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WM 2018: Lotterie mit vier Nieten

Der Countdown läuft, der Konkurrenzkampf nimmt zu. Vier Spieler aus dem vorläufigen Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft dürfen nicht mit zur WM. Der eine oder andere kennt dieses Schicksal schon. Wen es wohl diesmal trifft?
Vermeintliche Wackelkandidaten unter sich: Sebastian Rudy (von links), Julian Brandt und Jonathan Tah. Foto: Revierfoto (imago sportfotodienst) Vermeintliche Wackelkandidaten unter sich: Sebastian Rudy (von links), Julian Brandt und Jonathan Tah.
Eppan. 

Sprints, intensive Spielformen und ein erster Test: Joachim Löw hat die Zügel im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmanschaft in Eppan deutlich angezogen. Eine Woche vor der Nominierung des endgültigen Kaders für die Weltmeisterschaft in Russland verschärft sich vor der imposanten Bergkulisse Südtirols der Konkurrenzkampf. Bei der Lotterie „4 aus 27“ will niemand die Nieten ziehen. Die Spieler müssen dabei einen Spagat vollziehen. „Ja, es ist ein Wettkampf. Zugleich müssen wir schauen, dass wir als Team zusammenkommen. Jeder muss sich natürlich beweisen, sich zeigen. Aber der Zweck ist vor allem, dass wir fit werden und als Einheit näher zusammenrücken“, erklärte Sebastian Rudy.

Der Münchner weiß ebenso wie Julian Brandt, wie schmerzvoll ein geplatzter Turnier-Traum in letzter Minute sein kann. Löw sortierte beide Spieler vor der Europameisterschaft 2016 in Frankreich aus. Rudy und Brandt zählen auch nun wieder zu den Wackelkandidaten. Zumindest der Leverkusener geht aber locker mit der Situation um. Sollte er es nicht in den endgültigen 23er-Kader schaffen, „dann wäre das keine Schande“, sagte der 22-Jährige dieser Tage im Kicker-Interview: „Wir haben so viele gute Spieler. Ich weiß, wie schwer es ist, sich bei uns durchzusetzen.“

An die Grenze gehen

Die hohe Qualität und Leistungsdichte macht die Entscheidung für Löw schwer. „Ich habe keinem Spieler gesagt, dass er auf Bewährung da ist. Ich wollte auch keinen verunsichern. Alle müssen Gas geben“, erklärte der Bundestrainer, der zwei Tage nach dem Länderspiel in Klagenfurt gegen Österreich am Samstag (18 Uhr/ZDF) beim Weltverband Fifa seinen endgültigen Kader benennen muss.

Sollte Kapitän Manuel Neuer komplett fit werden und als Nummer eins nach Russland fahren, muss Löw sich zwischen den Ersatztorhütern Kevin Trapp und Bernd Leno entscheiden. Neuers WM-Teilnahme wird immer wahrscheinlicher: Der 32 Jahre alte Torwart vom FC Bayern München bestand nach über achtmonatiger Verletzungspause den ersten echten Härtetest im Trainingslager und stand beim 7:1-Erfolg im Testspiel gegen die DFB-Junioren 30 Minuten im Tor der DFB-Auswahl, in der zweiten Hälfte spielte Marc-Andre ter Stegen.

Die Tore für das Team von Bundestrainer Joachim Löw erzielten Leroy Sané (2), Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Julian Brandt, Mario Gomez und Neuling Nils Petersen. Die wichtigste Erkenntnis für Löw war aber, dass bei Neuer der verletzte Mittelfuß offenbar hält. Die eigentliche Bewährungsprobe für Neuer folgt dann aber am Samstag gegen Österreich. „Ich glaube, das kann man so klar sagen: Gegen Österreich sollte Manuel spielen können. Wenn er da auch keinen Einsatz hat, braucht man über eine WM nicht zu reden“, sagte Torwarttrainer Andreas Köpke im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Jonathan Tah dürfte indes durchs Raster fallen, wenn Jerome Boateng nach seiner Muskelverletzung im Adduktorenbereich zur Verfügung steht. Ein weiterer Streichkandidat ist neben Rudy und Brandt Überraschungsgast Nils Petersen. „Die Trainingsqualität ist eine andere. Ich muss jeden Tag an die Grenze gehen“, sagte der Freiburger Stürmer, der noch ohne Länderspiel ist. Dies gilt aber auch für seine Mitstreiter. „Ich kann garantieren, dass ich alles dafür tun werde, diesmal dabei zu sein“, sagte Brandt, während Rudy die WM seit längerer Zeit fest im Visier hat: „Ich habe versucht, mich in diesen zwei Jahren in eine Verfassung zu bringen, die es dem Bundestrainer noch schwerer machen soll, mich nicht zu berücksichtigen.“

Das Schicksal der Confed-Cup-Sieger Rudy und Brandt kennen auch andere Spieler des DFB-Teams. Marc-Andre ter Stegen und Julian Draxler erwischte es vor der EM 2012, Leon Goretzka wurde vor der WM 2014 aussortiert. Pechvogel Marco Reus spielte aufgrund zahlreicher Verletzungen die EM vor sechs Jahren als einziges großes Turnier. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist trotz der bevorstehenden kniffligen Personalfragen gut. Thomas Müller trieb im Training am Montag wie gewohnt seine Scherze. „Das Verhalten der Spieler ist einmalig. Natürlich sind wir in einer Leistungsgesellschaft, aber alle Spieler geben richtig Gas und halten zusammen. Das wird die Entscheidung am Schluss nicht einfacher machen“, sagte Löws Assistent Marcus Sorg. Sorgen um seine Nominierung muss sich Weltmeister Toni Kroos nicht machen. Nach dem Champions-League-Hattrick mit Real Madrid stößt er am Samstag zum Team. In Österreich wird er nicht zum Einsatz kommen. Bei Löws WM-Lotterie muss der Mittelfeldstratege aber ohnehin nicht in die Trommel greifen.

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