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Leichtathletik: „Kampfsau“ mit Charme

Gina Lückenkemper könnte der neue Top-Star der deutschen Leichtathletik werden. Bei der Europameisterschaft in Berlin kann die Sprinterin in diese Rolle laufen.
Auf dem Weg zu einer Medaille? Gina Lückenkemper Foto: Anke Waelischmiller/SVEN SIMON (imago sportfotodienst) Auf dem Weg zu einer Medaille? Gina Lückenkemper
Berlin. 

Wo Gina Lückenkemper auftritt, herrscht Trubel. Die Sprint-Hoffnung ist eines der neuen Gesichter der deutschen Leichtathletik, eines der Aushängeschilder der EM in Berlin. Die 21-Jährige hat das Zeug dazu, einer der großen Stars ihrer Sportart werden.

Lückenkemper sei für die deutsche Leichtathletik ein „Geschenk des Himmels“, sagte der frühere DLV-Präsident Clemens Prokop. Die Pferdenärrin aus Soest ist schlagfertig, redegewandt und kann ganze Zuhörergruppen fesseln. „Selbstvermarktung ist mir schon immer leicht gefallen, weil ich Spaß daran habe und selbst gern rede“, sagt die ehrgeizige Läuferin.

Von der Europameisterschaft will Lückenkemper „zwei Medaillen mit nach Hause bringen“. Am Dienstag geht es für sie um Gold, Silber und Bronze über 100 Meter, am Sonntag steht die 4x100-Meter-Staffel auf dem Programm. „Das wird alles andere als ein Zuckerschlecken, aber mit der Rückendeckung der Zuschauer könnte es gelingen“, hofft die zweimalige EM-Dritte von 2016.

Storl souverän: „Gehe mit gutem Gefühl ins ...

Kugel-Ass David Storl mühelos im Finale, Sprinter Julian Reus und Weitspringer Fabian Heinle beim Auftakt mit souveränen Vorstellungen: Beim doppelten Auftakt der Leichtathletik-EM in Berlin am Vorabend

clearing

In 10,95 Sekunden war die deutsche Meisterin bei der WM im vergangenen Sommer als erste Deutsche seit 26 Jahren wieder unter elf Sekunden gelaufen. Und der gute Lauf hält an. „Ich bin in diesem Jahr so konstant mit guten Leistungen unterwegs wie bisher noch nie in meiner Karriere“, sagte sie.

Auf Hartings Spuren

Mittlerweile sei auch der Respekt vor den internationalen Rivalinnen auf ein Normalmaß geschrumpft. „Egal, wer da auf der Bahn neben mir steht, ich kann gute Leistungen abrufen“, sagte sie und bezeichnete sich selbst als „Kampfsau“.

Doch nicht nur die sportlichen Leistungen machen die deutsche Meisterin zu einer besonderen Athletin. Gern mischt sich Lückenkemper auch in öffentliche Debatten ein. So forderte sie vehement mehr TV-Zeiten für die Leichtathletik oder sieht bei der Förderung des deutschen Nachwuchses „noch deutlich Luft nach oben“.

Mit ihrer Meinungsfreude tritt sie in die Fußstapfen des streitbaren Diskus-Riesen Robert Harting, der seine Karriere in diesem Sommer beendet. Doch noch zögert Lückenkemper: „Ich habe keine Probleme, meine Meinung zu sagen. Aber ob ich das in dem Umfang machen kann, wie es Robert gemacht hat, weiß ich nicht.“

Lückenkemper kann ihre Sportart auch wunderbar erklären. So etwa, wenn sie darüber doziert, wie sie ihre Reaktionszeit beim Start verbessert hat. „Ich habe im Startblock über die unsinnigsten Sachen nachgedacht“, berichtet die Läuferin. „Zum Beispiel habe ich gedacht: Gleich kommt der Schuss. Und wenn man das denkt und der Schuss kommt, dann denkt man auch: Oh, das war der Schuss. Die Verankerung im Gehirn sollte aber sein: Schuss und los. Das haben wir geschafft“, erklärt die Studentin der Wirtschafts-Psychologie.

Lückenkemper weiß nur zu gut, dass sie für eine Medaille „wohl unter elf Sekunden laufen muss, wenn die Bedingungen so bleiben“. Als stärkste Rivalin stuft sie die Britin Dina Asher-Smith ein, die derzeit die kontinentale Bestenliste (10,92 Sekunden) anführt. Aber auch die Schweizerin Mujinga Kambundji (10,95) und 200-Meter-Europarekordlerin Dafne Schippers (Niederlande) sind bei den europäischen Titelkämpfen in Berlin als starke Konkurrentinnen am Start.

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