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Im Wurfhaus brennt noch Licht

Von Unter Trainer Michael Deyhle sammelte nicht nur Betty Heidler Medaillen. Doch die aktuellen Talente brauchen noch Zeit.
Will in Berlin noch einmal richtig durchdrehen: die Frankfurter Hammerwerferin Kathrin Klaas. Bilder > Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Will in Berlin noch einmal richtig durchdrehen: die Frankfurter Hammerwerferin Kathrin Klaas.
Frankfurt. 

Lange schmiedete man in Frankfurt mit dem Hammer Medaillen. Unter Trainer Michael Deyhle drehten sich Athleten so meisterlich im Ring, dass ihr Wurfgerät nach langem Flug dort landete, wo auf nationaler oder internationaler Ebene die besten Plätze vergeben werden. Die größten Erfolge feierte dabei die Ende 2016 zurückgetretene Betty Heidler, die neben WM- und EM-Gold auch 2012 in London Olympiasilber gewann, zudem ein Jahr zuvor mit 79,42 Metern eine neue Weltbestmarke setzte.

Den Rekord hätte es vielleicht gar nicht gegeben, wenn nicht auch die Biomechaniker des Olympiastützpunktes (OSP) in der Otto-Fleck-Schneise sich der einst verwaisten Disziplin angenommen hätten. Wegen eines Drei- und Weitsprungprojektes sowieso bei vielen Leichtathletik-Veranstaltungen vor Ort, setzte der Trainingswissenschaftler Eberhard Nixdorf sich einen weiteren Schwerpunkt und unterstützte, ab 2002 gemeinsam mit seiner Kollegin Regine Isele, mit Messungen und Auswertungen Deyhle und seine Athleten auf der Suche nach dem perfekten Wurf.

Erheblich geholfen habe dabei die Drucksohlenanalyse, bei der die Daten nicht über die in anderen Wurfdisziplinen gängigen Messplatten, sondern direkt unter den Füßen der rotierenden Sportler erhoben werden. Eine fragile und teure Methode, die durch die starke Bewegung der Sportler im Ring allerdings nötig sei, wie Isele betont.

Die ehemalige Stabhochspringerin ist mittlerweile eine Allrounderin in der sportlichen Betreuung der hiesigen Hammerwerfer. Mit einer halben Stelle hat der Hessische Leichtathletik-Verband Deyhles frühere Assistentin als Landesverantwortliche engagiert, in offiziell 15, aber meist mehr Stunden ist sie am OSP nun allein für das Erfassen und Auswerten der Leistungen der besten Jugendlichen bundesweit zuständig.

Die Führungsrolle in der Bewegungsanalyse hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mittlerweile an das Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig vergeben. Dort arbeitet in der früheren Speerwerferin Sabrina Werrstein eine ehemalige Athletin des heutigen Hammerwurf-Bundestrainers Helge Zöllkau mit den Aktiven und den U-23-Junioren zusammen. Deyhle war vom Verband Ende 2016 in Rente geschickt worden, nachdem er schon zuvor mit Betty Heidler in deren Heimatstadt Berlin umgesiedelt war und die Männer an seinen in Leverkusen arbeitenden Nachfolger verloren hatte. Zuletzt tauchte der Erfolgstrainer bei den Chinesen wieder auf und soll diese wohl auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereiten. Ein Angebot zur Weiterbeschäftigung beim DLV soll keinerlei Wertschätzung widergespiegelt haben.

Isele ärgert so etwas: dass kompetente Trainer mit ihrem Knowhow nicht im eigenen Land gehalten werden. Denn von diesen gebe es in Deutschland nicht genug. Talente schon. Doch das Hammerwerfen gelte nicht gerade als attraktive Disziplin. Durch die komplizierte Technik dauere es in der Regel viel länger, bis sich mit dem schweren Gerät Erfolge einstellten, die mit dem Diskus oder der Kugel viel leichter zu erzielen seien. Zudem werden die Hammermänner und -frauen gerne ins Abseits geschoben, tragen ihre Wettkämpfe nicht im Stadioninnenraum oder vor dem offiziellen Programmbeginn aus. Für potenziellen Nachwuchs sind sie deshalb oft nicht zu sehen.

Zudem wurde im Zuge der Leistungssportreform die Zahl der Bundesstützpunkte reduziert, Frankfurt verlor den entsprechenden Status bei den Werfern. Die deutsche Meisterin Carolin Paesler war auch dadurch gezwungen, den Verein von der Eintracht zu Bayer Leverkusen zu wechseln.

Mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versucht Isele, den Betrieb im Wurfhaus an der Hahnstraße bestmöglich aufrechtzuerhalten. Als Assistentin hat sie sich die ehemalige Aktive Gabi Wolfarth an die Seite geholt. Hinter der einzig verbliebenen Topwerferin Kathrin Klaas gebe es einige Hoffnungsträger in den Bundesnachwuchskadern, die aber noch zeigen müssten, wie gut sie mit den schwereren Kugeln bei den Erwachsenen zurechtkommen. Einer, der genetisch bedingt beste Perspektiven hat, lässt für Niedersachsen den Hammer fliegen: Sören Hilbig ist der Sohn der Olympiadritten Kirsten Münchow und des WM-Teilnehmers Holger Klose. Beide übten einst in Deyhles Medaillenschmiede.

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