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DTM: In der Existenz bedroht

Vieles scheint möglich in der nahen Zukunft des deutschen Motorsports: Die Geburt einer neuen, internationalen Premium-Serie – oder das Ende der DTM-Rennserie mit Tourenwagen, die von einem Serienfahrzeug abgeleitet sind.
Viele Autos, aber auch nur drei Hersteller: Wenn Mercedes spätestens Ende 2018 aus der DTM aussteigt, wären nach derzeitigem Stand nur noch Audi und BMW übrig – zu wenig für die Rennserie. Foto: Itr (TU/Hoch Zwei) Viele Autos, aber auch nur drei Hersteller: Wenn Mercedes spätestens Ende 2018 aus der DTM aussteigt, wären nach derzeitigem Stand nur noch Audi und BMW übrig – zu wenig für die Rennserie.
Zandvoort. 

Vier Wochen nach dem großen Knall war nur auf der Strecke alles ganz normal. Das Gebrüll der Boliden hallte über die Dünen an der Nordsee, die DTM bot in Zandvoort durchaus spannenden Rennsport. Doch wenn die Motoren schwiegen, war Gerhard Berger gefordert – im beinahe vergeblichen Kampf um eine positive Grundstimmung. „Nochmal“, sagte der neue DTM-Boss und klang schon etwas genervt, „ich sehe keine Krise. Mercedes hat alles fair gemacht, wir haben eineinhalb Jahre Vorlaufzeit.“ Am ersten Rennwochenende nach der Ausstiegsankündigung des Herstellers aus Stuttgart war dieser Schock das Hauptthema.

Die DTM scheint ernsthaft in ihrer Existenz bedroht. Doch die Vertreter der Rennserie gaben sich in Zandvoort betont kämpferisch. „Die Rennen, die wir hier gesehen haben, sind der klare Beweis“, sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt: „Das ist die beste Tourenwagenserie der Welt. Die ist es wert, dafür zu kämpfen.“

Am Wochenende nahm der extrem ausgeglichene Titelkampf einige weitere Wendungen: Der zweimalige Champion Mattias Ekström (Audi) erkämpfte trotz Reifenproblemen die Gesamtführung zurück, Titelverteidiger Marco Wittmann (BMW) brachte sich mit seinem ersten Saisonsieg zudem ebenfalls wieder in Stellung – wurde am Ende aber wegen zu geringer Spritmenge disqualifiziert.

Das häufige Hin und Her am grünen Tisch störte damit zwar mal wieder die Show in der DTM. Dennoch will auch Dieter Gass, DTM-Chef bei Audi, die Serie erhalten. „Dieser Tourenwagensport auf einem hohen Level ist ein wichtiger Bestandteil unserer Motorsportstrategie“, sagte er: „Man muss jetzt schauen, was es für Alternativen gibt.“ Denn nach der Saison 2018 verabschiedet sich Mercedes in die Elektro-Serie Formel E. Stand jetzt bleiben dann nur noch zwei Hersteller übrig, und damit sind in der Tat alle Szenarien denkbar: Von der Geburt einer internationalen Premium-Serie – bis zum jähen Ende aller Hoffnungen.

Kooperation mit Japan?

Sogar über das Aus der DTM schon nach der laufenden Saison wird eifrig spekuliert, da allerdings widersprechen die Beteiligten doch vehement. Berger sagt: „Ich kann garantieren, dass es die DTM auch 2018 mit diesen drei Herstellern gibt.“

Und es gibt für die Zeit danach durchaus Alternativen. So ist eine ohnehin seit Jahren angedachte Kooperation mit der japanischen Super GT der wohl logischste Weg zur Rettung. Das gemeinsame „Class-One-Reglement“ für diesen Schritt liegt quasi in der Schublade. Dazu müsste die jetzige Motorenformel der DTM (Vierliter-V8) auf einen Zweiliter-Vierzylinder-Turbo umgestellt werden. „Wir haben einen Plan A und einen Plan B“, sagt BMW-Mann Marquardt: „Der Fokus liegt auf dem Plan A, auf unserem Format. Und mit der Super GT sind wir relativ nah beisammen.“ In Japan fahren Toyota (mit Lexus), Honda und Nissan jetzt schon mit den entsprechenden Motor.

GT-Fahrzeuge möglich

Ansonsten müsse man sich „Plan B anschauen“, dieser ist allerdings deutlich schwammiger. Möglich erscheint die völlige Neuerfindung der Serie, etwa mit dem Einsatz von GTE-Fahrzeugen.

Bei aller Begeisterung der Motorsport-Abteilungen bleibt allerdings eins zu bedenken: Die finale Entscheidung wird wohl eine Stufe höher getroffen, auf Konzernebene. Das neue Produkt muss sich für ein weltweit agierendes Unternehmen als PR-Plattform lohnen. Auch das bringt nun gewaltigen Druck für die Entwickler.

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