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Fußball: Kroos schlägt Alarm

Der Weltmeister offenbarte im letzten WM-Härtetest gegen Brasilien eklatante Schwächen. Toni Kroos wählte scharfe Worte, die nachhallen dürften – Joachim Löw beschwichtigte.
Nachdenklich verlassen Toni Kroos (links) und Lars Stindl den Rasen nach dem 0:1 gegen Brasilien. Foto: Andreas Gebert (dpa) Nachdenklich verlassen Toni Kroos (links) und Lars Stindl den Rasen nach dem 0:1 gegen Brasilien.
Berlin. 

Toni Kroos rechnete mit der B-Elf des Weltmeisters kühl und in verächtlichem Tonfall ab. „Wir hatten einige Spieler auf dem Platz, die die Möglichkeit hatten, sich zu zeigen auf diesem Niveau“, sagte der Mittelfeldchef nach dem 0:1 im letzten WM-Härtetest der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Brasilien: „Das haben sie nicht getan.“ Das saß.

Was Bundestrainer Joachim Löw im Berliner Olympiastadion geboten bekam, war in der Tat alarmierend: Sieben Wochen vor der Nominierung seines vorläufigen WM-Kaders am 15. Mai in Dortmund drängte sich gegen eine keinesfalls herausragende Seleção keiner aus der zweiten Reihe auf. Statt der Rekordmarke von 23 Spielen ohne Niederlage steht nun eine Reihe aus vier Tests gegen Topgegner ohne Sieg und mit nur drei Toren. Kroos war zu Recht sauer.

In der Mixed Zone wiederholte er seine im ZDF-Interview geäußerte Kritik. Ihm habe „alles“ missfallen, richtig „geärgert“ habe er sich über die dilettierenden Kollegen. „Wir haben uns abkochen lassen“, moserte Kroos weiter, „und mal gesehen, dass wir doch nicht so gut sind, wie uns immer eingeredet wird oder wie vielleicht auch einige denken von uns. Das war deutlich zu wenig von vielen.“

Diejenigen, die sich angesprochen fühlen mussten, widersprachen nicht. „Das sollte für uns ein Warnsignal sein“, sagte Ilkay Gündogan, „so war auch die Stimmung in der Kabine.“ Die erste Niederlage seit dem EM-Halbfinale 2016 gegen Frankreich (0:2) sei vielleicht „ein notwendiger Weckruf“, ergänzte er. Julian Draxler meinte: „Toni hat recht, die Alarmglocken angehen zu lassen.“ Aber, fügte er an: „Ich sehe für die WM nicht schwarz.“

Damit traf er Löws Gemütslage. Zunächst aber legte auch der Bundestrainer eine lange Mängelliste vor: einfache Ballverluste, schlechte Raumaufteilung, schwaches Umschaltspiel und Zweikampfverhalten, unzulängliche Körpersprache, „kein Mumm“ im Aufbau. Aber Sorgen Richtung WM in Russland? „Nein“, sagte Löw, „mir bereitet eigentlich kaum was große Sorgen, weil ich weiß, dass die Mannschaft zu ganz anderem fähig ist.“ Also: seine erste Mannschaft, in der höchstens zwei Positionen vakant sind. Die des Linksaußen, um die sich Draxler, der am Dienstag schwache Leroy Sane und der diesmal nicht nominierte Marco Reus streiten. Und die des Torwarts angesichts der Verletzung von Kapitän Manuel Neuer.

Das ist für Löw, der ja den „härtesten Konkurrenzkampf“ der Geschichte ausgerufen hatte, eine beunruhigende Erkenntnis: dass die Jungen nicht den Druck auf die Arrivierten machen, den er sich erhofft. „Es darf nicht nur eine erste Elf geben“, mahnte er, für die historisch schwierige Mission Titelverteidigung bei der WM benötige er „auf jeder Position zwei gleichwertige Spieler“.

Die Jungen, sagte er, werden aus diesem dunklen Auftritt „Lehren ziehen“. Etwa Sane, der „nicht ganz so schnell in die Höhe schießt, wie das manche denken“. Um bei der WM dabei zu sein, müssten seine Kandidaten neben Leistung, Gesundheit und Rhythmus Teamfähigkeit besitzen.

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