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Löws Feinschliff im Disneyland - Geheimplan in Arbeit

Die Achterbahn im Olympiapark von Sotschi steht sinnbildlich für das deutsche Abenteuer bei der Mini-WM. Bundestrainer Löw arbeitet mit seinem Perspektivteam möglichst unbeobachtet am Australien-Matchplan. Teammanager Bierhoff verkündet eine klare „Erwartungshaltung”.
Joachim Löw und sein Trainerstab. Foto: Arne Dedert Joachim Löw und sein Trainerstab. Foto: Arne Dedert
Sotschi. 

Es ist schon bizarr. Abgeschirmt von Polizisten hat Bundestrainer Joachim Löw im Disneyland-Ambiente der Olympiastadt Sotschi mit seinem Perspektivkader den geheimen Feinschliff für den ersten Ernstfall beim Confed Cup gestartet.

Hinter dem Trainingsplatz rasen Urlauber im angrenzenden Freizeitpark auf der Achterbahn durch Loopings - schrille Schreie hallen herüber. Und im Hintergrund bilden die in Küstennähe aufragenden schneebedeckten Bergkuppen des Kaukasus ein beeindruckendes Panorama. „Die ersten Eindrücke waren sehr schön”, lobte Teammanager Oliver Bierhoff die russischen Gastgeber.

Bei der Arbeit auf dem feinen Rasenplatz neben dem Olympiastadion sind Kapitän Julian Draxler und seine 20 Kollegen aber ganz auf den Fußball konzentriert. „Es wird jetzt ernster, fokussierter”, sagte Ex-Nationalspieler Bierhoff, der bei der Einheit am Freitag aktiv mitwirkte. Bayern-Profi Joshua Kimmich und der Leverkusener Youngster Julian Brandt äußerten sich bei der ersten Pressekonferenz im Teamhotel „positiv überrascht” über die Bedingungen im Ferienort am Schwarzen Meer. „Wir sind eine neue Truppe hier. Aber wir bekommen mit jedem Training und jedem Spiel mehr Sicherheit”, sagte Kimmich.

Die rasante Achterbahn im Olympiapark steht dabei sinnbildlich für den Abenteuer, das Löw beim Probeturnier ein Jahr vor der WM in Russland eingeht. Denn das unerfahrene 21-Mann-Aufgebot des Bundestrainers mit nur drei Weltmeistern von Rio 2014 steht vor einer ungewissen Berg-und-Talfahrt, die im Optimalfall am 2. Juli mit dem ersten deutschen Confed-Cup-Gewinn in St. Petersburg enden könnte. „Wenn man hier ist, will man gewinnen”, sagte Bierhoff deutlich.

Eine Talfahrt mit einem Ausscheiden schon nach den Gruppenspielen gegen Auftaktgegner Australien, Löws Titelfavoriten Chile sowie den unberechenbaren Afrikameister Kamerun ist aber auch denkbar. Eine zentrale sportliche Frage lautet für Bierhoff darum: „Wer übernimmt in der Mannschaft die Verantwortung in schwierigen Momenten?”

Nach der ersten Nacht in Russland läutete Löw den Countdown für die Partie am Montag (17.00 Uhr/ZDF) gegen Australien ein. Publikum duldet der Bundestrainer in der letzten Phase der Vorbereitung nicht mehr. Taktik und Personalauswahl soll geheim bleiben, der interne Konkurrenzkampf ist groß. Etliche Startelfplätze scheinen bereits vergeben. Marc-André ter Stegen dürfte im Tor beginnen. Shkodran Mustafi, Joshua Kimmich und Jonas Hector sind hinten gesetzt. Dazu kommen im Mittelfeld Kapitän Julian Draxler und Leon Goretzka sowie in der Sturmspitze Teamsenior Sandro Wagner.

Löw dürfte personell weitgehend auf Nummer sicher gehen, denn dem Auftakt gegen Außenseiter Australien wird intern eine Schlüsselrolle beigemessen. „Die Erwartungshaltung ist ein Sieg”, sagte Bierhoff zur Zielsetzung. Die Spieler bewerten den Confed Cup als gute Plattform. „Für jeden ist das hier eine super Möglichkeit, sich zu zeigen”, sagte der 22 Jahre alte Kimmich. Nach einer Saison beim FC Bayern, mit der er „nicht zufrieden” war, will der DFB-Stammspieler beweisen, dass er auch im Verein die Nachfolge von Philipp Lahm, den er eine „Legende” nennt, auf der rechten Verteidigerposition antreten kann.

Dass der Weltmeister in Sotschi direkt an der Strandpromenade sein Quartier bezogen hat, bleibt auch den überwiegend russischen Urlaubern nicht verborgen. Ein roter Mannschaftsbus kutschiert die prominenten Gäste aus Deutschland durch die Olympiastadt von 2014 - und das mit der Aufschrift „11 Spieler - 80 Millionen Herzen - die Mannschaft”. Das DFB-Team wird auf allen Wegen streng bewacht. „Wir fühlen uns aber nicht eingeengt”, versicherte Bierhoff.

Bei der WM 2018 wird der Weltmeister sein Basisquartier aber nicht in Sotschi aufschlagen. „Die Tendenz ist, in den Moskauer Raum zu gehen”, sagte Manager Bierhoff. Er berücksichtigt besonders die Reisestrapazen bei einem Turnier. Kurze Wege sind wichtig, dazu ein exklusiv nutzbares Hotel und gute Trainingsbedingungen. Sotschi sei „einfach zu weit weg”, Flugwege zu anderen WM-Spielorten zu weit.

Das subtropische Klima in der Stadt am Schwarzen Meer ist dagegen angenehm. Und zumindest die jungen Spieler reizt auch mal ein Ausflug in den Vergnügungspark mit dem Nervenkitzel einer Achterbahnfahrt. Aber bis zu fünf Wochen Sotschi 2018? „Es ist nicht mein Geschmack”, sagte Bierhoff ehrlich in der ARD zum Disneyland-Ambiente.

(Von Klaus Bergmann, dpa)
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