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DFB geht auf die Ultras zu: Gewalt in den Stadien: Dialog statt Eskalation

Fußball-Verbände auf der einen, Ultras auf der anderen Seite: Je mehr Fan-Ausschreitungen es in den vergangenen Monaten gab, desto unversöhnlicher standen sich auch diese Lager gegenüber. Jetzt macht DFB-Präsident Grindel einen großen Schritt auf die Ultras zu.
Ein Bild mit Symbolkraft: Ein großes Polizeiaufgebot verfolgt hilflos das Treiben einiger weniger Chaoten. Foto: 54° / Felix Koenig (imago sportfotodienst) Ein Bild mit Symbolkraft: Ein großes Polizeiaufgebot verfolgt hilflos das Treiben einiger weniger Chaoten.
Frankfurt. 

Im Streit um die zunehmenden Fan-Krawalle in deutschen Stadien haben der Deutsche Fußball-Bund und auch ein erster Landes-Innenminister einen großen Schritt auf die umstrittene Ultra-Bewegung zu gemacht. Kollektivstrafen für Fußball-Fans, eines der großen Reizwörter in dieser aufgeheizten Debatte, soll es laut DFB-Präsident Reinhard Grindel zumindest vorerst nicht mehr geben.

„Bis auf Weiteres“ wolle man „keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder Geisterspielen mehr“, sagte Grindel. Der DFB werde seinem Kontrollausschuss empfehlen, „bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist“.

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KOMMENTAR

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Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius ging sogar noch weiter und regte zumindest an, die von den Ultras so geliebte Pyrotechnik zumindest in bestimmten Bereichen eines Stadions zuzulassen. Bengalos seien „gefährlich, das kann man nicht einfach mal so abfeuern“, meinte der SPD-Politiker. „Nun sage ich: Okay, wenn einige Ultras-Gruppen ganz viel Wert darauf legen, Pyrotechnik zu zünden, kann man sich darüber unterhalten, dafür bestimmte Bereiche im Stadion zu schaffen.“

Aus der Politik gab es sofort Kritik an diesem Vorstoß. „Pyrotechnik hat in unseren Fußballstadien nichts verloren. Daran gibt es nichts zu rütteln“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Ein Teil des Problems ist jedoch auch: Teile der sogenannten Ultra-Bewegung auf der einen sowie Verbände wie der DFB und die Deutsche Fußball-Liga auf der anderen Seite stehen sich seit Monaten unversöhnlich gegenüber. Die Unterbrechung des Pokalspiels zwischen Rostock und Hertha BSC am Montag hat die Debatte um Fankrawalle in Deutschland ausgerechnet in der Woche des Bundesliga-Starts wieder einmal erhitzt. Genau in diesem Sinne sind die Vorstöße von Pistorius und Grindel zu verstehen. Sie wollen mit den schwer zugänglichen Ultra-Gruppen überhaupt eine Form des Gesprächs aufnehmen. „Es ist Zeit zum Innehalten. Es ist Zeit zum Umdenken“, schrieb der DFB-Präsident in seiner Erklärung. „Wir wollen ein Zeichen setzen, um gemeinsam in den Dialog einzutreten.“ Der DFB ist dafür bereit, zumindest zeitweise auf die Ultra-Forderung nach der Abschaffung von Kollektivstrafen einzugehen. Umgekehrt fordert der Verband von den Ultra-Gruppen aber auch: „Verzicht auf Gewalt.“ Gerade die Kollektivstrafen und die Pyrotechnik sind für Ultras zentrale Begriffe in diesem Streit. Pistorius möchte am 11. November einen Fußball-Gipfel abhalten, an dem sowohl Profivereine als auch Fans teilnehmen sollen. Das Bündnis „Pro Fans“ hat eine Abschaffung der Kollektivstrafen immer zu einer Bedingung für seine Teilnahme an diesem Treffen gemacht.

Hellmann zufrieden

Grindel lud Ultra-Vertreter erneut dazu ein, sich mit dem DFB, seiner Arbeitsgruppe Fankulturen sowie anderen Fan-Organisationen an einen Tisch zu setzen. „Wir müssen Vertrauen aufbauen, Missverständnisse ausräumen und gemeinsam klare Grenzen festlegen“, sagte er.

Axel Hellmann, Vorstandsmitglied des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, erklärte: „Es ist gut und richtig, dass der DFB einen Schritt auf die aktive Fanszene zugeht und dies mit der Abkehr von Kollektivstrafen verbindet. Wir haben uns immer gegen Kollektivstrafen ausgesprochen, sie sind unserer Meinung nach nicht zielführend.“

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Aus Sicht von Eintracht Frankfurt ist hiermit eine Basis geschaffen, den Dialog zwischen Fans und Verbänden wieder zu forcieren. Wichtig sei, gemeinsam zu thematisieren, wie die Fankultur in deutschen Stadien erhalten oder sogar verbessert werden kann. „Genauso stehen wir Vereine aber auch in der Pflicht, im Gespräch mit unserer eigenen Fanszene für einen sachlichen Umgang miteinander einzutreten“, erklärte Hellmann.

(dpa,red)
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