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Fußball: Heimische Proficlubs setzen verstärkt auf psychologische Betreuung

Mit seinen Äußerungen zum Druck im Profigeschäft hat Per Mertesacker eine gesellschaftliche Debatte angestoßen. Nicht nur der Deutsche Fußball-Bund (DFB), sondern auch viele Proficlubs haben das Problem erkannt und bieten ihren Spielern verstärkt psychologische Betreuung an.
Frankfurts Kevin-Prince Boateng liegt nach einem Zweikampf auf dem Rasen. Foto: Bernd Thissen/dpa Foto: Bernd Thissen (dpa) Frankfurts Kevin-Prince Boateng liegt nach einem Zweikampf auf dem Rasen. Foto: Bernd Thissen/dpa

Mit seinen Äußerungen zum Druck im Profigeschäft hat Per Mertesacker eine gesellschaftliche Debatte angestoßen. Eine Debatte darüber, ob die Erwartungen an Spieler zu hoch seien und wie sich diese behaupten können. „An den Stress, öffentlich zu leisten, gewöhnt sich kein Mensch“, hatte Hans-Dieter Hermann, Psychologe der deutschen Nationalmannschaft, kürzlich zu Protokoll gegeben. Nicht nur der Deutsche Fußball-Bund (DFB), sondern auch viele Proficlubs haben das Problem erkannt und bieten ihren Spielern verstärkt psychologische Betreuung an. Bundesligist Eintracht Frankfurt arbeitet etwa mit einer Psychologin zusammen, die nicht nur hilft, wenn Leistungsträger in einer Formkrise stecken, sondern als permanente Beraterin zur Seite steht.

Per Mertesacker beklagte sich kürzlich über die psychischen Belastungen, denen er als Profifußballer ausgesetzt ist.
Interview Psychiater über den Druck im Profi-Fußball

Profifußballer sind nur Menschen. Sie kassieren zwar üppige Gehälter, sind aber trotzdem Ängsten ausgesetzt. Denn sie werden schließlich permanent beobachtet, bewertet, diskreditiert – und dürfen sich nicht beschweren. Oder doch? „Profifußballer dürfen sich beklagen, obwohl sie deutlich mehr verdienen als der Ottonormalverbraucher“, sagt Dr. Tobias Freyer, der als Ärztlicher Direktor in der Parkklinik Wiesbaden Schlangenbad arbeitet und sich auf die Behandlung psychisch kranker Leistungssportler spezialisiert hat.

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„Wir stellen fest, dass Spieler sich dafür öffnen“, berichtet Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner, der sich der steigenden Bedeutung dieses Feldes bewusst ist: „Wer in Zukunft konkurrenzfähig sein möchte, der muss sich auch mit diesem wichtigen Baustein professionell auseinandersetzen.“ Die Deutsche Fußball Liga (DFL) nimmt die Bundesliga-Clubs diesbezüglich in die Pflicht. Derzeit müssen sie in ihren Leistungszentren in Teilzeit einen Psychologen beschäftigen, ab diesem Sommer ist sogar eine Vollzeitstelle obligatorisch. „Das Interesse der Spieler hat zugenommen, ist aber noch ausbaufähig“, sagt Eintracht-Pressesprecherin Nina Bickel.

Auch bei den anderen heimischen Proficlubs hat das Thema in den vergangenen Jahren an Relevanz hinzugewonnen. Während Bundesligist FSV Mainz 05 nicht nur in die psychologische Betreuung der Spieler, sondern auch in die Weiterbildung der Fachkräfte investiert, hinkt Zweitligist SV Darmstadt 98 etwas hinterher. „Der Themenkomplex hat erst in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der allgemeinen Professionalisierung an Bedeutung gewonnen“, erläutert Pressesprecher Jan Bergholz. Drittligist SV Wehen Wiesbaden arbeitet indes mit zwei externen Experten zusammen, bei denen die Spieler jederzeit Termine wahrnehmen können. „Das Thema ist nicht überbewertet, sondern muss definitiv behandelt werden“, sagt Sportdirektor Christian Hock. srd

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