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Triathlon: Jan Frodeno geht ohne Kompromisse an die Weltspitze

Jan Frodenos Eltern schalteten früher um, wenn in den Nachrichten der Sport an der Reihe war. In einer Autobiografie schildert er seinen Weg zu einem der besten Triathleten der Welt, der am 8. Juli beim Ironman in Frankfurt an den Start geht.
Jubelpose: 2015 und 2016 gewann der deutsche Triathlet Jan Frodeno den Ironman auf Hawaii. Foto: Bruce Omori (EPA) Jubelpose: 2015 und 2016 gewann der deutsche Triathlet Jan Frodeno den Ironman auf Hawaii.
Frankfurt. 

Er leidet nicht gern und bezeichnet sich als Genussmensch, der Essen und Kochen liebt. Man sieht es Jan Frodeno nicht an. 76 bis 77 Kilogramm bei 1,94 Metern Größe, Körperfettanteil etwa fünf Prozent. Er ist einer der Besten in einer der kräftezehrendsten Sportarten, die es gibt. Frodeno ist zweimaliger Ironman-Weltmeister.

Er beleidigte als kleiner Bub schon mal einen Lehrer und brachte Mensch-Ärger-Dich-Figuren das Fliegen bei. Selbstdisziplin ist aber längst eine der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Leben des 36 Jahre alten Frodeno, zweifacher Familienvater, gebürtig aus dem Rheinland, lange Jahre in Südafrika, seit einigen Jahren mit Wohnsitzen im spanischen Girona und australischen Noosa.

Hawaii ist aber immer wieder sein Ziel. Nach dem schmerzvollen Rennen im vergangenen Jahr gilt er natürlich als erster Herausforderer von Weltmeister Patrick Lange aus Darmstadt. Frodeno gewann auf Hawaii 2015 und 2016. In einer Autobiografie, die gestern unter dem Titel „Jan Frodeno. Eine Frage der Leidenschaft. Mit Mut und Motivation zum Erfolg“ erschien, gibt Frodeno Einblicke in sein Leben und seinen Weg zu einem der besten Triathleten der Welt. Er ist der einzige, der nach Olympia-Gold auch die Ironman-Weltmeisterschaft gewinnen konnte.

Eltern waren Sportmuffel

Und das, obwohl im Hause Frodeno Sport einst nicht wirklich einen hohen Stellenwert hatte: Wenn früher beim Pflichtprogramm Tagesschau der Sport an der Reihe war, schalteten die Eltern um. Erst zum Wetter ging’s wieder zurück. Fußball war nicht die Stärke des kleinen Jan, der mit seinen Eltern 1992 nach Südafrika nahe Kapstadt umsiedelte. Durch fleißiges Üben habe er es vom miserablen Fußballer wenigstens zum schlechten Kicker geschafft, schreibt Frodeno.

Fleiß brachte ihn im Triathlon an die Weltspitze. Olympiasieger in Peking, Weltrekordhalter über die Langdistanz, aufgestellt 2016 bei der Challenge Roth in 7:35:39 Stunden, zweimaliger Ironman-Weltmeister. Sportler, Familienmensch, Unternehmer. Die erste Firma, die Frodeno zusammen mit seinem Kumpel und Manager Felix Rüdiger gründete, trägt den Namen Plan A. Nicht ohne Grund. Und der liegt etwas zurück. Bei einem Sporthilfeforum kam Frodeno einst an die Reihe, es war vor den Spielen in China. „Ich möchte Triathlon-Olympiasieger werden. Aber ich habe keinen Plan B – also muss Plan A funktionieren“, sagte er damals.

Er funktionierte. Frodeno gewann in Peking. Der erste deutsche Olympiasieger im Triathlon. Bei der Premiere 2000 in Sydney war Stefan Vuckovic Zweiter geworden. Frodeno bangte damals vor dem Fernseher mit – aber für Conrad Stolz, Triathlet aus Frodenos zweiter Heimat, der es auf Rang 20 schaffte. 2000 absolvierte auch Frodeno seinen ersten Triathlon, er wurde Dritter in Caledon. Der Preis: ein Triathlon-Outfit. Die eigenen Schuhe kamen später dazu. Zum Abi wurde Frodeno von seinen Eltern nämlich vor die Wahl gestellt: Partywoche mit den Kumpels oder Radschuhe. Die Wahl war klar, es wurde nichts mit der Partywoche. Schritte der Kompromisslosigkeit, die Frodeno zu einem der Besten in seinem Sport gemacht haben.

Detailreich und pointiert gibt das Buch einen Einblick in die Welt eines Ausnahme-Ausdauersportlers. Frodeno blendet dabei auch das Thema Doping nicht aus. „Es darf keine Chance für einmal überführte Betrüger geben“, fordert er. Er erzählt aber auch, wie er 2015 nach seinem ersten Hawaii-Triumph nach kurzer Nacht einem Dopingkontrolleur splitternackt die Tür öffnete oder auf dem Flug nach Hawaii wegen heftiger Turbulenzen Lebensangst hatte. Der Sport ist für Frodeno dabei immer auch Identitätsfinder. „Nichts würde ich lieber machen als Triathlon“, sagt er.

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