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Olympische Winterspiele: Michael Rösch ist am Ziel seiner Träume

Mit Willensstärke und einer Crowdfunding-Idee hat es Michael Rösch nach Pyeongchang geschafft – dort startet der Staffel-Olympiasieger von 2006 unter „falscher“ Flagge.
Holte einst im deutschen Team Olympia-Gold, verschwand dann in der Versenkung und ist nun zurück auf großer Bühne: Michael Rösch. Foto: Hendrik Schmidt (dpa-Zentralbild) Holte einst im deutschen Team Olympia-Gold, verschwand dann in der Versenkung und ist nun zurück auf großer Bühne: Michael Rösch.

Ein Einzelkämpfer ist Michael Rösch schon lange nicht mehr, auch im fernen Südkorea sind seine Unterstützer auf Schritt und Tritt dabei. Zwar nur winzig klein, aber immerhin. „Ich bin auf mich und vor allem die Leute stolz, die mich hierhergebracht haben“, sagt der Biathlet – und blickt fast schon ein bisschen ehrfürchtig auf seine Waffe.

Denn die hat der Sachse, der für Belgien startet, extra für die Olympischen Spiele in ein neues Gewand gehüllt. Unzählige kleine Bilder mit den Gesichtern seiner Geldgeber sind dort erkennbar, und penibel zusammengesetzt ergibt das Mosaik sogar die belgischen Nationalfarben. Ein echter Hingucker.

Das ist der 34-jährige Rösch in der Szene der Skijäger mit seinem Rauschebart auch, aber das allein macht ihn freilich nicht zu einem der interessantesten Olympia-Teilnehmer. Seine Crowdfunding-Idee, die erst den Start unter falscher Flagge ermöglicht und ihn nun an „das Ziel meiner Träume“ gebracht hatte, und vor allem der bisherige Werdegang sind viel bemerkenswerter.

Bruch mit dem DSV

„Das alles zeigt, was mit Willensstärke möglich ist“, sagt Rösch dazu. Mit viel Willenskraft und der Hilfe von Ricco Groß, Sven Fischer und Michael Greis hatte der Altenberger 2006 im Alter von nur 22 Jahren mit der deutschen Staffel Olympia-Gold gewonnen. Durch den Triumph in Turin und weitere herausragende Ergebnisse galt Rösch schon als Kronprinz von Fischer und Co. – doch es kam alles anders.

Die extremen Erwartungen erfüllte Rösch nicht oder nur ansatzweise, er wurde zunächst nur noch im zweitklassigen IBU-Cup eingesetzt und durfte später lediglich im Deutschland-Pokal starten. Es kam zum Bruch mit dem Deutschen Skiverband (DSV), der Nationen-wechsel war die einzige Möglichkeit, noch einmal in der Weltspitze aufzutauchen.

Das tut Rösch, der gemeinsam mit Florent Claude die Belgier vertritt, in regelmäßigen Abständen auch heute noch. Und er freut sich, authentisch, leidenschaftlich – so wie im Dezember 2016, als er unter Tränen einen sechsten Platz seinem verstorbenen Ex-Trainer Klaus Siebert widmete.

Ein bisschen Genugtuung

„Ich habe so ziemlich das Schlimmste und das Schönste durchgemacht, das ein Sportler durchmachen kann“, sagt Rösch rückblickend. Er könne mit all den erlebten Erfahrungen „ein Buch schreiben“, das nun um ein bedeutendes Kapitel reicher wäre. „Es waren ja keine Monate oder Wochen, sondern zwölf Jahre, die ich auf diesen Moment warten musste“, sagt Rösch.

Erleichterung, Vorfreude und auch Genugtuung sind greifbar, wenn er von den vor ihm liegenden Tagen spricht. Dass er keine Chancen auf eine Medaille haben und die Platzierungen untergeordnete Bedeutung tragen werden, ist nachvollziehbar. „Ich genieße es einfach“, sagt Rösch, „und bin am Ende nur stolz, wieder am Start zu sein.“

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