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Liebesentzug der Mainzer Fans: Wird „nicht funktionieren”

Ausgerechnet zur Fastnachtszeit ist die Stimmung beim FSV Mainz 05 am Boden. Die Fans haben für ihre Mannschaft nur noch Hohn und Spott übrig. Mannschaft und Trainer appellieren in einem Offenen Brief.
Der Mainzer Emil Berggreen kühlt sich nach dem Spiel den Kopf. Foto: Uwe Anspach Der Mainzer Emil Berggreen kühlt sich nach dem Spiel den Kopf.
Sinsheim. 

Der FSV Mainz 05 fühlt sich im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga von den eigenen Fans im Stich gelassen und greift zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Mit einem Offenen Brief reagierte der Verein auf die Spottgesänge aus dem 05er-Block bei der 2:4-Niederlage des Tabellen-16. am Vortag bei 1899 Hoffenheim. „Wir werden alles in die Mission Klassenerhalt reinhauen, was wir haben - für euch, für den Verein, für diese Stadt. Dazu benötigen wir aber jeden einzelnen Fan auf unserer Seite, jede laute Stimme in unserem Rücken und eure gemeinsame und geschlossene Unterstützung, gerade auch bei Rückschlägen”, hieß es darin.

Früher spotteten nur die gegnerischen Anhänger („Ihr seid nur ein Karnevalsverein”) über den Club, jetzt verhöhnt schon das eigene Publikum die kriselnde Mannschaft von Trainer Sandro Schwarz. „Oh, wie ist das schön”, tönte es am Samstag von den Gäste-Rängen und: „Zugabe!”. Geschlossen verweigerten die Profis, die das Verhalten der Fans „sehr irritiert und enttäuscht” habe, nach dem Abpfiff den Gang in die Kurve. „Mit so einer Stimmungslage, wie wir sie haben, wird es nicht funktionieren”, schimpfte Schwarz. „Es fühlt sich so an, als ob wir schon abgeschlagen Letzter sind oder abgestiegen.”

Drei Tage nach dem hilflosen 0:3 im DFB-Pokal-Derby in Frankfurt erlitten die Mainzer den nächsten Rückschlag. Auswärts sind die Rheinhessen immer noch sieglos, nach nur einem Erfolg aus den letzten zehn Punktspielen ist die Lage prekär. „Wir sind Mainzer und ihr nicht!”, brüllten die etwa 1300 mitgereisten Fans ihrer Mannschaft am Ende hinterher.

Bereits nach der Pleite in Frankfurt, als seine Spieler von der eigenen Anhängerschaft beschimpft und beleidigt worden waren, hatte Schwarz beklagt, dass er „seine Mainzer” manchmal kaum wiedererkenne. „Tatsächlich bin ich auch manchmal sprachlos, wie negativ und griesgrämig viele Leute derzeit eingestellt sind. Wir waren immer so positiv, stolz auf den Verein, optimistisch. Selbst in den düstersten Abstiegskämpfen der Zweiten Liga. Das ist derzeit weg”, sagte der gebürtige Mainzer.

Trotz des Liebesentzugs der eigen Anhänger ist sich Sportvorstand Rouven Schröder sicher, „dass alle Fans 05 im Herzen haben”. Dieses Gefühl sei aber an diesem Tag „etwas abhanden gekommen. Das habe ich auch zum ersten Mal erlebt, dass kein Zuspruch da war, keine Anfeuerung.” Damit meinte er vor allem die Situation, als der FSV durch den zweiten Treffer von Emil Berggreen (29./80.) auf 2:3 herangekommen war. Am Ende aber setzten sich die Hoffenheimer dank der beiden Doppelpacks von Adam Szalai (27./74.) und Andrej Kramaric (67./88.) verdient durch.

Das Gäste-Publikum schickte sein Team mit gellenden Pfiffen in die Kabine. „Das ist eine Situation, die schwierig zu verarbeiten ist für die Mannschaft. Das tut weh, das ist der falsche Weg”, sagte Schröder. Ebenso wie Schwarz sieht er Gesprächsbedarf - bei den Anhängern. Dem Trainer sicherte Schröder „volle Rückendeckung” zu.

Der Ex-Mainzer Szalai zeigte dann, wie man richtig feiert. Mit nacktem Oberkörper stimmte er auf dem Zaun das „Humba” an - so wie es der ungarische Nationalstürmer einst zu seiner FSV-Zeit mit den „Bruchweg-Boys” André Schürrle und Lewis Holtby tat.

Doch das ist lange her - die Gegenwart sieht eher düster aus. Daher appellierten Spieler, Trainer und Funktionäre: „Für Mainz 05 kann es nur einen gemeinsamen Weg aus dem Abstiegskampf geben, indem Verein, Mannschaft und Fans an einem Strang ziehen und zusammenhalten. Anders wird es nicht funktionieren.”

(Von Ulrike John, dpa)
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