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Sportdialog des Landessportbundes: Jan-Philip Glania kritisiert: Sport und Studium schwer vereinbar

Von Beim Sportdialog des Landessportbunds Hessen übt der Frankfurter Kritik an den Bedingungen in Deutschland.
Jan-Philip Glania Foto: Michael Kappeler (dpa) Jan-Philip Glania
Frankfurt. 

Jan-Philip Glania hat sich noch nicht entschieden. Nächste Woche stehen für die Schwimmer die Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin an, doch der Rückenspezialist der SG Frankfurt weiß noch nicht, ob seine Form ihm genügt, um mit der Konkurrenz durchs Becken zu gleiten.

Eineinhalb Jahre lang hatte der 28-Jährige seinen Sport in den Vordergrund gestellt. Nach bestandenem Physikum legte der Zahnmedizinstudent mehrere Urlaubssemester ein, um bei den Olympischen Spielen in Rio möglichst weit nach vorne zu kommen. Am Ende reichte es für den gebürtigen Fuldaer zu einem neunten Platz über 200 Meter Rücken und Rang sieben mit der Lagenstaffel.

Vielleicht wäre mehr drin gewesen. Denn die Phase, in der die Grundlagen für den nur alle vier Jahre ausgetragenen Höhepunkt hätten gelegt werden müssen, konnte Glania aufgrund von Vorlesungen, Seminaren und Prüfungsvorbereitungen nicht richtig nutzen. Jetzt, da er wieder zurückgekehrt ist in den Universitätsalltag, muss er zudem einst schon Beherrschtes wieder neu lernen.

Doch Glania bereut seine Entscheidung für die sogenannte duale Karriere nicht. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse“, sagt er. Allerdings würde sich der ehrgeizige junge Mann wünschen, dass es leichter wäre, Studium und Spitzensport miteinander zu verbinden. In den USA etwa, wohin Glania vor zwei Jahren drei Monate lang seinen Trainingsmittelpunkt verlegt hatte, orientiere man sich bei der Planung der Kurse an den Trainingszeiten. In seiner Heimat, zumal in so einem verschulten Studiengang wie dem der Zahnmedizin, ist es umgekehrt.

„Quasi in der Steinzeit“ befinde sich das deutsche System damit, kritisierte der Wassersportler am Mittwoch beim vierten Sportdialog des Landessportbundes Hessen zum Thema „Duale Karriere“ in Frankfurt. Man solle sich daher mehr an anderen Ländern orientieren, in denen es den ihre berufliche Ausbildung vorantreibenden Athleten einfacher gemacht werde.

Hierzulande verfolgt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) etwas andere Pläne. Auf der Jagd nach mehr Medaillen sollen optimale Trainingsbedingungen eindeutig Priorität genießen. „Es kann nicht sein, dass ein Kanute wegen seines Studiums nur am zweitbesten Stützpunkt für seine Sportart trainiert“, betont Dirk Schimmelpfennig, der Vorstand Leistungssport des DOSB. Die berufliche Karriere müsse dann eben zurückgestellt oder ein anderer Weg eingeschlagen werden. Beispielsweise könnten ehemalige Sportler ja auch gute Trainer oder Funktionäre und dazu im eigenen System ausgebildet werden.

Für Glania kam das nie infrage. Genauso wenig wie eine Ausbildung in den Sportfördergruppen der Polizei oder der Bundeswehr, die viele andere Athleten schon während ihrer sportlichen Karriere finanziell absichert. „Ich wollte Zahnmedizin machen“, betont der Schwimmer. Dazu hatte er sich früh entschieden.

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