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20 Jahre nach ihrer Mutter: Katharina Heinig erstmals beim Frankfurt Marathon

Von 20 Jahre nach ihrem dritten und letzten Triumph am Main begleitet Katrin Heinig als Heim- und Bundestrainerin das Debüt ihrer Tochter.
Will ihre Bestzeit von Berlin toppen: Katharina Heinig. Foto: Maurizio Gambarini (dpa) Will ihre Bestzeit von Berlin toppen: Katharina Heinig.
Frankfurt. 

Ihren ersten Straßenlauf absolvierte Katharina Heinig wegen eines Schoko-Hasens. Denn eigentlich hatte die heute 28-Jährige nie in die Fußstapfen ihrer Mutter treten wollen, musste sie doch von kleinauf erleben, wie viel diese trainierte und wie sie sich quälte. Doch als an diesem Wochenende vor mehr als zwei Jahrzehnten in Paderborn alle Bettelei vergeblich blieb, allein der Weg über das Bambini-Rennen zu der begehrten, für die kleinen Teilnehmer ausgelobten Süßigkeit zu führen schien, da stand sie plötzlich am Start. Und siegte mit Riesenvorsprung.

Die Leidenschaft für den Marathon konnte dies bei der gebürtigen Leipzigerin noch nicht entfachen. Erst Jahre später, mit 14, kam die anfangs im Mehrkampf aktive Leichtathletin, die sich zuvor auch in Ballett und Trachtentanz geübt hatte, auf den Geschmack. Da lockten Freunde sie zur Hessenmeisterschaft über fünf Kilometer, und wieder konnte niemand mit ihr mithalten. „Da haben wir zum ersten Mal gemerkt, dass unsere Tochter Talent hat“, sagt Katrin Dörre-Heinig.

Katrin Dörre-Heinig Bild-Zoom
Katrin Dörre-Heinig

Die 56-Jährige selbst hat auf der klassischen Distanz Geschichte geschrieben, gewann bei den Spielen 1988 in Seoul Bronze und damit die bislang einzige olympische Medaille, die eine deutsche Marathonläuferin holte, sowie drei Jahre später das gleiche Edelmetall bei den Weltmeisterschaften 1991 in Tokio. Doch auch in Frankfurt lag für sie gutes Pflaster: Hier überquerte Dörre-Heinig gleich dreimal hintereinander als Erste die Ziellinie, zuletzt vor genau 20 Jahren, 1997.

An das Rennen kann sie sich kaum mehr erinnern, „das musste ich jetzt erst mal nachlesen“. Dabei war es das schnellste von denen am Main, brach sie damals in 2:26:48 Stunden den drei Jahre alten Streckenrekord der Schweizerin Franziska Moser.

Der erste Sieg blieb hängen, weil das Wetter so übel und nass war. Der zweite, weil er nur kurz nach den Olympischen Spielen von Atlanta stattfand. „Da war ich ziemlich leer von der Psyche her, und es war vom Kopf her schwer, eine gute Leistung einzufordern.“ Den Hattrick habe sie danach unbedingt gewollt. „Ich hatte mich akribisch vorbereitet“, erzählt die Wahl-Odenwälderin. Doch es war sehr kalt, die eisigen Getränke vertrugen Magen und Darm nicht, und so musste die Gewinnerin beim dritten Mal sogar auf die finale Pressekonferenz verzichten.

In die Rolle reinwachsen

Wenn an diesem Sonntag um 10 Uhr der Startschuss für die 36. Auflage des ältesten City-Marathons fällt, dann sitzt sie, wie sie hofft, im Warmen. Als Bundestrainerin begleitet Dörre-Heinig in einem Fahrzeug die deutsche Frauen-Spitze, und unter den drei Läuferinnen, die aus dieser in Frankfurt dabei sind, befindet sich erstmals auch Tochter Katharina.

Seit vier Jahren arbeiten die beiden wieder zusammen, nachdem lange Zeit Vater und Ehemann Wolfgang Heinig die Trainingspläne für den Nachwuchs geschrieben hatte. Nur harmonisch war das Verhältnis nicht immer. „Ich war selbst früher sehr hart gegen mich“, erzählt Dörre-Heinig. Und konnte nicht verstehen, dass andere eine abweichende Einstellung hatten. „Katharina und ich mussten beide erst in die neuen Rollen reinwachsen.“ Dabei sei es ihr stets wichtig gewesen, dass die familiäre Beziehung von sportlichen Differenzen unbelastet blieb: „In erster Linie ist Katharina meine Tochter“, sagt Katrin Dörre-Heinig. So bekämen andere Sportler schon mal deutlicher die Meinung gesagt. Ausnahmen gebe es trotzdem nicht. „Wenn ihre Zeit nicht stimmt, wird sie auch nicht für ein Ereignis nominiert.“

Das vergangene Jahr war entsprechend ein hartes für Katharina Heinig. Die Olympiaqualifikation verpasste die Eintracht-Athletin, nachdem das Wetter ihren Marathonlauf in Zürich verhagelte. Auch die Europameisterschaft in Amsterdam lief nicht wie geplant. Dass sie danach beim Berlin Marathon, aus einem Tief heraus, in 2:28:34 Stunden ihre Bestzeit toppte, nötigt selbst der erfolgreichen Mutter Respekt ab: „Das war phänomenal.“

In Frankfurt soll es jetzt noch schneller gehen, peilen die beiden einen neuen persönlichen Rekord an. Allerdings sei Wind angesagt, der noch kurzfristig aufzustellende Rennplan müsse entsprechend angepasst werden. Doch mithilfe der vielen Freunde und Bekannten, die Katharina Heinig auf ihrem Weg begleiten, und den wertvollen Tipps aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz der Mutter sollte trotzdem ein guter Lauf gelingen.

„Vom Training her ist eine Bestzeit möglich“, sagt Katrin Heinig. Und obwohl selbst dann ein Triumph über die starke afrikanische Konkurrenz wohl unerreichbar sein wird und auch aus nationaler Sicht Titelverteidigerin Fate Tola die besseren Karten im Kampf um den deutschen Meistertitel in der Hand hat, wartet auf Katharina Heinig ein Erlebnis, um das ihre Mutter sie fast ein bisschen beneidet. Denn als sie selbst noch die Marathonschuhe schnürte, da endete das Frankfurter Rennen noch auf der Straße und nicht auf dem roten Teppich in der Festhalle. „In diesen Genuss kam ich nie“, sagt Heinig bedauernd. „Und allein der ist schon das Laufen in Frankfurt wert.“

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