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Medaillen für Reiterinnen

Mit Beginn der Leichtathletik-Wettbewerbe nehmen die Paralympics richtig Fahrt auf. Beim Weltrekord des Briten Richard Whitehead über 200 Meter ist der Jubel im Olympiastadion ohrenbetäubend. Heinrich Popow holt Bronze, die deutschen Reiterinnen Silber und Bronze.
Wojtek Czyz (l) und  Heinrich Popow auf dem Weg ins Ziel. Foto: Julian Stratenschulte Wojtek Czyz (l) und Heinrich Popow auf dem Weg ins Ziel. Foto: Julian Stratenschulte
London. 

Die starken deutschen Dressurreiterinnen Britta Näpel und Angelika Trabert haben am dritten Tag der Paralympics in London Silber und Bronze gewonnen. Die beiden erfahrenen Athletinnen mussten im Einzel nur der Amerikanerin Natasha Baker den Vortritt lassen. Und im voll besetzten Olympiastadion holte Leichtathlet Heinrich Popow mit Bronze die erste deutsche Medaille in den Laufdisziplinen.

"Das ist hervorragend, das ist das Größte, was ich gefühlsmäßig ertragen kann", sagte die spastisch erkrankte Näpel, die vor vier Jahren schon Gold gewonnen hatte. Die individuellen Ergebnisse zählen auch für die Mannschaftsentscheidung am Sonntag im Greenwich Park, in der das vierköpfige deutsche Team bislang nur knapp hinter England liegt. Eine Medaille sicher haben bereits die Tischtennisspieler Holger Nikelis und Jochen Wollmert, die in ihren jeweiligen Klassen das Finale erreichten.

Im Olympiastadion, das mit 80 000 Zuschauern schon morgens voll besetzt war, lief Popow persönliche Bestzeit über 200 Meter in der Konkurrenz der Oberschenkelamputierten. "Es hat sich so geil angefühlt, ich hatte letzte Nacht Krämpfe und nur drei Stunden geschlafen", betonte der Leverkusener, der am Freitagabend im Weitsprung als Vierter eine Medaille verpasst hatte. Sein Vereinskamerad Markus Rehm war Weltrekord gesprungen.

Leer gingen am Samstag die deutschen Radsportler und Schwimmer aus. Die sehbehinderte Daniela Schulte wurde im Endlauf über 50 Meter Freistil Siebte. Im 400-Meter-Freistil-Rennen der Männer schwamm Sebastian Iwanow auf den sechsten Rang, Swen Michaelis wurde Achter. Judoka Oliver Upmann verlor seinen Kampf um Bronze durch Ippon.

Gefeiert war zuvor im Olympiastadion geworden. "Ohne das Publikum wäre ich nicht so schnell gelaufen. Ich habe gedacht, ich sterbe, aber bei 120 Metern wurde es immer lauter und dann habe ich nichts mehr gespürt", sagte Popow, der sich nach dem Zieleinlauf erschöpft fallen ließ. Gold mit Weltrekord von 24,38 Sekunden ging an den Engländer Richard Whitehead, Silber an Shaquille Vance aus den USA.

Wojtek Czyz aus Kaiserslautern wurde in persönlicher Bestzeit Fünfter. "Ich habe mich gestern beim Weitsprung total ausgepowert. Meine Zeit ist eine ganz klare Enttäuschung", sagte der Silbermedaillengewinner des Vortags und will sich nun auf die 100 Meter konzentrieren: "Da werde ich angreifen."

Die Sympathien im Stadionrund flogen besonders Houssein Omar Hassan zu, der im Schritttempo über 1500 Meter mit Abstand Letzter wurde. Sieben von acht Athleten waren schon im Ziel und in den Katakomben des Olympiastadions verschwunden, da sprangen die Zuschauer hoch, klatschten und brüllten. Der Beifall galt dem 35-Jährigen, der als erster Sportler aus Dschibuti bei Paralympics antrat. Der einarmige Sportler benötigte für die knapp drei Stadionrunden 11:23,50 Minuten, und damit fast dreimal so lange wie der Laufsieger. "Das ist der Wahnsinn hier, so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Zuschauer Gerd Schönfelder, der 16 Mal bei Winter-Paralympics Gold geholt hat, zur Stimmung in London.

Richtig unglücklich fühlte sich die ukrainische Diskuswerferin Maria Pomasan, der am Vorabend fälschlicherweise Gold verliehen worden war. Erst später fiel der Fehler beim Abmessen auf. Am Samstag wurde die Chinesin Qing Wu zur Siegerin erklärt, Pomasan erhielt Silber. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) entschuldigte sich für die Panne und wiederholte die Siegerehrung.

(dpa)
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