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Freiburger Fußballer im Gespräch: Interview mit Marc-Oliver Kempf: „Jeder will ein Statement setzen“

Von Bei der Eintracht galt Marc-Oliver Kempf als großes Talent, für den Durchbruch im Profigeschäft aber musste der Verteidiger erst nach Freiburg umziehen. Zum Bundesliga-Start erlebt der 22-Jährige aus der Wetterau ein Treffen mit der Vergangenheit.
Auf der anderen Seite: Im März 2017 stoppt Marc-Oliver Kempf (rechts) in Freiburger Diensten Eintracht-Rechtsverteidiger Chandler. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Auf der anderen Seite: Im März 2017 stoppt Marc-Oliver Kempf (rechts) in Freiburger Diensten Eintracht-Rechtsverteidiger Chandler.

Gleich zum Start kommt die Eintracht zu Ihnen nach Freiburg. Ist das auch nach drei Jahren noch etwas Besonderes, auf den alten Verein zu treffen?

MARC-OLIVER KEMPF: Auf jeden Fall. Wenn man so lange bei einem Verein gespielt hat, so viele Jahre in der Jugend, ist das für mich immer etwas Besonderes.

Verfolgen Sie die Entwicklung in Frankfurt weiterhin genauer? Bei den Familie und den Freunden zu Hause in der Wetterau ist die Eintracht doch sicher immer ein Thema, oder?

KEMPF: Viele Freunde stehen noch zur Eintracht, klar. Ich verfolge das nicht mehr zu 100 Prozent. Am Wochenende gucke ich schon noch nach Ergebnissen und Tabellenstand, viel mehr aber auch nicht.

Wird umgekehrt Ihre Entwicklung bei Ihren Jugendvereinen in Dorn-Assenheim, Bruchenbrücken und Bad Nauheim noch genau verfolgt?

KEMPF: Das weiß ich gar nicht so genau. Dorn-Assenheim ist mein Heimatverein, mein Bruder spielt noch dort, und ich bin ab und zu selbst da. Dann spreche ich schon auch mit den Leuten, meistens aber eher allgemein über Fußball.

Viele Eintracht-Fans hat Ihr Wechsel nach Freiburg 2014 geschmerzt, weil mit Ihnen ein hoffnungsvolles Talent ging. Wie war das damals für Sie? Und bedauern Sie es heute noch manchmal, dass Sie für den großen Durchbruch die Heimat verlassen mussten?

KEMPF: Bedauern würde ich nicht sagen. Es ist einfach schade, dass es nicht so geklappt hat wie ich mir das gedacht habe – dass ich bei der Eintracht Fuß fassen kann im Profigeschäft. Es musste damals ein Weg gefunden werden, und Freiburg war eine gute Lösung. Ich bin froh, den Schritt gemacht zu haben.

Am Anfang ging alles schnell: Mit 17 standen Sie in der Bundesliga auf dem Rasen, mit 18 vor 12000 mitgereisten Frankfurter Fans beim Europa-League-Spiel in Bordeaux. Wie war das, in noch so jungen Jahren?

KEMPF: Ein schönes Gefühl. Dass es so früh geklappt hat, macht es vielleicht etwas besonderer. Obwohl in den letzten Jahren ja immer wieder viele Junge in ihren Vereinen früh den Sprung geschafft haben. Bordeaux war auch deshalb besonders schön, weil es damals in der Bundesliga nicht so lief.

War es mit dieser Erinnerung besonders bitter, mit Freiburg in der Qualifikation zur Europa League zu scheitern – zumal Sie selbst wegen Ihres verspäteten Einstiegs in die Vorbereitung die meiste Zeit zuschauen mussten?

KEMPF: Das war einfach ärgerlich, für die ganze Mannschaft. Ich kannte es ja aus Frankfurt, wie viel Spaß es macht, gegen ausländische Mannschaften zu kicken. Das wäre jetzt auch wieder schön gewesen, und es hätte die letzte Saison noch einmal bestätigt. Wir sollten dem aber nicht lange hinterher trauern. Die Bundesliga geht wieder los, da wollen wir zeigen, was wir können.

Beim 2:1 in der ersten Pokalrunde beim Viertligisten Germania Halberstadt standen Sie am vergangenen Samstag in der Startelf. Stimmt die Form schon wieder oder haben Sie noch Nachholbedarf?

KEMPF: Ich habe mich relativ gut gefühlt und den Rückstand nicht mehr so gemerkt. Es war nicht einfach für mich: Ich bin in der Rückrunde aus einer langen Verletzung zurückgekommen, habe dann viele Spiele über 90 Minuten gemacht, eine verlängerte Saison gespielt, einen verkürzten Urlaub gehabt. Jetzt muss ich sehen, dass ich gut über die Hinrunde komme. Da muss ich auch mit dem Trainer und dem Athletiktrainer sprechen, wie ich das Niveau am besten halten kann.

Die längere Saison und der verkürzte Urlaub haben sich gelohnt: Mit der deutschen U 21 haben Sie die Europameisterschaft gewonnen, jedes Spiel über die volle Distanz bestritten. Das war sicher noch einmal ein anderes Erlebnis als der EM-Titel mit der U19, kurz vor dem Abschied aus Frankfurt?

KEMPF: Auf jeden Fall. Man hat einen Qualitätssprung bei den Gegnern gemerkt und auch in der eigenen Mannschaft. Und die mediale Aufmerksamkeit war eine ganz andere. Damals gab es vielleicht mal einen kleinen Artikel. Wenn man jetzt die Einschaltquoten gesehen hat, war das schon wahnsinnig.

In der Finalelf standen gleich drei Spieler vom Sportclub. Ist diese Entwicklung von jungen Spielern eine Freiburger Spezialität?

KEMPF: Ja, das stimmt schon. Viele Junge kommen mit dem Gedanken: Hier in Freiburg könnte es klappen. Weil eben in der Vergangenheit schon viele junge Spieler in Freiburg ihren Weg gegangen sind, bei denen es in ihren alten Vereinen gestockt hat.

In Freiburg gehört es zum Geschäft, dass Jahr für Jahr einige der besten Spieler weggekauft werden. Auch bei Ihnen sollen die Interessenten Schlange stehen. Der AS Rom lockte dem Vernehmen nach, Leipzig, zuletzt angeblich der HSV. Fällt es da schwer, gelassen zu bleiben – und warum sind Sie in Freiburg geblieben?

KEMPF: Ich will gar nicht viel reden über Vertrag, Transfers oder was auch immer. Ich will mich auf das Wesentliche konzentrieren, auf das Fußballspielen. Ich fühle mich wohl in Freiburg, habe ein gutes Umfeld, und deshalb bin ich hier.

In der vorigen Saison wurde der Sportclub als Aufsteiger Siebter und war damit eine der großen Überraschungen. Was waren die Gründe dafür – und ist das in diesem Jahr wieder möglich?

KEMPF: Ein großer Faktor war, dass wir als Mannschaft zusammengestanden haben. Das wird auch jetzt wieder wichtig: Wenn hier und da die individuelle Qualität fehlt, müssen wir das über das Kollektiv auffangen. Wie jedes Jahr in Freiburg: Man kann nicht erwarten, dass wir Meister werden oder die Champions League erreichen. Das erste Ziel ist es immer, die Klasse zu halten. Wie weit es noch gehen kann, wird man dann sehen.

Was trauen Sie der Eintracht zu? Und was erwarten Sie am Sonntag?

KEMPF: Die Eintracht hat letztes Jahr schon gezeigt, dass sie guten Fußball spielen kann, mit einem guten Trainer, wie man so hört. Jetzt geht die Saison wieder los, jeder will ein Statement setzen. Das wird ein enges Spiel, sehr kampfbetont. Ich hoffe, dass wir die drei Punkte in Freiburg lassen können.

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