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Fußball: Giganten-Projekt von Paris Saint-Germain muss hinterfragt werden

Geld allein kauft im Fußball keinen Erfolg? Zumindest nicht für Paris Saint-Germain im Achtelfinale der Champions League. Gegner Real Madrid war eine Nummer zu groß. Die PSG-Ölscheichs reagieren enttäuscht.
Konnte nicht mehr hinsehen: Der Katarer Nasser Al-Khelaifi, Präsident von Paris Saint-Germain. Foto: FRANCK FIFE (AFP) Konnte nicht mehr hinsehen: Der Katarer Nasser Al-Khelaifi, Präsident von Paris Saint-Germain.
Paris. 

Kaum war der Abpfiff ertönt, rannte Unai Emery mit zusammengekniffenem Mund schnurstracks in die Kabine. Nach der 1:2-Heimpleite seines Vereins Paris Saint-Germain gegen Titelverteidiger Real Madrid, die nach dem 1:3 im Hinspiel das Aus im Achtelfinale der Champions League besiegelte, wird der Fußballtrainer wohl spätestens zu Saisonende gehen müssen. Sein Vertrag läuft nach zwei Jahren ohnehin aus. An der Seine geht nun aber auch die Angst um, dass die Ölscheichs aus Katar, die das „Projekt Paris“ seit 2011 mit vielen Hunderten Millionen Euro finanzieren, den Geldhahn zudrehen. Kaum ein Blatt titelte treffender als das spanische „Mundo Deportivo“: „Scheich matt“.

Der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, verließ die Ehrentribüne nach dem Platzverweis von Marco Verratti schon Mitte der zweiten Halbzeit sichtlich enttäuscht. Die rund 400 Millionen Euro, die er erst vorigen Sommer für Superstar Neymar und „Wunderkind“ Kylian Mbappé ausgab, zahlen sich (noch?) nicht aus. Dass der am Fuß verletzte Neymar im Rückspiel fehlte, wird den Emir kaum trösten. Seine „rechte Hand“, PSG-Club-Boss Nasser Al-Khelaifi, beteuerte, man werde in Zukunft weiterhin auf die beiden Stürmer bauen. Emery erwähnte er nicht.

Der Trainer sagte nach dem Spiel, über seine persönliche Zukunft wolle er noch nicht nachdenken. Falls er auf Unterstützung im Kreis seiner millionenschweren Schützlinge gehofft hatte, werden die Worte von Weltmeister Julian Draxler den Spanier schnell eines Besseren belehrt haben. Der 24-Jährige zeigte kein Verständnis dafür, dass der Coach sich mit seiner Einwechslung bis zur 76. Minute Zeit ließ. „Ich war überrascht und ein bisschen sauer.“ Das Portal „Sports.fr“ hat keine Zweifel: „Die Zukunft von Emery findet nicht in Paris statt“, hieß es kategorisch.

Dem 46 Jahre alten Basken werden fast genau ein Jahr nach dem 1:6-Desaster in Barcelona nicht nur die schlechten Ergebnisse, sondern auch viele taktische und personelle Fehlentscheidungen angelastet. Auch Bundestrainer Joachim Löw wunderte sich auf der Tribüne über die taktische Ausrichtung der Pariser, mit drei eher defensiven Mittelfeldkräften, die die Offensivabteilung mit Edinson Cavani, Angel de Maria und Mbappé kaum in Szene setzen konnten.

Häme in Frankreich

In Frankreich herrschte derweil kaum Mitleid mit den Parisern. Ganz im Gegenteil: Das Millionärs-ensemble wurde von Medien, aber auch von Fans und Profis anderer Clubs mit Häme überschüttet. Senegal-Nationalspieler Issa Cissokho von SC Amiens twitterte: „Wenn die Schiris nicht so pfeifen wie in der Ligue 1, ist es zwangsläufig ausgeglichener.“

Real-Trainer Zinedine Zidane beweist hingegen zum richtigen Zeitpunkt Qualitäten eines Stehaufmännchens. Nach dem frühen Aus der Königlichen im nationalen Pokal und dem schlechten Abschneiden in der Primera División, wo man der Titelverteidigung bei 15 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Barcelona bereits ade gesagt hat, ist er wieder obenauf. Dass der Coach in der mutmaßlichen Hölle von Paris Leistungsträger wie Gareth Bale, Isco, Luka Modric und Toni Kroos auf der Bank ließ und dafür junge Leute wie Asensio und Lucas Vázquéz ins Feld schickte, zeugt von Charakter. Die Rechnung ging auf, Madrid setzte sich souverän durch und hätte auch deutlich höher gewinnen können. Drei Mal rettete der Pfosten den guten PSG-Torwart Alphonse Areola. Kroos feierte nach einer Bänderdehnung im linken Knie in den letzten 20 Minuten ein gutes Comeback.

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