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Medaillenkandidat Marco Koch: In Europa ganz vorne, aber beim Titelkampf vielleicht nicht dabei

Von Der Darmstädter Marco Koch hofft auf einen Einzelstart in Glasgow. Andere Hessen könnten sich für die Staffeln empfehlen.
Muss für die EM-Teilnahme noch Gas geben: Marco Koch Foto: Jens Dresling (imago sportfotodienst) Muss für die EM-Teilnahme noch Gas geben: Marco Koch
Frankfurt. 

Die Uhr tickt. Noch etwas mehr als drei Wochen haben die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer Zeit, sich für die Europameisterschaften im August in Glasgow zu empfehlen. Danach schließt das seit Ende Januar offen stehende Qualifikationsfenster. Erst fünf Athleten haben die äußerst hoch angesetzten und von vielen Heimtrainern deshalb kritisierten Normen des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) für einen Start auf einer Einzelstrecke erfüllt, darunter in der für die SG Frankfurt kraulenden Sarah Köhler über 1500 Meter Freistil nur eine, der dies nicht nur über die U-23-Regel gelang, die von den Jüngeren etwas weniger abverlangt.

Selbst der auf der Kurzbahn noch amtierende Weltrekordler und Weltmeister Marco Koch hat die geforderte Finalleistung auf seiner Paradestrecke 200 Meter Brust noch nicht erbracht. Der Darmstädter, der mit seiner im Januar in Luxemburg aus dem Becken gefischten Zeit von 2:09,49 Minuten aktuell die kontinentale Jahresbestmarke innehat und als heißer Medaillenkandidat in Schottland gelten würde, müsste noch deutlich schneller werden, nur 2:08,20 für die vier Bahnen benötigen, um im Sommer in den Flieger auf die Insel steigen zu dürfen.

„Wir hatten gehofft, eventuell das Jahr 2016 kopieren zu können“, erklärt Kochs Trainer Alexander Kreisel. Damals war der heute 28-jährige Ausnahmesportler bei dem Meeting in dem kleinen Großherzogtum zum Auftakt der Langbahnsaison in 2:07,69 Minuten nur knapp über seinem eigenen deutschen Rekord geblieben. Doch die Zeitspanne zwischen der erst Mitte Dezember ausgetragenen Kurzbahn-Europameisterschaft in Kopenhagen, bei der Koch Silber gewann, und diesem ersten Angriffsversuch auf die Norm sei diesmal zu kurz, der gesundheitliche Zustand des Schwimmers „nicht optimal“ gewesen. „Wir hatten einen ähnlichen Aufbau“, sagt Kreisel, aber damals habe eben „alles gepasst“.

Erreichen der Normzeit möglich

Auch ein Start beim Golden Tour Meeting in Paris Anfang März brachte noch nicht den gewünschten Erfolg. Trotzdem bleiben Trainer und Sportler gelassen. „Wir machen uns nicht verrückt“, betont Kreisel. Die Situation sei schließlich nicht viel anders als vor anderen qualifizierenden Wettkämpfen, und die Trainingsleistungen zeigten, dass das Erreichen der Normzeit möglich ist. In einer Woche beim Swim Cup in Eindhoven soll es klappen oder spätestens bei den German Open kurz danach in Berlin. Was passiert, wenn es schiefgehen sollte, darüber macht sich Kreisel noch keine großen Gedanken. „Ich will, dass Marco sich bei der EM am besten präsentiert.“ Entsprechend habe er auch seinen Jahresplan ausgerichtet. Alles andere wäre in den Augen des Coaches nicht sinnvoll gewesen. „Wir haben sogar schon mal überlegt, ob Marco es über die Lagen versuchen sollte.“ Da lägen die Pflichtzeiten günstiger als auf der Spezialstrecke.

Eine andere Darmstädterin kann sich bereits überlegen, was sie in den Koffer für die Reise an den Clyde packen würde. Kochs Freundin und Trainingskollegin Reva Foos trennen zwar noch zwei bis drei Sekunden von den Pflichtzeiten für einen Einzelstart, die Freistilspezialistin führt allerdings sowohl über 100 als auch über 200 Meter die nationale Jahresbestenliste an. Damit hat sie größte Chancen auf eine Nominierung, denn alle drei Frauenstaffeln sollen besetzt werden, und nach aktuellen Stand hätte Foos jeweils einen Platz sicher.

Glania legt gut vor

Ähnlich sieht das bei Rückenschwimmer Jan-Philip Glania aus. Für den 29-Jährigen von der SG Frankfurt hat zwar weiterhin sein Studium der Zahnmedizin Vorrang, und er trainiert deshalb nur, wenn dieses ihm Zeit dafür lässt. Mit einem EM-Start liebäugelt der gebürtige Fuldaer dennoch und ist bereits ordentlich in Vorleistung getreten. In 54,97 Sekunden legte er Anfang März bei den British Open in Edinburgh die 100 Meter Rücken zurück und wurde dafür außer mit dem Sieg auch mit der Spitzenposition in der aktuellen deutschen Rangliste belohnt. „Das war schon etwas überraschend“, kommentiert der Athlet. „Aber es scheint mir gut zu bekommen, wenn mein Kopf ausgelastet ist“ und er mit der nötigen Lockerheit ins Becken gleitet.

Sollte Glania in den verbleibenden Rennen keiner mehr verdrängen, wäre der EM-Bronzemedaillengewinner von 2014 in der Lagenstaffel der Männer beim Saisonhöhepunkt mit dabei. Um nicht nur zuzuschauen, wie die Verfolger, die nun unter Druck stehen, sich schlagen, will er aber auch selbst noch mal bei den German Open ins Wasser springen. „Eigentlich ist mein Plan, mein Studium im Sommer 2019 zu beenden, um mich dann ein Jahr vor den Olympischen Spielen noch mal ganz aufs Schwimmen zu konzentrieren“, erklärt Glania. Aber wenn es mit der Nominierung für Glasgow klappen sollte, würde er auf die EM-Teilnahme natürlich nicht verzichten.

Die Hoffnung, dabei zu sein, hat von den hessischen Kandidaten neben Schmetterlingsspezialist Alexander Kunert aus Gelnhausen auch Jenny Mensing noch nicht aufgegeben. Die 32-Jährige vom SC Wiesbaden setzt dabei auf die 200 Meter Rücken, wo auch Trainer Oliver Großmann die besten Aussichten für seine Athletin ausgemacht hat. Maximal drei Versuche sollten nötig sein, um die noch erforderliche Verbesserung der bisherigen Jahreshöchstleistung von 2:11,33 auf 2:08,84 Minuten zu schaffen. Die letzte Möglichkeit bestünde bei den Süddeutschen Meisterschaften Ende des Monats in Dresden. Danach ist die Uhr runtergelaufen, und das Fenster wird geschlossen.

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