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Löws Aufgaben: Fannähe schaffen, Abstiegskampf vermeiden

In Berlin bereitet Bundestrainer Löw die Nations-League-Hammer gegen die Niederlande und Frankreich vor. Drei Spieler sagen ab, Emre Can kommt dazu. Das Nationalteam will wieder mehr Fannähe: Erstmals seit über vier Jahren ist ein Training im eigenen Land offen.
Bundestrainer Joachim Löw sieht seine Nationalspieler ab Dienstag in Berlin zusammen. Foto: Uwe Anspach Bundestrainer Joachim Löw sieht seine Nationalspieler ab Dienstag in Berlin zusammen.
Berlin. 

Die angeschlagene Fußball-Nationalmannschaft taucht wieder auf und will in einer ersten Aktion mit einem öffentlichen Training um neue Sympathien werben.

Die Situation für Joachim Löw und seine bei der WM in Russland brutal abgestürzten Spieler um Kapitän Manuel Neuer ist kompliziert: Sportlich droht in der neuen Nations League ein für das seit 2006 erfolgsverwöhnte DFB-Team völlig unbekannter Abstiegskampf. Und neben dem Platz geht es um die schwierige Korrektur in Sachen Entfremdung und Fannähe. „Irgendwie sind wir da den Bedürfnissen unserer Anhänger nicht näher gekommen”, erklärte Manager Oliver Bierhoff als Teil der umfangreichen WM-Analyse: „Es ging auch um das Auftreten der Nationalmannschaft.”

Zwar hat die heftig kritisierte Nationalelf beim Neubeginn vor einem Monat gegen Weltmeister-Nachfolger Frankreich (0:0) und gegen Peru (2:1) erste zarte, positive Signale in den Bereichen Mentalität und Taktik ausgesandt. Doch die Aussage von Bundestrainer Löw nach dem historischen WM-Aus, das auch den großen Graben zwischen Team und Fans offenlegte, gelte weiter und vor den anstehenden Nations-League-Hammerspielen am Samstag in den Niederlanden und drei Tage später in Frankreich sogar noch mehr: „Wir stehen jetzt alle unter besonderer Beobachtung und unter einem besonderen Druck.”

Nach Marco Reus haben auch der Leverkusener Kai Havertz und Antonio Rüdiger vom FC Chelsea dem Bundestrainer abgesagt. Havertz wird wie der Dortmunder Reus von einer Knieblessur geplagt. Abwehrspieler Rüdiger fällt wegen Leistenproblemen aus. Mittelfeldspieler Emre Can von Juventus Turin wurde nachnominiert. Kurz nachdem der auf 21 Spieler reduzierte Kader am Dienstag in Berlin zusammenkommt, öffnet Löw für 5000 meist jugendliche Zuschauer im Hertha-Amateurstadion das Training.

Natürlich sind alle kostenlos vergebenen Tickets vergriffen. Erstmals seit September 2014 - damals feierten 45.000 Fans in Düsseldorf den frisch gekrönten Weltmeister - können damit Anhänger im eigenen Land eine Übungseinheit wieder hautnah verfolgen. Der DFB überträgt das Training sogar live ab 17.25 Uhr über seine Internet-Plattformen. Es soll aber „keine Inszenierung und keine Show” werden, heißt es aus dem Deutschen Fußball-Bund, sondern „ein Training pur” ohne laute Musik, Moderation oder besondere Aktionen.

„Wir wollen die Leute begeistern und werden alles in die Waagschale werfen”, versprach Nationalspieler Thomas Müller schon in München. Den Profis ist bewusst, dass dies aber vor allem über die Rückkehr zu erfolgreichem Fußball auf dem Rasen geht: „Die Vorfreude ist da, das wird ein harter Wettkampf”, sagte Müller. In der Dreier-Gruppe der Liga A der Nations League qualifiziert sich nur der Erste für das Finalturnier im Juni 2019, der Letzte steigt in Liga B ab. „Wir wissen, was uns sportlich und atmosphärisch in Amsterdam und Paris erwartet”, erklärte Löw vor der großen Herausforderung.

Dass in Reus der aktuell einzige wirklich treffsichere Spieler die Länderspiel-Zeit nutzt, um eine Knieblessur auszukurieren, macht die Lage noch schwieriger. „Wir haben ein großes Problem mit der Chancenauswertung”, hat Löw zuletzt immer wieder festgestellt. Der 58 Jahre alte Chefcoach muss vor allem hier eine Lösung finden. Löw will aber auch das Bild seiner Mannschaft korrigieren.

„Uns hat die richtige Einstellung gefehlt. Wir sind selbstgefällig aufgetreten. Wir haben die Unterstützung der Fans für selbstverständlich gehalten”, hat Manager Bierhoff analysiert: „Die Wucht, die auf uns eingetroffen ist, zeigt auch immer wieder, welch hohe Bedeutung diese Mannschaft für die Fans und das Land hat.” Löws Forderung ist deshalb klar: „Wir wollen eine andere Identifikation schaffen und den Fans wieder viel Freude bereiten. Das geht nur, wenn wir wieder ein anderes Gesicht zeigen.”

(Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa)
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