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Ilse Bechthold: Grande Dame der Leichtathletik wird 90

Von Die Grande Dame der Leichtathletik wird heute 90 Jahre alt. Aber zum Feiern hat die immer noch viel beschäftigte Ilse Bechthold eigentlich keine Zeit.
Blumen zum 80. Geburtstag erhielt Ilse Bechthold  vom damaligen hessischen Innenminister Volker Bouffier und seiner Ehefrau Ursula. Foto: Christian Klein Blumen zum 80. Geburtstag erhielt Ilse Bechthold vom damaligen hessischen Innenminister Volker Bouffier und seiner Ehefrau Ursula.
Frankfurt. 

Eigentlich hat Ilse Bechthold ja an diesem Samstag Geburtstag. Doch natürlich kann die dann 90-Jährige heute nicht feiern. Schließlich tagt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit Präsidiumswahlen, und viele, die zu den Wegbegleitern der geborenen Offenbacherin gehören, sind damit an Darmstadt gebunden.

Andere, wie einige der Topathleten aus ihrem Verein Eintracht Frankfurt, sind zum Bedauern der Jubilarin das ganze Wochenende über und damit auch bei ihrem Empfang am Sonntag in einem Hotel im Stadtteil Höchst verhindert. Doch sie werden mit Sicherheit andere Wege finden, der geschätzten Förderin ihre herzlichsten Grüße und Wünsche zukommen lassen.

Die gute Seele

Denn die Frau, die trotz ihres hohen Alters und mehrerer Hüftoperationen nicht an Vitalität verloren hat, gilt nicht nur weltweit als Grande Dame ihrer Sportart. Ilse Bechthold ist auch die gute Seele der hiesigen Leichtathleten und bevorzugte Ansprechpartnerin, wenn jemand etwas auf dem Herzen hat. Dabei bleibt sie stets freundlich und tritt doch resolut und beharrlich auf – so, wie sie sich jahrzehntelang auf nationaler und internationaler Ebene vornehmlich für die Interessen ihres eigenen Geschlechts eingesetzt hat.

Sie selbst hat sich nie in den Vordergrund gedrängt, wurde oft von anderen für eines der vielen Ämter oder all die Ehrungen vorgeschlagen, die aufzuzählen jeden Rahmen sprengen würde. Die sportlichen Anfänge Bechtholds liegen erstaunlicherweise nicht auf der Tartanbahn, sondern beim Handball in Bad Soden, wo sie es mit ihrer Mannschaft bis zur Süddeutschen Meisterschaft brachte. Doch die Leichtathletik und vor allem Speerwurf-Olympiasiegerin Tilly Fleischer hatten es ihr damals schon angetan.

Die ersten Versuche, in die Fußstapfen der berühmten Frankfurterin zu treten, unternahm Bechthold beim Lohrbergturnfest, an dem sie mal zum Spaß teilnahm. Dort wurde die spätere Kugel- und Diskusspezialistin für die Leichtathletik entdeckt. Heinz Karger, damals Abteilungsleiter beim OSC Höchst, lockte das Talent zu seinem Verein – der Vizepräsident des DLV sollte noch mehrmals in Bechtholds Lebenslauf steuernd einwirken. Wenn sie selbst aus ihrer Vergangenheit erzählen soll, dann verschweigt die spätere Sportpädagogin und Ausbilderin am Sportwissenschaftlichen Institut der Frankfurter Goethe-Universität, wie erfolgreich sie war. Dass sie jahrelang zur deutschen Spitzenklasse zählte, hessische und süddeutsche Meisterschaften feierte und auch das Nationaltrikot trug. Lieber tobt sie sich in Anekdoten aus.

Ihr Einstieg in die Funktionärslaufbahn erfolgte 1969. Wieder war es Karger, der daran maßgeblichen Anteil hatte, dass Bechthold das Amt der Frauenwartin beim DLV übernahm. „Das war ein einsames Ding“, erinnert sich die spätere Vizepräsidentin, die schon in ihrer Ausbildung immer wieder hatte erfahren müssen, dass es mit der Gleichberechtigung im Sport noch nicht weit gediehen war. „Ich hatte keine Ahnung vom Verband“, aber sie wusste, was sie wollte.

Kampf für Frauenrechte

Ohne Angst setzte sie sich für die Belange des angeblich schwachen Geschlechts ein und erwies sich dabei als so stark, dass bald neue Aufgaben folgten. Vorher, so sagt sie, „haben sich immer nur Männer um die Interessen der Frauen im Sport gekümmert“. Jetzt waren diese selbst an der Reihe.

Der Sprung ins internationale Geschäft erfolgte 1972, als Bechthold für die Frauenkommission des Weltverbandes IAAF vorgeschlagen wurde, deren Vorsitzende sie später wurde. Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) war sie ebenfalls gefragt, wurde 2001 in die Arbeitsgruppe „Frauen und Sport“ berufen.

In der Leichtathletik bewegte die auch für die Nationalmannschaft verantwortliche Funktionärin vor allem die Frage, warum viele Disziplinen nur den Männern offen stehen sollten. Nach und nach sorgte Bechthold dafür, dass auch Frauen mit dem Stab hochspringen, 400 Meter Hürden laufen oder den Hammer werfen dürfen. „Wir haben uns Disziplin für Disziplin erobert“, sagt Bechthold. Dabei habe sie immer wieder Leute gefunden, die ihre Ideen unterstützten, meist in weiter entfernten Regionen wie den USA oder der Karibik.

Eines allerdings hat die auch mit dem Bundesverdienstkreuz und als „Sportsfrau des Jahres“ in Europa ausgezeichnete Hessin nicht geschafft: die Einführung des Zehnkampfs für Frauen. Doch wer Bechthold kennt, weiß, dass sie eine Idee nicht aufgibt, wenn sie sich in ihrem Kopf festgesetzt hat.

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