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Funke springt über: Riesen-Begeisterung über Mini-Olympia

Der Erfolg ist unbestritten, die Resonanz übertrifft die Erwartungen. Die European Championships werden von den Athleten hervorragend angenommen. Auch am Final-Wochenende sehen Zehntausende live eine Vielzahl deutscher Erfolge in Berlin und Glasgow.
Die European Championships in Berlin und Glasgow haben auch am Schlusstag Millionen Sportfans in den Bann gezogen. Foto: Michael Kappeler Foto: dpa Die European Championships in Berlin und Glasgow haben auch am Schlusstag Millionen Sportfans in den Bann gezogen. Foto: Michael Kappeler
Glasgow. 

Die Sportler waren begeistert, die TV-Macher glücklich über die Einschaltquoten von bis zu fünf Millionen. Die European Championships haben auch am Schlusstag noch mal Millionen Sportfans in den Bann gezogen.

Beim Straßenradrennen in Glasgow säumten trotz Regens noch einmal Zehntausende den Stadtkurs rund um den George Square, in Berlin pilgerten täglich knapp 50.000 Leichtathletik-Fans ins Olympiastadion.

Am Breitscheidplatz waren täglich bis zu 10.000 Menschen bei den Siegerehrungen in Euphorie ob der Erfolge von Speerwurf-Champion Thomas Röhler und Co. verfallen und nutzten die Gelegenheit, ihren Stars die Hand zu drücken oder mit ihnen Selfies zu machen. Über 150.000 Zuschauer registrierten die Veranstalter bei dem abendlichen Highlight im Zentrum der deutschen Hauptstadt.

Auch am Wochenende dominierten die Leichtathletik-Übertragungen aus der deutschen Hauptstadt. 4,70 und 4,45 Millionen Zuschauer schauten am Freitag und Samstag zu. „Die Zuschauerzahlen liegen weit über unseren Erwartungen”, kommentierte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Er sei „freudig überrascht”. Zufrieden äußerte sich auch ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „Ehrlich gesagt hatte ich die Hoffnung, dass wir bei 13 bis 15 Prozent Marktanteil landen. Dass dies noch überschritten worden ist, ist fantastisch.”

Kein Wunder, dass der Schweizer Co-Geschäftsführer Marc Jörg von einem „großartigen Erfolg” des von ihm mitkreierten Modells spricht, bei dem der medialen Präsenz des Fußballs ein neuer Event entgegengesetzt werden sollte. „Aber wir können vieles noch viel besser machen”, sagte der Schweizer und warf einen Blick voraus.

Die Faszination der zeitgleich ausgetragenen Titelkämpfe in sieben olympischen Sportarten begeisterte selbst die Europameister. „Schon in Kienbaum haben wir ja nach Glasgow rübergeguckt: Da ist dann den ganzen Tag ARD, ZDF, Eurosport gelaufen. Immer wechselt das hin und her, auch zu Sportarten, von denen man sonst kaum etwas mitbekommt”, lobte die Pfälzer Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong. „Klar, Turnen kennt man. Aber zum Beispiel dieses BMX - das habe ich wirklich zum ersten Mal gesehen”, fügte sie hinzu.

Ermutigt vom Erfolg des neuen Multi-Events zeigte sich der Berliner OK-Chef Clemens Prokop. Aber er räumte im ZDF auch ein: „Der einzige Schwachpunkt dieses Modells war, dass er auf zwei Städte verteilt war.” Auch Christin Hussong würde eine Stadt besser zusagen: „Wenn dann wirklich alles mal an einem Standort stattfindet, dann sind das doch kleine Olympische Spiele. Das ist dann echt was Besonderes”, meinte sie.

Beigetragen zum Gelingen des großen Ganzen hatten vor allen die deutschen Athleten mit ihren Leistungen. Nahezu jeden Tag gab es Edelmetall bei den Spielen in Glasgow wie auch in Berlin. Die Schwimmer erlebten mit acht EM-Medaillen eine Wiederauferstehung, die Bahnradsportler fuhren sogar elf Medaillen ein. Die vierte Medaille im Straßenradsport blieb John Degenkolb und den deutschen Männern am Sonntag verwehrt. Die „Nations Trophy” für das erfolgreichste Land durfte am Sonntagabend bei der großen Abschluss-Show auf der George Square das Team Russlands in Empfang nehmen.

Am Wochenende stockte Tina Punzel mit zweimal Edelmetall das Erfolgskonto der Wasserspringer auf acht Medaillen (1/2/5) auf. Bronze im Einzel vom Drei-Meter-Brett ließ die Dresdnerin am Sonntag noch Silber mit Lena Hentschel im Synchronspringen folgen. „Dass es so gut war, ist einfach supergeil”, sagte Punzel nach ihrer dritten EM-Medaille. „Eine Super-EM für mich.” Florian Fandler und Christina Wassen hatten gleichfalls EM-Bronze beigesteuert.

0,6 Sekunden fehlten den Freiwasserschwimmern im Loch Lomond auf EM-Gold. Das Traumpaar mit Florian Wellbrock und Sarah Köhler gehörte zur deutschen Staffel, die sich nur den Niederlanden beugen musste. „Unser Ziel war die Medaille, Silber ist es geworden in einem unglaublich spannenden Rennen”, sagte Bundestrainer Stefan Lurz.

Die deutschen Turner gingen hingegen leer aus. Marcel Nguyen blieb in seinem 19. und 20. EM-Finale ohne Medaillen, erkämpfte zwei sechste Plätze an Boden und Ringen. Tags zuvor hatte er auf Rang vier mit dem Team das erste Edelmetall seit acht Jahren verfehlt. „Ein vierter Platz ist immer bitter”, räumte Team-Turner Andreas Toba ein.

Der auch von den Turnern geäußerte Verbesserungsvorschlag, künftig gemeinsam in einem Athletendorf untergebracht zu sein, dürfte aus finanziellen Gründen auch in vier Jahren nur schwer realisierbar sein. „Unser Modell basiert darauf, nicht teure neue Bauten zu errichten”, sagte Marc Jörg. Der Schweizer kann sich aber andere Synergien vorstellen kann, zum Beispiel die gemeinsame Vermarktung der Sportler verschiedener Disziplinen in den nationalen Teams.

(Von Frank Thomas, dpa)
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