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Tour de France: Kittel knackt den Zabel-Rekord

Von John Degenkolb staubte gestern „wie im Fußball ab“. Der Oberursel raste im Spint hinter Kittel noch von Platz fünf auf zwei vor und war keineswegs enttäuscht, seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France erneut verpasst zu haben. Im Gegenteil.
An Marcel Kittel führte wieder kein Weg vorbei. Dahinter landete aber schon der Oberurseler John Degenkolb (links). Foto: LIONEL BONAVENTURE (AFP) An Marcel Kittel führte wieder kein Weg vorbei. Dahinter landete aber schon der Oberurseler John Degenkolb (links).
Bergerac. 

Jetzt schlägt’s 13! Marcel Kittel spurtete unwiderstehlich in Bergerac zu seinem 13. Etappensieg und hat damit den deutschen Rekordhalter Erik Zabel (12 Etappensiege) übertroffen. „Maitre Kittel“ (L’Equipe) konnte schon Radlängen vor der Ziellinie sich aufrichten und im Grünen Trikot majestätisch die Arme ausbreiten. Der 29-jährige Thüringer ist der souveräne König des Sprints dieser Tour de France. „Dieser Rekord bedeutet mir sehr viel“, sagte der Terminator des Massenspurts. Erik Zabel sprach am Telefon dem neuen Rekordhalter seinen Glückwunsch aus. „Es ist eine Riesenfreude, Marcel beim Spurt zuzusehen.“ Vergleiche mit früher? „Sind schwer. Ich würde sagen, Kittel ist der neue Cipollini – nur sympathischer und hübscher“.

„Marcel ist momentan mit seiner Explosivität, Schnelligkeit und Power ein Sprinter von einem anderen Planeten.“ Der dies – fast ehrfürchtig – nach der zehnten Etappe, den 178 Kilometern von Perigueux und Kittels viertem Tagessieg bei dieser Frankreich-Rundfahrt sagte, war der eigentliche Held des Tages: John Degenkolb.

Degenkolb vor Kristoff

Der auf der dritten Chaos-Etappe so schwer gestürzte Sprinter mit Wohnort Oberursel sprach von einem „klassischen Abstauber wie im Fußball“. Denn er habe sich auf der freien linken Seite ans Hinterrad des von hinten vorbeifliegenden Kittel gehalten. In Kittels Sog überholte Degenkolb noch den Holländer Groenewegen, das deutsche Talent Rüdiger Selig (Bora-hansgrohe) und selbst Alexander Kristoff, den norwegischen 1.-Mai-Sieger von Frankfurt. Der entthronte Rekordhalter Zabel, zwölfmaliger Etappensieger und sechsmaliger Gewinner des Grünen Trikots, bescheinigte Degenkolb eine „tolle Leistung“. Zabel lobte: „John besitzt die Cleverness, sich das richtige Hinterrad auszusuchen. So wird man Zweiter.“

Der Wahl-Oberurseler stieg sofort – glücklich und locker – auf die Rolle am schwarzen Trek-Bus und nahm die Glückwünsche der nacheinander eintrudelnden Team-Kollegen entgegen. Der Österreicher Michael Gogl war der erste Gratulant des Teams. Die Medienleute drängelten sich derweil an dem Absperrband, worüber sich Degenkolbs Kumpel Koen de Kort wunderte. „So viele Presseleute – bin ich am falschen Bus?“

War der Holländer natürlich nicht „Schneller als Greipel“, staunte de Kort, als er dem Überraschungszweiten mit dem Faustcheck gratulierte. Der einst noch gleichwertige Kittel-Rivale, dessen Lotto-Team die ganze Tempo-Arbeit auf den letzten Kilometern geleistet hatte, wurde nur Zwölfter. Als Letzter kam der Kapitän, Alberto Contador, zum Bus und tätschelte anerkennend Degenkolbs Wange.

„Bin sehr optimistisch“

Nachdem er der Team-Presse-Chefin Elke Weylandt sein Statement auf Englisch abgeliefert hatte, stieg Degenkolb von der Rolle und trat vor die Kameras, Mikrofone und Diktiergeräte. Das Comeback acht Tage nach dem Crash war für ihn kein besonderes Thema. Schließlich gehört es zu seinem Charakter: „Ich war ja nie weg. Im Leben wie im Sport gilt: Niedergeschlagen, wieder aufstehen.“

Er freute sich sichtlich über den zweiten Platz. „Der ist schon mehr als im letzten Jahr. Das ist ein wichtiges Zeichen. Ich bin sehr motiviert und optimistisch.“ Soll heißen: John Degenkolb hat seinen ersten Etappensieg bei der Tour nicht abgeschrieben. Dazu müsse aber Marcel Kittel eingeblockt sein und keine Lücke finden. „Mann gegen Mann ist er nicht zu schlagen.“

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