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Spitzensportler im Gespräch mit Innenminister Peter Beuth: Hessens Sportler wollen keine Marionetten sein

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Alexander Wieczerzak sprach mit Innenminister Peter Beuth über die Förderung von Leistungssportlern in Hessen. Foto: Tibor Illyes Alexander Wieczerzak sprach mit Innenminister Peter Beuth über die Förderung von Leistungssportlern in Hessen.
Frankfurt. 

Eigentlich sollte Alexander Wieczerzak vor zwei Tagen noch in Abu Dhabi sein. Doch auf das dortige Grand-Slam-Turnier hatte der 26-Jährige verzichtet. Bei seinem Triumph bei den Weltmeisterschaften Ende August in Budapest hatte sich das Halbschwergewicht des Deutschen Judo-Bundes ein paar Blessuren zugezogen, die es noch auszukurieren gilt. So saß der gebürtige Frankfurter am Montag mit anderen Spitzenathleten in seiner Heimatstadt auf einer Couch im Clubhaus der RG Germania und erzählte aus seinem Leben.

Innenminister Peter Beuth hatte zu dem Termin geladen, bei dem deutlich werden sollte, dass bei der Förderung des Leistungssports in Hessen weiterhin die Athleten und ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen sollen. Anders, als das aus Sicht der Diskussionsteilnehmer bei der bundesweiten Spitzensportreform und der damit verbundenen Zentralisierung der Fall ist.

Entsprechend deutlich fiel die Kritik aus. Dass in Zukunft Bundestrainer den Athleten vorschreiben wollen, wo sie leben, und dass die angestrebte berufliche Ausbildung der Sportler dabei keine Rolle mehr spielen soll, überschreitet laut Carolin Schäfer ihre Kompetenzen. „Sie sollen sich um den Sport kümmern und haben nichts vorzugeben, wenn es um den Beruf geht“, forderte die WM-Zweite im Siebenkampf. Die Eintracht-Athletin sieht sich selbst als ein Paradebeispiel für die gut strukturierte Sportförderung im eigenen Bundesland. Nach ihrer Zeit im Frankfurter Sportinternat absolvierte sie die auf viereinhalb Jahre gestreckte Ausbildung zur Kommissarin in der hessischen Polizeisportfördergruppe und kann somit außer auf Erfolge in der Leichtathletik auch auf eine sichere Zukunft danach verweisen. „Es ist wichtig, dass es jedem selbst überlassen bleibt, wo er trainiert“, sagte Schäfer. Günter Eisinger, Hochsprungtrainer unter anderen von Ex-Halleneuropameisterin Ariane Friedrich, fügte hinzu: „Man kann nur dann erfolgreich sein, wenn man Spaß hat und das Umfeld stimmt.“

Doch während Schäfer sich wohl auch in Zukunft ihrer gewohnten Umgebung und der Betreuung durch ihren langjährigen Trainer Jürgen Sammert sicher sein darf, stellt sich die Situation für die Ruderer weitaus schwieriger dar. Ihr nationaler Verband droht den nicht wechselwilligen Athleten damit, sie selbst bei überzeugenden Leistungsnachweisen nicht mehr für Großereignisse zu nominieren. Germania-Leichtgewicht Katrin Thoma wurde bereits 2016 die nationale Förderung entzogen, obwohl sie drei Monate zuvor WM-Zweite, allerdings in einer nicht-olympischen Klasse geworden war. Der Physikstudentin, die in der Geschäftsstelle ihres Vereins jobbt, fehlen damit 600 Euro im Monat. Dass das Land derartige Einbußen auffängt, damit kann die 27-Jährige laut Beuth nicht rechnen. Man sei nicht dafür zuständig, für den Bund in die Bresche zu springen. So arbeiten die Rudervereine im Rhein-Main-Gebiet selbst an Lösungen.

Der frühere Weltmeister Jonathan Koch beendet seine Karriere im Boot zwar in diesem Jahr, ist als Minijobber bei der Athletenkommission allerdings ganz nah dran, auch an Betroffenen anderer Disziplinen. „Die duale Karriere ist für viele der springende Punkt bei der Entscheidung, ob sie weitermachen oder nicht“, betonte der 32-Jährige. Im Zweifelsfall würden viele eher auf den Sport verzichten. Das bestätigt Wieczerzak. Im Judo ist es wichtiger als in vielen anderen Disziplinen, dass die Besten zusammen trainieren, damit man starke Partner hat. Er selbst war deshalb vor einigen Jahren nach Köln gezogen; viel zu viele zögen sich lieber von der Matte zurück.

Doch egal, wie die jeweilige Entscheidung ausfalle: „Freiwilligkeit ist einer der Grundpfeiler des Sports“, betonte Koch. „Ein System, in dem Sportler nur noch Marionetten an der Stange sind, kann nicht funktionieren.“

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