was Professionalität bedeutet. Ein Profivertrag ist schön und gut. Dazu gehört aber viel mehr: Nicht nur den Vertrag unterschreiben, sondern auch als Profi auftreten. Er kam jetzt in einem Zustand zum ersten Training zurück, da hat mir Niko (Trainer Niko Kovac, Anmerkung der Redaktion) gleich gesagt:

Das geht gar nicht! Wenn du Trainingspläne hast und fit sein sollst – da können wir keinen durchschleppen, vor allem von den Jungen nicht. Aber wir werden ihn deshalb nicht verschenken. Ich halte viel von seinen Qualitäten, er hat außergewöhnliche Qualitäten im Sechzehner. Wenn er topfit ist, kann er ein Topspieler werden. Sonst fällt er hinten runter.“

  Die wirtschaftlichen Möglichkeiten: „Wir sind noch ewig weit weg von den Top Ten. Wir kommen von minus Zehn, und wenn du von unten kommst, dann sieht das super aus. Viele merken das in der Republik und sagen: In Frankfurt passiert etwas. Das hat man über Köln aber auch vier Jahre lang gesagt, und dann ging es schnell runter. Wir sind deshalb vorsichtig in unseren Aussagen. Das hat nichts damit zu tun, dass wir kein Selbstvertrauen haben. Wir wollen weiter nach oben, und zwar als Gesamtverein. Es wird 2018 wieder brutal viele Themen geben, nicht nur sportlich, auch in anderen Bereichen. Wenn ich die Agenda sehe, dann werden das zeitfüllende Abende und viele Meilen auf dem Flugkonto. Wir kommen von einem sehr tiefen Standard. Ob wirtschaftlich oder vom Budget her oder was auch immer: Da kommen wir vom letzten Drittel. Auch die 20 Millionen Euro, die immer kolportiert werden (die Transferausgaben vor dieser Saison, Anm. d. Red.) sind bei 14 Spielern ein Witz. “

  Die Gesamtentwicklung der Eintracht: „Ich bin glücklich über das Stadion, über die Vermarktung, über die gesamte Frankfurter Stadtgesellschaft, ob das die Banken sind oder wer auch immer. Überall, wo ich im letzten Jahr war, und das war verdammt viel, habe ich gespürt: Alle sind positiv. Das macht viel Spaß, auch wenn es viel Kraft kostet, alle mitzunehmen und zu sagen: Geht mit auf unserem Weg des Wachstums! Das Wichtigste ist natürlich noch immer, dass wir am Wochenende die Punkte holen. Aber eines habe ich gemerkt: Auch wenn man mal schlechte Ergebnisse hat, glauben alle daran und ziehen mit. Jeder sieht, dass wir versuchen, etwas zu bewegen, und nicht nur quatschen, sondern machen.“

  Die Frage, ob bei der Eintracht im nächsten Sommer die 10-Millionen-Einkaufs-Marke geknackt wird: „Das wird nicht einfach. Wir brauchen immer ein paar Spieler mehr, da muss man eine gute Balance bei den Investitionen finden. Aber für so einen Einkauf wäre es 2018 schon mal an der Zeit. Wenn gewisse Voraussetzungen passen, kann das auch passieren. Ohne dass ich jetzt jemand vom Hof jagen will: Wir werden uns auch über Transfereinnahmen finanzieren müssen in der Zukunft, sonst kommen wir nicht weiter. Der weiße Ritter ist noch nicht gesichtet worden.“

 

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