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Friedel Rausch im Alter von 77 Jahren

Von Er war ein Kind der Bundesliga. Berühmt machten Friedel Rausch ein Hundebiss und der Uefa-Cup-Triumph mit der Frankfurter Eintracht.
Der Moment des großen Triumphes: Friedel Rausch (Mitte) feiert mit Bernd Hölzenbein (links) und Karl-Heinz Körbel den Gewinn des Uefa-Pokals. Foto: Christian Klein Der Moment des großen Triumphes: Friedel Rausch (Mitte) feiert mit Bernd Hölzenbein (links) und Karl-Heinz Körbel den Gewinn des Uefa-Pokals.
Frankfurt/Luzern. 

Der Tod kam unerwartet. Friedel Rausch ist am Samstagvormittag im Alter von 77 Jahren gestorben. Die Bundesliga-Legende wollte sich zu Hause „eine Tasse Kaffee einschenken und ist am Tisch zusammengesackt“, schildert sein Sohn Ingo den „plötzlichen Tod“. Es war Herzversagen. Friedel Rausch lebte mit seiner Frau Marlies in Horw bei Luzern in einer Villa mit bester Hanglage am Vierwaldstätter See. 2008 hatten sie Goldene Hochzeit gefeiert.

Seine beiden Söhne Ingo und Mark wohnen mit ihren Familien in unmittelbarer Nähe. Trotz der Symptome von Demenz habe sein Vater ein „lebenswertes“ Altern gehabt, sei mit seinen Enkeln (zwei Mädchen, zwei Jungen) „normal spazieren“ gegangen. Noch für Samstagabend sei ein Elternbesuch verabredet gewesen.

Beim zweiten Anlauf in Frankfurt 2001 ging es schief: Friedel Rausch (vorne). Bild-Zoom
Beim zweiten Anlauf in Frankfurt 2001 ging es schief: Friedel Rausch (vorne).

Anfang 2015 war Friedel Rausch gestürzt, hatte Kopfverletzungen erlitten und in einem Luzerner Krankenhaus gelegen. Die Feier zu seinem 75. Geburtstag am 27.Februar 2015 war deswegen ausgefallen.

Die allgemeinen Nachrufe sind geprägt vom Biss eines Schäferhundes ins Gesäß des Schalker Spielers beim Revier-Derby am 6. September 1969 in Dortmund gegen Borussia. Ein Ordner hatte bei einer Randale Schalker Fans „Rex“ die lange Leine gelassen.

Junge aus dem „Pott“

Friedel Rausch, geboren in Duisburg, war ein Junge aus dem „Pott“, der nach seiner Spielerkarriere in der Fußball-Bundesliga auch seine Trainerlaufbahn bei Schalke 04 begann, als er mit 36 Jahren und damals jüngster Bundesliga-Trainer seinen berühmten Chef Max Merkel ablöste und prompt 1977 Zweiter wurde.

Den Legendenstatus erlangte die joviale Frohnatur wahrlich nicht nur durch den Hundebiss, sondern durch seine Erfolge als Trainer, unter anderem beim 1. FC Kaiserslautern (Rettung vor dem Abstieg 1993, Vizemeister 1994) und vor allem bei Eintracht Frankfurt. Mit der genialen Generation Grabowski, Hölzenbein, Nickel, Körbel, Pezzey, Cha, Neuberger und Nachtweih holte der „fidele Friedel“ (Karl-Heinz Körbel) 1980 in zwei Endspielen – ohne den verletzten „Grabi“ – gegen Borussia Mönchengladbach den Uefa-Cup. Sein größter Erfolg.

Man muss nicht aus dem traurigen Anlass Körbels Erinnerungen bemühen, sondern braucht nur in der 1986 erschienenen „Zwischen-Biografie“ des „treuen Charly“ nachzulesen. Dort urteilt der spätere Bundesliga-Rekordspieler über Rausch, dessen Vertrag schon vor dem Triumph nicht verlängert worden war. „Er hatte das Talent, eine Mannschaft unheimlich begeistern zu können. Friedel Rausch war eher Kumpel als Vorgesetzter, an Mut und Selbstvertrauen hat es ihm nie gefehlt. Er hat sich sogar zugetraut, Jürgen Grabowski aus der Mannschaft zu verbannen. Doch bald musste er einsehen, dass dies eine ,Mutprobe‘ am falschen ,Objekt‘ war.“

Der Mut, im zweiten Uefa-Cup-Finale 1980 13 Minuten vor Schluss den erst 19-jährigen Fred Schaub einzuwechseln, zahlte sich aus. Der Jungspund schoss das 1:0 (Hinspiel 2:3) gegen Gladbach und verschaffte der Eintracht ihren bedeutendsten internationalen Titel.

Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann zeigte sich betroffen vom Tod des ehemaligen Trainers: „Die Erinnerungen an Friedel Rausch werden immer eng verbunden sein mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte: dem Uefa-Cup-Sieg 1980. Er war ein Kind der Bundesliga und fest verankert im internationalen Fußball. Mit ihm verliert die Fußballwelt einen echten Sportsmann. Wir trauern mit seinen Angehörigen“.

Anders als in der Pfalz gelang es Rausch bei seinem Comeback in Frankfurt nicht, den zweiten Abstieg der Eintracht 2001 zu verhindern. Sein Globetrotter-Leben beendete er als Technischer Direktor 2006 beim FC Luzern, den er 1989 zum Meistertitel und 1992 zum Pokalsieg geführt hatte.

Vor seinem 70. Geburtstag hatte ich ihn in Horw besucht. „Meine Enkel füllen mein Leben und das meiner Frau aus“, schwärmte Rausch damals. Hautkrebs, zwei Lungenembolien und zwei Herzinfarkte hatten seine Gesundheit angeschlagen. „Alles wieder okay“, sagte der fröhliche Optimist. „Ich spiele auch wieder Tennis, aber langsam.“ Frankfurt braucht nicht die skurrile Szene vom Hundebiss, um Friedel Rausch nicht zu vergessen.

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