E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 27°C

Lisicki schafft die Sensation

Sabine Lisicki und Tommy Haas durften sich beim Grand-Slam-Klassiker in Wimbledon mit den Besten der Branche messen. Die 23 Jahre alte Berlinerin feierte gegen Serena Williams den größten Erfolg ihrer Karriere. Für Oldie Haas lief es gegen Novak Djokovic schlechter.

Nach ihrem Sieg liegt Sabine Lisicki von ihren Gefühlen überwältigt auf dem Rasen. Foto: Andy Rain Bilder > Nach ihrem Sieg liegt Sabine Lisicki von ihren Gefühlen überwältigt auf dem Rasen. Foto: Andy Rain
London. 

Sabine Lisicki fiel vornüber auf den heiligen Rasen, warf eine Kusshand ins Publikum und heulte einfach drauflos. Tommy Haas dagegen verpasste am späten Abend eine weitere Überraschung und schied nach einem 1:6, 4:6, 6:7 (4:7) gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic aus.

Zuvor hatte Lisicki auf dem Centre Court noch für eine deutsche Tennis-Sternstunde gesorgt. «Das war der größte Sieg meiner Karriere», sagte Lisicki - und selbst Steffi Graf schickte Glückwünsche aus der Ferne.

«Gratulation an Sabine für den tollen Sieg!», schrieb die siebenmalige Wimbledon-Siegerin via Facebook. An diesem Dienstag ist der erste Triumph der Gräfin im All England Lawn Tennis Club 25 Jahre her - am Super-Montag schrieb auch Lisicki ein kleines Stückchen Tennisgeschichte. Die 23 Jahre alte Berlinerin bezwang die Weltranglisten-Erste, Titelverteidigerin, fünfmalige Wimbledon-Siegerin und Top-Favoritin Serena Williams nach 2:02 Stunden mit 6:2, 1:6, 6:4. Nach 0:3 und 3:4/0:40 im dritten Satz.

Vor 25 Jahren gewann Steffi Graf ihren ersten Wimbledon-Titel. Foto: Schrader
Vor 25 Jahren: Graf triumphiert in Wimbledon

Vor 25 Jahren gewann Steffi Graf ihren ersten Wimbledon-Titel. Es folgten sechs weitere Triumphe auf dem Heiligen Rasen. Der letzte 1996. Seitdem hat keine deutsche Spielerin mehr das Finale des Rasenklassikers an der Church Road erreicht.

clearing

«Ich zittere immer noch», sagte Lisicki in ihrem ersten Interview. Dann erstickten die Tränen für einen kurzen Moment die Stimme. «Es war unglaublich. Serena hat so stark gespielt, sie hatte tolle Schläge. Ich habe alles gegeben und um jeden Punkt gekämpft.»

Auch Haas ging an die Grenze, doch es reichte nicht. «Ich habe keinen guten Start erwischt und hatte Probleme, meinen Rhythmus zu finden», sagte 13. der Weltrangliste. «Es war ein gutes, umkämpftes Match. Aber natürlich ist man nicht ganz zufrieden.»

Lisicki dagegen wurde für die Meisterleistung gegen die zuletzt alles beherrschende Williams mit dem vierten Wimbledon-Viertelfinale nach 2009, 2011 und 2012 belohnt. Und in diesem verrückten Jahr scheint noch sehr viel mehr möglich. Lisickis nächste Gegnerin Kaia Kanepi hat zwar in der zweiten Runde die Vorjahres-Halbfinalistin Angelique Kerber besiegt, doch die Berlinerin ist als Nummer 24 der Welt 22 Plätze besser notiert als ihre nächste Gegnerin aus Estland.

«Unglaublich, Olle!!! Glüüüückwuuuunsch! Hol dir das Ding!», twitterte prompt Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic. Basketball-Superstar Dirk Nowitzki schrieb: «Wahnsinn. Glückwunsch.» Auch Bundestrainerin Barbara Rittner zollte Lisicki höchsten Respekt. «Es war ein Wahnsinns-Match auf einem unfassbaren Niveau mit einem unglaublichen Ende», sagte die Fed-Cup-Chefin. «Vor allem, dass sie nach dem 0:3 im dritten Satz noch zurückgekommen ist, verdient Hochachtung.»

Nach der Demonstration der Stärke gegen die Beste der Welt braucht sich Lisicki vor keiner Kontrahentin mehr zu fürchten. «Darüber denke ich jetzt noch nicht nach», sagte sie nach ihrem Coup auf dem Centre Court, als sie auf das Match gegen Kanepi angesprochen wurde. Es klang wie eine Warnung an die Konkurrenz, als sie hinterherschob: «Das Turnier ist noch nicht vorbei.»

Für Williams schon - obwohl die 31-Jährige zuletzt 34 Siege nacheinander feierte, die French Open gewann und seit dem überraschenden Aus von Maria Scharapowa für manche schon als logische Siegerin vorab gekürt wurde. Bis zu diesem Montag.

Bei jeder Gelegenheit hatte Lisicki in den vergangenen Tagen betont, wie sehr sie die Atmosphäre im All England Lawn Tennis Club liebe und wie gern sie diesen mythenumwobenen Centre Court betrete. So war der Applaus auch ein bisschen lauter und der Empfang ein bisschen herzlicher, als die blonde Berlinerin am Montagnachmittag vor dem ersten Ballwechsel auf ihre Seite des Netzes schritt.

Sabine Lisicki strahlt: Sie hat gerade Serena Williams in einem Wimbledon-Match besiegt. Foto: EPA/ANDY RAIN +++(c) dpa - Bildfunk+++
Lisicki schafft in Wimbledon Sensation

Immer wieder hat Sabine Lisicki in den vergangenen Tagen ihre ganz besondere Liebe zum Grand-Slam-Klassiker in Wimbledon betont. Nun durfte sich die letzte im Feld verbliebene Deutsche mit der Nummer eins Serena Williams messen. Und wuchs über sich hinaus.

clearing

Diesen einzigartigen Tag, an dem nur bei diesem der vier großen Turniere alle Achtelfinal-Partien angesetzt werden, nennen sie in England gerne «Manic Monday». Normalerweise spielen dann die Herren Federer und Nadal, die Damen Scharapowa und Asarenka. 2013 aber durfte Lisicki im ersten Match des Tages auf die bedeutungsvollste Tennisbühne der Welt - und schuf sich ihren eigenen «Magic Monday».

Alleine die ersten vier Spiele des ersten Durchgangs dauerten 23 Minuten - da hatte Williams zuletzt schon ganze Sätze für sich entschieden. Lisicki entledigte sich ihres Langarm-Shirts, Williams bändigte ihre anfangs noch etwas flatternde Mähne mit einem Knoten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt demonstrierten beide Protagonistinnen in der nicht ganz voll besetzten Tennis-Arena, dass sie sich in diesem Duell nicht einen einzigen Punkt schenken würden.

Als eine Rückhand von Williams im Aus landete, schaffte Lisicki das Break zum 4:2. Immer wieder blickte Williams auf die andere Seite des Platzes und schien sich zu sagen: «Du kleine freche Berliner Göre, was erlaubst du dir da eigentlich?» Nach dem Match sagte Williams: «Gegen die Großen auf den großen Plätzen spielt sie am besten. Es war so ein Moment. Auf Gras spielt sie einfach gut.»

Nachdem die French-Open-Siegerin nach 27 Minuten Durchgang zwei mit 6:1 für sich entschieden hatte und vor allem in Satz drei 3:0 in Führung ging, schien alles gelaufen gegen die junge Deutsche. Doch es ging hin und her, die Fans hielt es nicht mehr auf den Sitzen. «unglaublich!!! Danke daß ich dabei sein durfte», twitterte Rittner.

(Von Wolfgang Müller und Marc Schäfer, dpa)
Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen