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Jan Ullrichs riskantes „Comeback“

Jan Ullrich (rechts) mit Renn-Organisator Artur Tabat Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Jan Ullrich (rechts) mit Renn-Organisator Artur Tabat
Köln. 

Jan Ullrich betritt zehn Jahre nach seinem Rücktritt und 20 Jahre nach seinem Toursieg wieder in offizieller Funktion die Radsportbühne. Der 43-Jährige, nach wie vor von seiner Dopingvergangenheit belastet, wird Sportlicher Leiter des Traditionsrennens Rund um Köln. „Ich habe lange, lange überlegt“, sagte Ullrich dem Kölner Stadt-Anzeiger: „Aber irgendwann war mir klar, dass ich das für Artur, der ja nicht nur mein Freund, sondern auch ein guter Mensch ist, machen werde. Ich weiß, dass ich Artur damit einen Herzenswunsch erfülle.“ Das Engagement soll für Ullrich aber nicht der große Einstieg sein, er werde sich „nur in Köln engagieren, sonst nirgendwo“.

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Jan Ullrich Kommentar: Geschmäckle

Noch immer ist Jan Ullrich der wohl populärste deutsche Radrennfahrer – obwohl seine Karriere 2006 unrühmlich zu Ende ging. Wo der Tour-de-France-Sieger von 1997 auftaucht, ist das Interesse weiterhin groß.

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Die 101. Auflage des Eintages-Rennens steigt am 11. Juni, Ullrich hatte die Veranstaltung in Köln und Umgebung 2003 gewonnen. In den vergangenen Jahren hatte er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

1997 war Ullrich der bis heute einzige deutsche Gesamtsieger bei der Tour de France. In den Folgejahren verursachten seine Verwicklung in die Affäre um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes und auch sein Umgang mit den eigenen Vergehen jedoch einen gewaltigen Imageschaden. 2007 verkündete Ullrich das Ende seiner aktiven Laufbahn, im Jahr zuvor war er wenige Tage vor dem Tourstart wegen erneuter Dopingvorwürfe von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen worden. Die Kritiker werfen Jan Ullrich bis heute vor, nicht vollständig mit seiner Dopingvergangenheit abgeschlossen zu haben.

Erst 2013, sechs Jahre nach seinem Rücktritt, gab Ullrich erstmals Blutdoping bei Fuentes zu. Betrugsvorwürfe weist der Olympiasieger von 2000 bis heute zurück. „Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen“, sagte Ullrich stets und argumentierte, dass damals „fast jeder leistungssteigernde Substanzen genommen“ habe.

„Er hat genug gebüßt“

In einer Phase, in der der Radsport in Deutschland nach den großen Doping-Skandalen auch um Ullrichs einstigen Widersacher Lance Armstrong für ein neues Image kämpft, ist die Verpflichtung von Jan Ullrich für viele Kritiker das falsche Signal. Renn-Organisator Artur Tabat kann die Bedenken nicht nachvollziehen. „Es wird immer kritische Stimmen geben. Aber schauen Sie sich an, was in Russland mit Doping passiert. Da war das früher doch harmlos“, sagte der 75-Jährige. Für Tabat war Ullrich ein Opfer des damaligen Systems. „Er war ein ganz ehrlicher junger Mann, ein fairer Sportsmann, der sauber Amateur-Weltmeister wurde. Dann fuhr er bei den Profis zwei Jahre hinterher. Wenn alle einen Porsche fahren, und du kommst mit einem Käfer daher, dann willst du auch mehr PS“, sagte Tabat, „und dann kommt einer, der zeigt, wie es geht.“ Tabat freut sich, Ullrich wieder in den Sattel geholfen zu haben: „Er hat genug gebüßt, man kann ihn nicht im Keller liegen lassen.“

Sportchef Steffen Simon vom verantwortlichen Sender WDR kündigte Konsequenzen für die Übertragung des Rennens an. „Wir halten an unserer geplanten Zusammenfassung fest, es wird aber kein reiner Rennbericht mehr werden. Wir werden uns auch mit den Aussagen von Herrn Tabat beschäftigen“, sagte Simon.

(sid)
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